Krankenhäuser im Kreis werben mit Prämien um Pflegekräfte

Landkreis.  Das Hufeland-Klinikum und Median-Klinik bieten 3000 und 4000 Euro Begrüßungsgeld für Fachkräfte. Der Notstand ist im Pflegebereich besonders groß.

Das Hufeland-Klinikum will in Bad Langensalza und Mühlhausen neue Pflegekräfte auch mit Prämien anlocken.

Das Hufeland-Klinikum will in Bad Langensalza und Mühlhausen neue Pflegekräfte auch mit Prämien anlocken.

Foto: Daniel Volkmann

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Krankenhäuser suchen händeringend Pflegekräfte: Mit dem Hufeland-Klinikum und der Median-Klinik in Bad Tennstedt bieten dieser Tage gleich zwei Einrichtungen im Unstrut-Hainich-Kreis sogar Prämien für Bewerber.

Eine Einmalzahlung von 3000 Euro bietet das Hufeland-Klinikum für examinierte Gesundheits-, Kranken- und Altenpfleger, die sich für einen Wechsel entscheiden. Eine entsprechende Anzeige erschien auch in unserer Tageszeitung. Die Median-Klinik warb unter anderem auch im Bad Langensalzaer Amtsblatt um Pflegefachkräfte und bot sogar 4000 Euro Begrüßungsgeld.

Beide Häuser winken zudem mit Gehältern um 3400 Euro plus Zuschlägen und weiteren Vergünstigungen wie etwa Sonderurlaub (Median) oder Kindergartenzuschuss (Hufeland). Hintergrund ist der extreme Mangel an Bewerbern. Dazu kommen steigende Anforderungen des Gesetzgebers, der etwa Pflegepersonaluntergrenzen vorschreibe und dafür auf examinierte Kräfte poche, weiß Kerstin Haase, Geschäftsführerin des Hufeland-Klinikums.

Ein weiterer Faktor sei die Demographie: In den 1990er Jahren sei zuwenig ausgebildet worden, so Haase: „Wir haben deshalb auch im Krankenhaus eine ungesunde Alterspyramide.“ Und: Die Bewerberzahl für den Pflegedienst gehe seit 2015 „drastisch zurück“. Ein Grund dafür sei auch das angeschlagene Image des Berufs, meint die Hufeland-Geschäftsführerin: „Die öffentliche Kommunikation zum Pflegenotstand, die sich ursprünglich auf die Altenpflege bezogen hat, ist leider auf die Krankenpflege übergeschwappt“ und präge inzwischen auch das Selbstbild. Dabei kenne sie „etliche Mitarbeiter in der Krankenpflege, die von ihrem Beruf völlig zurecht begeistert sind“.

Mit der Idee, Prämien zu zahlen, sind die Kliniken im Landkreis keine Ausnahme: Im Internet finden sich mühelos viele ähnliche Beispiele: So zahlte Helios in Leipzig 8000 Euro für neue Pflegekräfte, die Asklepios-Klinik Weißenfels kürzlich sogar 10.000 Euro.

Alleine damit wird sich der Notstand allerdings nicht beheben lassen. Denn in Deutschland fehlten rund 35.000 Pflegekräfte, in den Krankenhäusern gebe es derzeit circa 12.000 offene Stellen zu verzeichnen. Der Arbeitsmarkt sei leergefegt, so Haase. Mit der Prämie hoffe man auch, „Mitarbeiter zurückzugewinnen, die vor Jahren meist aus persönlichen Gründen in eine andere Tätigkeit abgewandert sind“.

Einen „mittleren fünfstelligen Betrag“ gebe das Hufeland Klinikum jährlich aus, um neues Fachpersonal zu gewinnen. Das Haus beteilige sich auch an Berufsmessen und setzte mitunter sogenannte Headhunter ein, die gezielt geeignete Personen ansprechen.

Auch im Ausland werde inzwischen um Fachkräfte geworben. Wobei der Pflegebereich besonders schwierig sei: In anderen Berufen, sei die Lage einfacher, außer bei den Ärzten. In Kooperation mit der Berufsschule des Kreises bildet das Klinikum seit vielen Jahren zudem selbst Pflegefachkräfte aus: Jährlich starteten hier 30 Auszubildende, 2020 werden es gar 34 sein. Am Ende werde ihnen die Übernahme angeboten.

Bringen die Anzeigen Erfolg? Und wie reagieren die umliegenden Kliniken darauf? Im Hufeland-Klinikum habe man nach der Veröffentlichung einen Anstieg der Bewerbungen verzeichnet, antwortet Kerstin Haase. Negative Reaktionen von anderen Arbeitgebern sein ihr nicht bekannt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren