Mehlbeeren im Eichsfeld

Eichsfeld  Natur im Eichsfeld (105): Die Klimaerwärmung kann Ausbreitung solcher Baumarten begünstigen, die Licht brauchen.

Ein Zweig der Elsbeere. Es ist überliefert, dass Martin Luthers Frau Katharina von Bora besonders gern Elsbeeren aß.

Ein Zweig der Elsbeere. Es ist überliefert, dass Martin Luthers Frau Katharina von Bora besonders gern Elsbeeren aß.

Foto: Arne Willenberg

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Nach einer im September veröffentlichten Studie der Weltnaturschutzunion sind 58 Prozent der nur in Europa vorkommenden Baumarten gefährdet. In Deutschland betrifft das vor allem die Ebereschen und Mehlbeeren der Gattung Sorbus.

Diese zu den Rosengewächsen gehörenden Gehölze sind im Eichsfeld mit den Arten Gewöhnliche Mehlbeere (Sorbus aria), Gemeine Eberesche (Sorbus aucuparia) und Elsbeere (Sorbus torminalis) vertreten. Genannt sind hier nur die wild vorkommenden Arten. Darüber hinaus gibt es weitere Arten als angepflanzte Zier- und Alleenbäume. Der in Thüringen noch heimische, aber sehr seltene Speierling (Sorbus domestica) war in früheren Jahrzehnten ebenfalls im Eichsfeld bekannt, aktuelle Nachweise fehlen aber.

Alle Sorbus-Arten brauchen Licht. Sie können in den Eichsfelder Wäldern also nur dort gedeihen, wo die ansonsten dominanten Rotbuchen einen lockeren und lichtdurchlässigen Kronenschluss aufweisen. Solche Verhältnisse kommen zum Teil an den Plateaurändern und in den südlichen Steilhanglagen der Muschelkalkberge vor. In diesen speziellen Buchenwaldgesellschaften tritt die Elsbeere einzeln oder in kleinen Gruppen auf. Während man auf entsprechenden Standorten die Elsbeere noch im gesamten Eichsfeld finden kann, sind die zerstreuten Vorkommen der Gewöhnlichen Mehlbeere auf das Südeichsfeld und das Grenzgebiet zu Hessen beschränkt. Auch sie ist eine Art lichter Laubwälder, besiedelt aber auch Trockengebüsche und Felsen. Nur die Eberesche, bekannt als Vogelbeere, ist eine häufige Art, welche als Pionierbaumart vor allem in den Laubwaldgesellschaften der Buntsandsteingebiete, aber auch an Waldrändern und in Feldgehölzen vorkommt.

Die gegenwärtig zu beobachtende trockenheitsbedingte Schwächung der Rotbuche kann langfristig zu Veränderungen in der Artenzusammensetzung unserer Wälder führen. Statt unserer bekannten Rotbuchen-Waldgesellschaften könnten zukünftig wärmeliebende Traubeneichen-Trockenwälder unsere Waldlandschaft bestimmen. Das sind Waldgesellschaften, welche bisher in Mitteldeutschland nur kleinflächig und untergeordnet vorkommen.

In ihnen sind Echte Mehlbeere und Elsbeere in hoher Stetigkeit vorhanden. Die Klimaerwärmung kann also zu einer Ausbreitung dieser Mehlbeeren-Arten und ihrer natürlichen Waldgesellschaften führen, vorausgesetzt, unsere Forstbetriebe unterstützen, nach dem Zusammenbruch der Fichtenforste und der Zurückdrängung der Rotbuche, eine natürliche Waldentwicklung.

Eine Wiederaufforstung mit fremdländischen und standortfremden Gehölzen wäre dagegen ein Fehler und würde erneut zu instabilen und gegen Klimastress anfällige Forste führen.

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