Tagebuch im Internet

Wer kennt das nicht? Man ist mit dem Auto unterwegs, spät dran und dann das: Ein Lastkraftwagen hängt auf der Landstraße vor dem eigenen Auto - und auf den nächsten Kilometern keine Chance zum Überholen. Das nervt. Auch die Straßen im Unstrut-Hainich-Kreis sind voll mit Lastern.

Der Mühlhäuser Maik Erdmann veröffentlicht seine Erlebnisse auf den Straßen und Autobahnen in einem Trucker-Blog im Internet. Foto: Alexandra Franz

Der Mühlhäuser Maik Erdmann veröffentlicht seine Erlebnisse auf den Straßen und Autobahnen in einem Trucker-Blog im Internet. Foto: Alexandra Franz

Foto: zgt

Mühlhausen. Für viele ein Ärgernis. Die prellen die Maut, heißt es dann. Doch wie der Alltag eines Fernfahrers eigentlich aussieht, das wissen die wenigsten. Diese Tatsache stellt auch Maik Erdmann immer wieder fest. Er ist 42 und lebt seit 18 Jahren in Mühlhausen. Zumindest am Wochenende, denn in der Woche sind sein 420-PS-starker Truck und die Straßen Europas sein Zuhause. Auf seinen Touren erlebt er eine Menge. Im Februar 2008 kam er auf die Idee, seine Erlebnisse nicht bloß für sich festzuhalten, sondern in einem Blog im Internet zu veröffentlichen. Damit gehört er in ganz Deutschland zu den wenigen bloggenden Lasterfahrern.

"Ich kenne nur sechs oder sieben andere", erklärt Maik Erdmann. Und von denen bloggt niemand so erfolgreich wie Fernfahrer Maik. Jeden Tag zählt er 600 bis 700 Besucher auf seiner Seite. Das Erstaunliche: Der größte Teil seiner Leser sind keine Brummifahrer. Woran das wohl liegt? Maik kann sich das auch nicht so richtig erklären. "Wahrscheinlich träumen viele Männer schon als Jungs davon, mal so eine große Maschine zu bedienen", vermutet er. Und dann gebe es ja auch noch den Mythos vom freien Trucker-Fahrer, dem der frische Westwind um die Nase weht.

"Davon ist heute auch nicht mehr so viel übrig geblieben. Ich habe eine Box im Auto, die genau aufzeichnet, wenn ich zu schnell oder zu lang fahre. Und das Handy ist stets griffbereit." Mit seinem Blog möchte er also auch das typische Bild vom Lasterfahrer ins rechte Licht rücken. "Nicht jeder trägt nur Jogginghose beim Fahren und Badelatschen. Ich kenne auch keinen mit Cowboy-Hut."

Beim Kunden einen guten Eindruck hinterlassen

Aber wenigstens Country-Musik? Auch weit gefehlt. "Ich hasse Country-Musik", sagt er. Aber was macht nun einen guten Trucker-Fahrer aus? Der Mühlhäuser betont immer wieder, dass der vor allem gute Umgangsformen hat. "Man muss beim Kunden einen guten Eindruck hinterlassen und immer die Nerven behalten." Genau das sei manchmal gar nicht so einfach. Denn der Job wird immer stressiger und der Konkurrenzkampf unter den Speditionen ist immens. "Viele osteuropäische Speditionsfirmen drängen auf den Markt. Die sind so billig, da kann kein deutscher Spediteur mithalten", erklärt der 42-Jährige. So bedeutet das Schreiben für Maik auch eine Art Erlebnisbewältigung. "Andere schlafen eine Nacht darüber.

Ich schreibe darüber." Sein Laptop fährt also immer mit. Abends, nach einem stressigen Arbeitstag, klappt er ihn auf und hält all das fest, was ihn an diesem Tag genervt oder interessiert hat. Seine Geschichten sind manchmal ernst, manchmal lustig, aber immer lesenswert. Auf seinen Fahrten durch ganz Europa trifft er viele verschiedene Nationen und die unterschiedlichsten Mentalitäten. "Deutsche Fahrer sitzen zum Beispiel in den Raststätten immer für sich. Ganz anders als zum Beispiel die Holländer, die bleiben nie allein." Aber immer wieder macht Maik auch auf die Probleme von Brummifahrern aufmerksam.

Etwa, wenn er wieder einmal mehrere Stunden nach einem Stellplatz für die Nacht gesucht hat. Oder wenn der zehnte Autofahrer kurz vor der Ausfahrt von der linken Spur plötzlich nach rechts zieht. Außerdem erinnert er daran, wie sehr der Verbraucher heute vom Güterverkehr auf der Straße abhängig ist. "Die Supermarktregale wären leer ohne Lkw auf den Straßen." Genau das treibt Maik immer wieder an. Auch wenn es ihm manchmal schwer fehlt, wieder loszufahren. Maik kann sich heute nicht mehr vorstellen, immer nur an einem Ort zu sein. "Am Band arbeiten, wo mir stets und ständig jemand über die Schulter schaut? Nein, das ist überhaupt nichts mehr für mich."