Textilien aus Mühlhausen für Modeshops und Lachsfarmen

Mühlhausen  Der Chemnitzer Anton Schumann ist alleiniger Geschäftsführer von Strickwaren Peterseim in Mühlhausen.

Das Unternehmen produziert auch für die Modemarke Georg Maier, was Thüringens gleichnamigen Innenminister (l.) im vergangenen Jahr auf die Idee brachte, dem Unternehmen einen Besuch abzustatten.

Das Unternehmen produziert auch für die Modemarke Georg Maier, was Thüringens gleichnamigen Innenminister (l.) im vergangenen Jahr auf die Idee brachte, dem Unternehmen einen Besuch abzustatten.

Foto: Daniel Volkmann

Adaptieren oder ab ins Textilmuseum. Anton Schumann (45) findet klare Worte über die Anforderungen an Unternehmen in der Textilindustrie. Der Chemnitzer ist seit 2020 alleiniger Geschäftsführer des im Dezember 1990 gegründeten Unternehmen „Peterseim Strickwaren“ in der Erfurter Straße in Mühlhausen.

Für den Erfolg braucht es laut Schumann Dreierlei: eine Story, Qualität und eine Nische. „Wir können keine Massenproduktion, aber ich bin überzeugt davon, dass man auch im Hochlohnland Deutschland ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickeln kann.“ Aktuell koste die Näh-Minute in Deutschland um die 44 Cent, in Rumänien zwölf, in Asien drei bis vier Cent. Unterschiede, die sich im Verkaufspreis niederschlagen.

Das 30. Unternehmensjahr war eines der schwierigsten: Schon im Frühjahr, in der ersten Corona-Welle, musste für die Mitarbeiter in Konfektionierung und Strickerei Kurzarbeit angemeldet werden. Das ist nun wieder der Fall.

Die Produktion von Medizintextilien – also Mund-Nasen-Schutz – hat das Unternehmen zumindest einigen Umsatz gebracht. Rund 30.000 Stück wurden laut Geschäftsführer verkauft. Inzwischen ist die Produktion eingestellt. Den letzten derartigen Großauftrag hat es im Oktober gegeben. Die Maskenproduktion „war eine kurze, heftige Party“, sagt Schumann und meint: „50 deutsche Textiler haben Masken gemacht, dabei haben sich einige auch vergaloppiert.“

Etliche Aufträge sind storniert worden

Viele Abnehmer von Bekleidung hatten und haben ihre Aufträge bei den Mühlhäusern storniert. Geschäfte waren und sind ebenso geschlossen wie Hotels. „Unsere Hotelshops sind teils erfolgreicher als unsere Innenstadtläden, weil Hotelgäste Zeit und Muße haben einzukaufen“, sagt Schumann.

Dass Deutschland im Lockdown ist und die Geschäfte geschlossen bleiben, sei fatal. „Vor allem im Österreich und in Bayern sind die Tage nach Weihnachten extrem wichtig für den Umsatz.“

Textilingenieur Schumann kommt aus Bayern und lebt nun mit Frau und Kindern in Chemnitz. In die sächsische Textilstadt kam er, um im Bereich technische Textilien zu arbeiten, nach Mühlhausen, um sich auch Mode-Textilien zu widmen.

2017 wurde er zu einem der drei Eigentümer der vom Heyeröder Helmut Peterseim gegründeten Firma. Peterseim hatte sich zurückgezogen, sein Name aber bleibt.

Gestrick für Fundamente im Meer

Schumann sieht die aktuelle Situation als Chance. Produziert wird „Georg Maier“ und „The Guestlist“. In den vergangenen Monaten haben nach Aussage Schumanns Chefs verschiedener kleiner bis mittelgroßer Marken aus Europa beim Traditionsunternehmen nachgefragt, ob es für sie produzieren kann. „Unser Vorteil ist: Wir können auch kleinere Margen liefern.“

Festhalten will man – trotz Konzentration auf Mode – an einem Forschungsprojekt: dem Basalt-Gestrick. 2017 hatte die Peterseim-Firmengruppe eine innovative Lösung für den Schutz von Fundamenten für Brücken, Windräder oder andere Objekten im Meer vorgestellt. Durch die Kombination eines innovativen Gestricks und eines leistungsfähigen Garns können Wartungskosten auf bis zu 40 Prozent reduziert werden. Inzwischen gibt es laut Schumann erste kleine Verkäufe an Lachsfarmen und Ölplattformen.