Kleinkeula: Hoffnung auf Ausbau der Landstraße enttäuscht

Kleinkeula.  Kleinkeulas Ortsbürgermeister Frank Göthling sagt, mehr als eine missglückte Ausbesserung sei nach der versprochenen Sanierung nicht passiert.

Ortsbürgermeister Frank Göthling zeigt an der Landstraße zwischen Kleinkeula und Keula auf den Grasbüschel, der aus dem Loch im Asphalt wächst. Seit Jahrzehnten bemüht sich die Gemeinde um die Sanierung.

Ortsbürgermeister Frank Göthling zeigt an der Landstraße zwischen Kleinkeula und Keula auf den Grasbüschel, der aus dem Loch im Asphalt wächst. Seit Jahrzehnten bemüht sich die Gemeinde um die Sanierung.

Foto: Alexander Volkmann

Mitten auf der Landstraße L 2038 hinter dem Ortsausgang von Kleinkeula wächst ein Büschel Gras aus einem Loch im Asphalt. In einem bedenklichem Zustand ist die rund 2,3 Kilometer lange Straße Richtung Keula. „Bald müssen wir Geländer um die Löcher bauen, damit keiner hineinfällt“, sagt Frank Göthling. Eigentlich ist Kleinkeulas Ortsbürgermeister nicht zum Scherzen zumute. Tatsächlich ist er stinksauer. Denn die versprochene Sanierung der maroden Straße lässt weiter auf sich warten.

Seit Jahrzehnten kämpfen die Menschen aus Kleinkeula und dem benachbarten Sollstedt für einen grundhaften Ausbau und eine damit verbundene Verbreiterung. Immer wieder haben sie auf die Folgen für die Verkehrssicherheit, für den Rettungsdienst und für Schulbusse hingewiesen. Im Oktober 2018 hatten rund 80 Einwohner die Landstraße für eine Kundgebung blockiert. Ein halbes Jahr später schilderte Göthling als Initiator der Demo in einem Brief an Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) die Situation ausführlich. Die Antwort aus der Staatskanzlei kam überraschend und weckte Hoffnungen: Im Entwurf zum Landstraßenbedarfsplan sei für das Jahr 2020 die Erhaltungsmaßnahme für den Hauptteil der Strecke eingeplant. Laut Landratsamt Unstrut-Hainich, das sich auf das Thüringer Finanzministerium bezog, sollten die Arbeiten aus Haushaltsmitteln des Landes finanziert werden, die im Jahr zuvor nicht ausgegeben wurden.

Auch Land schätzt Zustand der Straße als „schlecht“ ein

Nun die Ernüchterung: 2020 ist bald zu Ende, Mitte Oktober erkundigten sich Frank Göthling und Martin Wacker (parteilos), Bürgermeister der Einheitsgemeinde Menteroda, persönlich beim Landesamt für Bau und Verkehr Nordthüringen nach dem Stand. Die Behörde habe keinerlei Kenntnis über die Aussagen von Staatskanzlei und Ministerium und verfüge schon gar nicht über die angesprochenen Mittel, so Göthlings Erkenntnis nach dem Gespräch. Bürgermeister Martin Wacker: „Wir werden seit 20 Jahren hingehalten.“ Das Thema habe schon bei seinem Vorgänger Peter Schill auf der Tagesordnung gestanden.

In einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Jonas Urbach (CDU) heißt es: Der Zustand der L 2038 von Sollstedt nach Keula sei schlecht. Kurzfristig plane die Landesregierung jedoch keine grundhafte Sanierung vorzunehmen. Bis zum Jahr 2030 sei beabsichtigt, die Strecke „im Bestand zu ertüchtigen“. Eine erste Kostenermittlung sieht dafür einen Finanzierungsbedarf in Höhe von rund 1,25 Millionen Euro für die Sanierung der Fahrbahn vor.

„Den Bürgern von Kleinkeula und Sollstedt ist nicht mehr zu erklären, warum andere Straßen in den letzten 15 Jahren nun schon mehrfach überarbeitet wurden, unsere Straße jedoch immer noch ganz weit unten auf der Prioritätenliste steht“, sagt Göthling.

Nach seiner Kenntnis solle die Landstraße nun, statt als Erhaltungsmaßnahme, in den Plan für „Um- und Ausbau“ aufgenommen werden. Dieses bedeutet zwar, dass die Straße entsprechen ausgebaut, also auch verbreitert würde, dass aber weitere Jahre ins Land ziehen werden, ohne dass etwas geschieht. Göthling vermutet eine Hinhaltetaktik; dass das Land die Straße gerne an die Kommune abgeben würde. Vergleichbare Beispiele zeigen jedoch, dass Gemeinden dazu nur bereit sind, wenn die Straße in gutem Zustand ist.

Flickenteppich wird nach erneuter Ausbesserung größer

Und was sagt das zuständige Landesamt für Bau und Verkehr in Nordthüringen dazu? Nichts! Eine Anfrage unserer Zeitung vom 29. Oktober bleibt auch nach drei Wochen unbeantwortet. Man befinde sich zur Beantwortung in Abstimmung mit der Staatskanzlei, heißt es auf Rückfrage.

Im Sommer habe es notdürftige Ausbesserungsarbeiten gegeben, zeigt Frank Göthling auf den Flickenteppich auf der Straße, der immer größer wird. Schon nach kurzer Zeit sei der Bitumen stellenweise wieder herausgebrochen. Nach dem Winter werde die Straße noch schlechter aussehen als vorher, so seine Befürchtung. Gemessen an dem Aufwand, schätzt Göthling die Ausbesserung eher als „missglückte Beruhigungsmaßnahme“ ein. Der bestehende Asphalt sei einfach am Ende seiner Lebensdauer.

Nun hat Göthling erneut an den Ministerpräsidenten geschrieben und ihn zum Gespräch samt einer Fahrt über die Buckelpiste eingeladen. Das ist eine der wenigen letzten Möglichkeit, die er sieht, um das Projekt doch noch auf den Weg zu bringen.

„Es ist uns mittlerweile egal, aus welchem Topf das bezahlt wird oder wer zuständig für die Landstraßen ist“, sagt Göthling. „Am Ende werden alle Straßen von unseren Steuern bezahlt. Es ist nun Zeit, dass wir dran sind.“