Pläne für den Fall, dass alles noch viel schlimmer wird

Landkreis.  Im Landratsamt des Unstrut-Hainich-Kreises laufen viele Fäden der Corona-Bekämpfung zusammen. Ein Landrat im Dauer-Krisenmodus.

Landrat Harald Zanker mit seiner Büroleiterin Nicole Busch: Weil im Büro nicht immer zwei Meter Abstand möglich sind, tragen Beschäftigte im Landratsamt nun Mundschutz.

Landrat Harald Zanker mit seiner Büroleiterin Nicole Busch: Weil im Büro nicht immer zwei Meter Abstand möglich sind, tragen Beschäftigte im Landratsamt nun Mundschutz.

Foto: Daniel Volkmann

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Zahl der Corona-Infizierten wird im Unstrut-Hainich-Kreis noch viel weiter als bisher steigen Davon geht Landrat Harald Zanker (SPD) aus – muss er ausgehen. Deshalb denkt er mit seinem Krisenteam voraus: Wie kann die Zahl der Tests deutlich erhöht werden? Wo können Patienten untergebracht und versorgt werden, wenn das Klinikum alle Kapazitäten ausgeschöpft hat? Wie kann die Müllabfuhr aufrecht erhalten werden? Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog

Das Landratsamt ist Dreh- und Angelpunkt der Krisenbekämpfung in der Region. Als Aufsicht und Partner der Städte und Gemeinden, in eigener Verantwortung für den Katastrophenschutz, die Ordnungsbehörde, Schulen und Gesundheitswesen für Schulen und Nahverkehr; und als Ableger der Landes-Verwaltung, etwa im Ausländerrecht.

Auf drei Ebenen muss der Kreis agieren: Verfügungen regeln den großen Rahmen. Zweitens müssen akute Probleme gelöst werden und drittens heißt es vorausdenken: Was, wenn alles schlimmer wird? Die großen Fragen sind im Moment geklärt mit den Verfügungen, die der Landrat seit zwei Wochen und zuletzt vermehrt das Land erlassen haben. Zanker hat teils drastischere Vorschriften erlassen als andere Landräte, etwa zur Quarantäne für Urlaubsrückkehrer. Deshalb sind diese Zahlen im Kreis vergleichsweise hoch. Ob und wann es noch weitere Einschränkungen des Alltags und ob die getroffenen Maßnahmen helfen, ist offen.

Die Ergebnisse der Tests träfen erst nach und nach beim Kreis ein, sagt Zanker. Am Freitag um 16 Uhr gab es im Kreis neun infizierte Menschen, von denen zwei im Klinikum aufgenommen wurden und 341 in häuslicher Quarantäne. Diese Zahlen könnten sich schnell nach oben ändern, so der Landrat. Ab Montag will der Kreis über das Gesundheitsamt auch selbst Abstriche vornehmen – nach vorheriger Terminvergabe über die eigenen Ärzte. Die neu eingerichtete Abstrichstelle in Bad Langensalza bleibe geöffnet. Man reagiere damit auf die Entwicklung, sagte Zanker: Zügigere Tests als bisher seien wichtig, um die weitere Gefahr einschätzen und bekämpfen zu können.

Mit laufenden Problemen haben Zanker und sein Krisenteam derzeit viel Arbeit. Versorgung der Feuerwehren und anderer Bereiche mit Schutzkleidung – da erwarte er gerade Nachschub. Die Unterbringung von Kindern, die aus Familien heraus müssen. oder von Opfern häuslicher Gewalt sei auch ein aktuelles Thema. Zum Gespräch mit der Zeitung empfangen der Landrat und seine Mitarbeiterinnen mit Mundschutz – wie alle, die noch im Landratsamt arbeiten. Und im Landratsamt werde nun deutlich mehr elektronisch kommuniziert. Die jüngste Bürgermeister-Beratung lief über Skype – eine Premiere.

„Täglich, stündlich, momentan“ träten neue Fragestellungen auf, auf die man reagieren müsse, sagt der Landrat. Sein Tag dauere „von morgens fünf bis abends 22 Uhr“, sagt Zanker. Danach falle er nur noch ins Bett. Verschnaufpausen gebe es praktisch nur auf dem Weg zum nächsten Gespräch. Er arbeitet bekanntermaßen schon immer viel. „Aber die Intensität, das extreme Kommunizieren auf allen Kanälen“ sei enorm. Er und andere arbeiteten an der Leistungsgrenze. Bislang schaffe er das körperlich. Aber irgendwann brauche auch er mal eine Pause. Falls er ausfalle, sei geregelt, welcher Fachdienstleiter die Zügel in die Hand nimmt. Denn einen hauptamtlichen Stellvertreter hat Zanker nicht.

Auch an die nächsten Wochen müssen der Landrat und seine Leute denken: So gebe es inzwischen Pandemiepläne für den Regionalbusverkehr und die Abfallentsorgung – sie regeln Schritt für Schritt, was passiert, wenn die Krise schlimmer wird. Etliche Mitarbeiter des Landratsamts sind im „Stand-By-Modus Zuhause und müssen sich auch dort besonders schützen: Für den Einsatz, wenn andere ausfallen.

Zwei Prämissen gelten für ihn, sagte Zanker: „Ich muss so viel wie möglich für die Sicherheit der Menschen tun. Und dabei bis an die rechtlichen Grenzen gehen.“ Ziel sei immer, die Zahl de Fälle so gering wie möglich zu halten, damit sie noch bewältigt werden können. Belastet es ihn, dass er mit seinen Erlassen in das Leben jedes Einzelnen eingreift wie nie zuvor? Das wisse er, dürfe es aber nicht an sich heranlassen, antwortet der Landrat. Da komme ihm auch seine lange Erfahrung im Amt zugute.

Zudem sei die Akzeptanz in der Bevölkerung deutlich gewachsen, auch angesichts der weltweiten Ausbreitung der Seuche. Dennoch gebe es unvernünftige, uneinsichtige Menschen. Deshalb vergebe unter anderem die Kfz-Zulassung nur noch in gut begründeten Fällen Termine.

Dass Kontrollen nötig seien, zeigen die Ergebnisse: Verstöße in Läden, Gaststätten und Imbissen wurden schon festgestellt, Gruppen mussten per Platzverweis aufgelöst werden. Die Kontrollen von Kreis und Gemeinden wurden nun sogar in Absprache noch verstärkt. Sie laufen im Schichtdienst von 7 bis 22.30 Uhr. Auch die Polizei sei dabei Partner.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren