Vogteier Kompostwerk wird modernisiert

Landkreis.  Die Tupag will ihr Kompostwerk in Niederdorla (Vogtei) modernisieren. Wir sprachen mit den Verantwortlichen über die Pläne.

Sören Reinbeck (links) von der Landwirtschaftssparte der Tupag und Dirk Hesse von der Vogteier Kompost GmbH an der Baustelle für die neue Kompostanlage auf dem Gelände in Niederdorla.

Sören Reinbeck (links) von der Landwirtschaftssparte der Tupag und Dirk Hesse von der Vogteier Kompost GmbH an der Baustelle für die neue Kompostanlage auf dem Gelände in Niederdorla.

Foto: Alexander Volkmann

In Niederdorla baut die Mühlhäuser Tupag-Gruppe ihr Kompostwerk um. Die 1995 errichtete Anlage ist in die Jahre gekommen. 5,3 Millionen Euro sollen nun in die Modernisierung fließen. Damit soll auch Geruchs- und Lärmbelästigung reduziert und die Sortierung verbessert werden. Diese Aspekte standen in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik. Die Baugenehmigungen sind erteilt. Die Arbeiten haben Anfang November 2020 begonnen; im September 2021 soll die Anlage in Betrieb gehen.

Dirk Hesse, der Geschäftsführer der Vogteier Kompost GmbH, und Sören Reinbeck, Geschäftsführer der landwirtschaftlichen Betriebe der Tupag-Gruppe, beantworten die wichtigsten Fragen zum Projekt.

Was sind die Beweggründe für den Bau der Anlage?

Dirk Hesse: 1983 wurde in Niederdorla mit der Kompostierung begonnen, um die Humusversorgung der LPG-Flächen zu sichern. 1995 wurde das jetzige Kompostwerk mit dem Rotteverfahren errichtet. Nach 25 Jahren Dauerbetrieb sind die Rottetürme verschlissen und sollen nun durch ein neues und effizienteres Verfahren ersetzt werden, das von uns über mehrere Jahre zusammen mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis entwickelt wurde. Dadurch werden Energieverbrauch und CO2-Ausstoß gesenkt und Geruchs- und Lärmemissionen reduziert.

Verändert sich die Menge der zu verwertenden Bioabfälle?

Dirk Hesse: Nein. Die Anlage hat eine genehmigte Kapazität von 86.000 Tonnen. Daran wird sich durch die Modernisierung nichts ändern. Aus den Annahmemengen entstehen circa 55.000 Tonnen Kompost. Mit dem neuen Verfahren wird die Rotte beschleunigt und die Qualität des Kompostes erhöht.

Aus welchen Ausgangsmaterialien wird Kompost hergestellt?

Dirk Hesse: Zum einen aus Bioabfällen. Deren getrennte Sammlung ist seit 2015 verpflichtend für alle Kommunen der Bundesrepublik. Diese Abfälle werden durch Kompostierung zu einem organischen Düngemittel für die Landwirtschaft. Zum anderen wird aus Grünschnitt ein Kompost erzeugt, der für die Herstellung von Gartenerde verwendet wird. Wir nutzen diese Abfälle bewusst als Rohstoffe, um daraus gezielt diese beiden Produkte herzustellen.

Im Unstrut-Hainich-Kreis gibt es keine Biotonne. Wo kommen die Rohstoffe her?

Dirk Hesse: Die Bioabfälle und Grünschnitt kommen aus verschiedenen Landkreisen, die die vorgeschriebene Getrenntsammlung vornehmen. Da das Gesetz bereits seit acht Jahren besteht, wird auch der Unstrut-Hainich-Kreis nicht umhinkommen, es umzusetzen. Der Landkreis Eichsfeld sammelt Bioabfälle mittlerweile zentral ein.

Was passiert mit dem fertigen Kompost?

Dirk Hesse: Circa 25.000 Tonnen Kompost werden an Landwirtschaftsbetriebe verkauft, die im Unstrut-Hainich-Kreis, im Eichsfeldkreis und im Wartburgkreis tätig sind. Weitere 25.000 bis 30.000 Tonnen werden im eigenen Erdenwerk weiterverarbeitet.

Wie sagen Sie zur Kritik bezüglich Fremdstoffen wie Plastik oder Glas?

Dirk Hesse: Die Vogteier Kompost GmbH ist Mitglied der Bundesgütegemeinschaft Kompost und unterliegt damit einer regelmäßigen Fremdkontrolle. In der Vergangenheit wurden alle gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte und selbst die verschärften Vorgaben der Bundesgütegemeinschaft eingehalten. Trotzdem soll mit dem Einbau neuer Aufbereitungstechnik nachgebessert und die Qualität erhöht werden. Am wirksamsten ist jedoch immer noch eine sortenreine Erfassung der Bioabfälle. Kunststoff, Glas, Metall und Steine gehören nicht in den Bioabfall.

Welche Bedeutung hat der Kompost für die Landwirtschaft?

Sören Reinbeck: Die Verwertung von Bio- und Gartenabfällen schließt den Stoffkreislauf der Natur. Dadurch werden dem Boden wieder Organik und Nährstoffe zugeführt. Die Verlagerung des Kohlenstoff aus dem Kompost in den Boden trägt zur Minderung von CO2-Emissionen bei. Die Bodenfruchtbarkeit wird langfristig auf natürliche Weise verbessert und mineralischer Dünger eingespart. Auswaschverluste sind, anders als bei Mineraldünger, deutlich geringer. Dadurch wird das Grundwasser weniger belastet. Messungen eines Jenaer Instituts nahe Kammerforst belegen die hohe Qualität des Grundwassers in der Region. Weiterhin wird durch den Einsatz von Kompost für Blumenerde ein hoher Anteil an Torf eingespart werden, auch das ist ein Beitrag zum Umweltschutz.

Was ist der Unterschied zum Einsatz von Gülle?

Sören Reinbeck: Zwar stellt Gülle die Nährstoffe den Pflanzen schneller zur Verfügung als Kompost. Man muss aber besonders auf die Dosierung achten, um eine Belastung des Grundwassers zu vermeiden. Außerdem ist der Beitrag der Gülle zur Humusbildung im Boden viel geringer. Gärreste aus Biogasanlagen enthalten noch weniger Kohlenstoff und die Wirkung bezüglich der Humusreproduktion ist noch geringer.