Unwetter überfluten Mühlhausen und Vogtei mit Schlamm und Wasser

Landkreis.  Um die Lage in den Griff zu bekommen, braucht es Unterstützung von Wehren aus dem Umland und dem Technischen Hilfswerk.

Die Macht des Wassers riss in Felchta Teile eines Fußweges mit sich. n.

Die Macht des Wassers riss in Felchta Teile eines Fußweges mit sich. n.

Foto: Daniel Volkmann

Ein Unwetterwochenende, so wie es viele der Rettungskräfte in den vergangenen Jahren nicht erlebt haben, liegt hinter den Feuerwehrleuten der Region. Extremer Regen und Gewitter – ein Blitz schlug auch ins Mühlhäuser Rathaus ein – haben in der Nacht zum Sonntag in Mühlhausen und den Ortsteilen sowie in Oberdorla und Niederdorla in der Landgemeinde Vogtei für überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und weitere erhebliche Schäden gesorgt.

Gräben und Bäche wurden zu mächtigen Fließgewässern. Der Pegel der Unstrut stieg. Kurzzeitig habe man darüber nachgedacht, die Unstrutbrücke zwischen Bollstedt und Höngeda zu sperren, das aber wieder verworfen, denn die Bundesstraße 247 zwischen Mühlhausen und Höngeda war über Stunden gesperrt, weil sie komplett von Wasser und Schlamm überspült worden war, hieß es von der Ordnungsamtsleiterin der Kreisstadt, Claudia Litzkow-Hardegen.

Bis Sonntagmittag habe es rund 300 Einsätze allein in Mühlhausen und den Ortsteilen gegeben.

In der Kernstadt und den Ortsteilen waren allein in der Nacht zu Sonntag gut 200 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr Mühlhausen sowie die Wehren der Ortsteile, aus Ammern und Reiser sowie die Werksfeuerwehr des Ökumenischen Hainich-Klinikums im Einsatz. Als Verstärkung wurde der städtische Bauhof hinzugezogen.

Am Ortsrand von Oberdorlalag ein Dach auf der Straße

Auch der Gewässerunterhaltungsverband Obere Unstrut/Notter wurde aktiviert. Sonntagmorgen wurden auch die Wehrleute aus Bad Langensalza, Körner, der Gemeinde Anrode und der Vogtei nach Mühlhausen gezogen. Dabei waren die Vogteier selbst die ganze Nacht, bis morgens halb fünf, im Einsatz gewesen, um bis zu anderthalb Meter hoch vollgelaufene Keller vor allem in Oberdorla und in Niederdorla leer zu pumpen. Am Ortsrand von Oberdorla hatte es auch ein Dach auf die Straße geweht, so dass es kein Durchkommen in Richtung Stadtwald/Heyerode gab.

Auch Felchta war schwer betroffen, die Ortsdurchfahrt konnte nicht mehr befahren werden. Das Wasser drückte Tore kaputt, zerstörte Inventar und selbst Fußwege.

Wegen der Vielzahl der Schäden konzentrieren sich die Einsatzkräfte zunächst auf die wichtigsten Punkte. So ist es nicht möglich, unverzüglich jeden vollgelaufenen Keller leer zu pumpen“, heißt es von einer Stadtsprecherin.

Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) lobte die Einsatzkräfte „Sie leisten Gewaltiges in diesen Stunden, in denen unsere Stadt von einem dramatischen Unwetter getroffen wurde.“ Auch das Technische Hilfswerk aus Heiligenstadt wurde am Mittag noch angefordert.

Wie dramatisch die Situation war, zeigte sich auch bei zwei Einsätzen, zu denen die Polizei hinzugerufen wurde. Die Bahnunterführung in der Oberbürgermeister-Naumann-Straße stand unter Wasser; ein Autofahrer fuhr sich fest.

Polizisten retten Mutterund Tochter aus geflutetem Auto

Das Auto lief langsam mit Wasser voll. Der Bereitschaftspolizei Erfurt, die zur Unterstützung der Unstrut-Hainich-Polizei eingesetzt waren, wurde mitgeteilt, dass die Tochter der Familie chronisch krank sei und wegen der Situation eine Panikattacke erlitten hatte. Die Beamten befreiten Mutter und Tochter. Der Fahrer war weg, um Hilfe zu holen.

Samstagabend liefen drei Kälbchen auf der Flucht vor dem Hochwasser durch Mühlhausen. Sie wurden in der Johannisstraße gestoppt. Dort kümmerte sich dann die Feuerwehr. Am Sonntagvormittag pumpten Wehrleute aus Anrode einen Ablauf des Schwanenteichs leer. Das Wasser wurde dann auf eine Wiese gespritzt, um zu verhindern, dass weitere Keller voll laufen. Am Teich selbst stand das Wasser teilweise nur wenige Zentimeter unter der Uferkante.

Neben Felchta und Höngeda waren auch Weidensee, das Gebiet um den Schwanenteich und das Johannistal Einsatzschwerpunkte. Doch Wasserschäden gab es nach Auskunft der Feuerwehr in der ganzen Stadt zu verzeichnen. Und weil die Wettervorhersage weitere Niederschläge prophezeite, wurde begonnen, Sandsäcke als Hochwasserschutz zu verteilen.

Wie regional das Unwetter begrenzt war, zeigte sich bei der Schlotheimer Wehr. Die war gegen Mitternacht alarmiert worden, weil angeblich die Bundesstraße nahe Osterkörner überspült war, „doch da floss nicht mehr Wasser als sonst bei starkem Regen“, sagt Feuerwehrmann Dirk Hirsch. Zwei Schlammecken entdeckte man dennoch: in der Nähe des Radwegs und am Funkturm. In Alterstedt und der Gemeinde Unstrut-Hainich waren die Wehrleute stark gefordert – vor allem in Weberstedt, wo am Sonntag erst nach und nach die Schäden sichtbar wurden.

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