Erste Tarifverhandlungen seit 1990 am Hufeland-Klinikum

Bad Langensalza.  Am Hufeland-Klinikum starten die Gespräche über einen Tarifvertrag. Ziel ist die Angleichung an das Lohnniveau des öffentlichen Dienstes.

In Bad Langensalza protestierten Hufeland-Beschäftigte, kurz bevor die Beurlaubung der Geschäftsführerin bekannt wurde. Die ungleiche Bezahlung im Haus ist einer der Kritikpunkte. Jetzt beginnen Tarifverhandlungen.

In Bad Langensalza protestierten Hufeland-Beschäftigte, kurz bevor die Beurlaubung der Geschäftsführerin bekannt wurde. Die ungleiche Bezahlung im Haus ist einer der Kritikpunkte. Jetzt beginnen Tarifverhandlungen.

Foto: Daniel Volkmann / Archiv

Am Hufeland-Klinikum beginnen am heutigen Montag Tarifverhandlungen – erstmals seit der Wende. Zum Auftakt ruft die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten zu einer „Aktiven Mittagspause“ auf – von 11.30 bis 12 Uhr vor dem Haupteingang des Klinikums in Mühlhausen.

Forderung nach Angleichung der Bezahlung bis 2023

Das Ziel sei klar und von der Tarifkommission beschlossen, heißt es in einem Verdi-Flugblatt: Im Klinikum soll künftig der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) gelten. Die Tarifkommission bestehe aus zwei Gewerkschaftssekretären und elf Beschäftigten. Man wolle auch eine Petition übergeben, die von über 60 Prozent der Beschäftigten unterzeichnet wurde – mit der Forderung nach Angleichung der Bezahlung an den TVöD bis 2023.

Bis zu vier Millionen Euro würde die schrittweise Angleichung pro Jahr kosten, zehn Millionen insgesamt, sagte Landrat Harald Zanker (SPD) als Hauptgesellschafter des Klinikums. Dabei fahre das Klinikum schon seit drei Jahren ein Defizit ein.

Hoffnung, die Wogen glätten zu können

Zanker wird mit Bad Langensalzas Bürgermeister Matthias Reinz (parteilos) als Mitgesellschafter für die Arbeitgeberseite verhandeln. Denn die Geschäftsführerin ist seit voriger Woche beurlaubt. Sie hätte ohnehin lieber eine Lohnvereinbarung mit dem Betriebsrat abgeschlossen. Sie lag vor, wurde aber vom Landrat gestoppt.

Er plädierte schon seit 2019 für die Angleichung an den TVöD. Inzwischen unterstützt das auch der anfangs skeptische Reinz: „Ich bin stolz darauf, dass nach 30 Jahren die Mitarbeiter endlich das verdienen sollen, was sie wert sind“, sagte er im Stadtrat.

Nicht zuletzt hoffen die Gesellschafter, mit der Aussicht auf den Tarif die Wogen im Klinikum glätten zu können. In der Belegschaft ist die Unzufriedenheit immens, wie die letzten Tage gezeigt haben. Die bisher einzeln mit jedem Beschäftigten festgelegte – und damit relativ willkürliche – Bezahlung ist dabei die älteste Baustelle, aber beileibe nicht die einzige.