Im Video: 22 Jahre alte Bäume am Mühlhäuser Schwanenteich ziehen um

Susan Voigt
| Lesedauer: 4 Minuten
Sieben Platanen und drei Eichen müssen für den Umbau am Mühlhäuser Schwanenteich weichen. Damit sie nicht gefällt werden müssen, nimmt die Stadt viel Geld in die Hand. 

Sieben Platanen und drei Eichen müssen für den Umbau am Mühlhäuser Schwanenteich weichen. Damit sie nicht gefällt werden müssen, nimmt die Stadt viel Geld in die Hand. 

Foto: Susan Voigt

Mühlhausen.  Umtopfen statt Fällen: Ein erster sichtbarer Schritt Richtung Schwanenteichumbau ist am Mittwoch erfolgt. Die Platanen auf dem Vorplatz in Mühlhausen haben eine neue Heimat. Wir haben den Umzug per Videokamera begleitet.

Umtopfen statt Fällen hieß es in dieser Woche am Mühlhäuser Schwanenteich. Zehn ausgewachsene Bäume wurden jetzt dort mit schweren Maschinen umgesetzt. „Die Bäume sind es wert“, sagt Projektleiter André Pompe von der Mühlhäuser Stadtverwaltung.

Sieben Platanen und drei Eichen schmückten noch bis Mittwoch den Vorplatz der Kulturstätte und des Schwanenteichs. Jetzt stehen die 22 Jahre alten Bäume auf dem Gelände des Freibads. 3500 Euro kostet die Stadt diese Maßnahme pro Baum. „Stellt man den Wert der Bäume und die jahrelange Pflege gegenüber, ist das nichts“, erklärt Sven König vom Fachdienst Straßen- und Grünanlagenbau. Bis zu 12.000 Euro sind sie jeweils wert.

Weichen müssen sie für den anstehenden Umbau des Areals um den Schwanenteich. Der Vorplatz gehört zum ersten Bauabschnitt und soll im kommenden Frühjahr komplett umgestaltet werden. Dass die Bäume gefällt werden könnten, stand laut König nicht zur Diskussion. „Die Bäume sind gesund und schützenswert“, sagt er.

Klimabäume strotzen Trockenheit und Hitze

Peter Weiland, Leiter der Mühlhäuser Stadtgärtnerei, erklärt, warum: „Die Platanen sind jung und dazu echte Überlebenskünstler. Als Klimabäume kommen sie vor allem mit Trockenheit und Hitze gut zurecht. Auch die Eichen sind robust“, sagt er. Deshalb haben die Bäume gute Chancen, auf dem Freibadgelände weiter zu wachsen. Hinzu kommt, dass die Standortbedingungen jetzt wesentlich besser sind als zuvor. „Nicht verdichteter Boden gefällt den Bäumen besser als hitzespeichernder Beton“, sagt Weiland.

Umgesetzt wurden sie mit einer Rundspatenmaschine der Firma Großbaumverpflanzung Opitz. Mit einer überdimensionalen Schaufel wurden die Bäume samt Wurzeln aus der Erde gehoben und über den Spielplatz auf das Freibadgelände gebracht. Um den Spielplatz und die Wiese nicht kaputt zu fahren, richtete die Stadtverwaltung vorher eine Baustraße ein.

Für das Unternehmen aus Bayern sei die Verpflanzung von Bäumen Tagesgeschäft, sagt Bauleiter Bernd Küster. Europaweit sei das Team unterwegs, um noch weit größere Exemplare erst aus- und dann wieder einzupflanzen.

Für Mühlhausen aber war die Aktion eine völlig neue Erfahrung. „Es ist nicht nur wirtschaftlich und umwelttechnisch sinnvoll, sondern auch eine Wertschätzung der jahrelangen Arbeit, die die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei an diesen Bäumen geleistet haben“, erklärt Peter Weiland.

Baustart am Mühlhäuser Schwanenteich

Natürliche Sonnenschirme für das Freibad

Denn normalerweise werden Platanen bis zu 25 Meter hoch. In den vergangenen 22 Jahren sorgten die Mitarbeiter dafür, dass sie zu einem natürlichen Sonnenschutz wuchsen. Für die Verpflanzung wurden die Platanen noch ein wenig gestutzt, um den Transport unbeschadet überstehen zu können.

Über die natürlichen Sonnenschirme können sich ab kommendem Jahr dann die Besucher des Freibads freuen.

Nach dem Umsetzen stand für die Bäume zunächst Pflege auf dem Programm. „Wir schneiden die kaputten Wurzeln an, um das Wachstum anzuregen. Dann wird die Erde mit einem Substrat angereichert. Die Bäume werden mit reichlich Wasser versorgt“, so Weiland. Im Laufe der nächsten Tage bekommen sie zudem Gurte angelegt und werden am Boden verspannt. Das schützt vor allem die Feinwurzeln davor, bei starkem Wind zu reißen. „Das ist wie ein Baugerüst, nur in Groß“, sagt Weiland.

Die Löcher auf dem Vorplatz werden zunächst abgesperrt und später mit Bitumen verfüllt, damit keine Gefahr mehr für Spaziergänger besteht. „Das ist die Übergangslösung, bis die eigentliche Baumaßnahme beginnt“, sagt Sven König. Die Verpflanzung sei ein erster Schritt der Vorbereitungen für den Baubeginn.

Während des Umbaus müssen rund um den Schwanenteich 48 Bäume gefällt werden – darunter auch alte Exemplare. Dem gegenüber stehen 115 Neupflanzungen. Einzig die Eichen und Platanen vom Vorplatz haben nun an anderer Stelle Bestandsschutz, den sie voll ausleben können. Denn beide Baumarten können mehrere hundert Jahre alt werden.

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