Mühlhäuser Hotelchef rechnet mit Lockdown bis Ostern

Mühlhausen  Das Brauhaus zum Löwen setzt auf einen steigenden Deutschland-Tourismus nach der Corona-Pandemie.

Das Hotel und Restaurant Brauhaus zum Löwen investiert trotz Corona in weitere Sitzplätze. Chef Marco Fongern steht im ehemaligen "Leo", das nun zum Bewirtungsbereich für Hotelgäste umgebaut wurde.

Das Hotel und Restaurant Brauhaus zum Löwen investiert trotz Corona in weitere Sitzplätze. Chef Marco Fongern steht im ehemaligen "Leo", das nun zum Bewirtungsbereich für Hotelgäste umgebaut wurde.

Foto: Alexander Volkmann

„Ohne die Schließzeiten wäre 2020 ein absolutes Spitzenjahr geworden“, sagt Hotelchef Marco Fongern vom Mühlhäuser Brauhaus zum Löwen. Hätte, wäre, wenn. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus haben Gaststätten und Hotels Mitte Dezember erneut in den einen Lockdown geschickt.

Dennoch, so meint Fongern, habe der Tourismus in Deutschland insgesamt im vergangenen Jahr einen Aufwind erfahren; viele Menschen machten Urlaub im eigenen Land. Trotz deutlich weniger Familienfeiern, Tagungen und Busreisenden verzeichnete das zur Göbel-Gruppe gehörende Hotel in Mühlhausen unter Fongerns Leitung deshalb auch ein deutliches Umsatzplus im September und Oktober, verglichen mit dem Jahr 2019. Die Zahl der Individualtouristen sei nach dem ersten Lockdown gestiegen. Das Haus war gut ausgelastet und im Biergarten sei an keinem Wochentag mehr ein Platz frei gewesen. Die Menschen hätten ein Bedürfnis nach Geselligkeit gehabt.

Bis Mitte Mai 2020 alle Mitarbeiter in Kurzarbeit

Deshalb habe es sich im Rückblick trotz Corona und damit verbundener wirtschaftlicher Verluste gelohnt, das ehemalige „Leo“ umzubauen. Hier werden die Hotelgäste versorgt werden, während die Gastronomie im Brauhaus selbst wieder stärker wahrgenommen wird – auch zur Freude vieler Mühlhäuser, wie Fongern weiß. „Wir hatten endlich wieder freie Kapazitäten für Gäste aus der Region.“

Eine Herausforderung sei der Neustart gewesen. Nachdem bis Mitte Mai alle Mitarbeiter in Kurzarbeit waren, musste das Geschäft binnen kurzer Zeit wieder auf volle Leistung gebracht werden. Fongern spricht von einem „scharfen Start“ – zurück zur professionellen Routine. Nach einer Weile griffen die Zahnrädchen, Fongern meint damit auch die Mitarbeiter, wieder gut ineinander.

Und jetzt? Seit Mitte Dezember ist wieder alles heruntergefahren. „18,70 Euro – der Tagesumsatz von gestern“, sagt Fongern. Bier, das außer Haus verkauft wurde. Zwar dürfen Geschäftskunden im Hotel übernachten und speisen. Doch auch hier kommen 90 Prozent weniger als üblich. Deshalb fährt das Hotel mit Mindestbesatzung. Die Rezeption ist knapp besetzt. Vieles funktioniert mit technischer Unterstützung, das Handy wird zum Zimmerschlüssel. Das ist auch unter dem Hygieneaspekt sinnvoll. Die Mitarbeiter an der Rezeption sind außerdem für den Service im Restaurant zuständig. Die wenigen Gäste, die gewerblich reisen, sind dankbar für das Angebot, sagt Fongern, nehmen auch mal etwas längere Wartezeiten in Kauf.

Weiterer Ausbau trotz Verlust-Prognose

Auf das Außer-Haus-Geschäft verzichtet das Brauhaus im zweiten Lockdown. „Wir konnten im Frühjahr gerade so die Unkosten decken“, sagt der Hotelchef. „Wir haben bisher solide gewirtschaftet, sind sparsam mit dem Geld umgegangen.“ Den zweiten Lockdown habe er schon im Herbst kommen sehen. Seine Prognose fällt angesichts der Infektionslage nicht gut aus. Fongern rechnet damit, dass noch mindestens bis Ostern dieses Jahres Hotels und Gaststätten geschlossen bleiben. Den Verlust schätzt Fongern schon jetzt auf einen hohen sechsstelligen Betrag. Genau Zahlen nennt er nicht. Vergleichbare Hotels machen im Schnitt etwa 300.000 Euro Umsatz im Monat.

Und trotzdem baut das Brauhaus weiter aus. Nun wird der ehemalige, ungenutzte Raucherbereich im Leo umgestaltet. Hier entstehen 40 weitere Sitzplätze für Hotelgäste. Fongerns Erkenntnis aus der Pandemie: Mittelfristig habe der Deutschlandtourismus gewonnen. Viele Leute hätten Ecken besucht, in denen sie nie zuvor waren (oder in die sie nie wollten). „Die kommen wieder“, meint Fongern. Es habe zudem häufiger Anfragen nach Wohnmobil-Stellplätzen gegeben, und der Fahrradtourismus sei weiter gewachsen.

So gilt es für den Hotelchef, die erneute Durststrecke auch mit Unterstützung vom Staat durch Hilfsgelder und Maßnahmen, wie Kurzarbeit, zu überstehen. Das dürfte im Verbund einer Hotelkette womöglich besser machbar sein als für einen kleinen Gastronomie-Betrieb