Mutter kämpft für Tochter aus Mühlhausen: Streit um Rundfunkgebühr von Komapatientin

Wiegleben.  Anita Lifka aus Wiegleben kämpfte zunächst vergeblich für die GEZ-Beitragsbefreiung ihrer Tochter. Nach Anfrage unserer Zeitung rückte die Servicestelle von den Forderungen ab.

Anita Lifka hat sich lange gegen die Forderungen des Beitragsservice vergeblich gewehrt, inzwischen waren sogar Mahngebühren aufgelaufen.

Anita Lifka hat sich lange gegen die Forderungen des Beitragsservice vergeblich gewehrt, inzwischen waren sogar Mahngebühren aufgelaufen.

Foto: Sabine Spitzer

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Auf die letzten Mahnungen hat Anita Lifka nicht mehr reagiert. Ihr fehlt die Kraft dazu. Die Tochter Caroline liegt im Koma und soll trotzdem Rundfunkgebühren zahlen. Dagegen wehrt sich die 55-jährige Mutter aus Wiegleben.

Anita Lifka ist die gesetzliche Betreuerin der Tochter. Sie hat ärztliche Atteste, Formulare und Anträge bereits mehrfach eingereicht. Doch der Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio, der Nachfolger der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) ist, schickt Rechnungen und fordert jetzt noch Mahngebühren. Denn anfangs hat Anita Lifka die Gebühren bezahlt. Inzwischen aber überweist sie das Geld nicht mehr. Denn die Tochter ist in Gotha in einer Einrichtung für betreutes Wohnen untergebracht. Im Zimmer gibt es zwar einen Fernseher und ein Radio. Doch Anita Lifka schaltet sie nie ein. „Ich kann Musik nicht mehr hören“, sagt sie. Auch Filme will sie nicht mehr sehen.

Denn die Mutter vermisst das Lächeln von Caroline. Das Strahlen im Gesicht der Tochter, das andere Menschen ansteckte, erlosch am 7. November 2017. Die junge Frau, die in Mühlhausen lebte, wachte mitten in der Nacht auf und fiel um. Seitdem liegt sie im Koma. „Lange habe ich mir die Schuld gegeben“, erzählt die Mutter. Denn Anita Lifka hatte die Tochter, die als Fleischfachverkäuferin arbeitete, wegen ihrer geschwollenen Beine zum Arzt geschickt. „Sie konnte vor Schmerzen kaum noch stehen“, sagt sie.

Tochter wird nicht mehr aus dem Koma aufwachen

Heute weiß sie, dass die verschriebenen Wassertabletten bei der Tochter vermutlich den Kaliumspiegel senkten. Experten haben ihr geraten, dass sie prüfen lassen soll, ob es sich um einen Ärztefehler handelt. Sie wollte kämpfen. Auch für Carolines Kinder, das Mädchen ist sieben, der Junge 15 Jahre alt. „Aber das schaffe ich einfach nicht mehr“, sagt sie.

Anita Lifka hat gehofft – bis zum 6. Oktober vergangenes Jahr. Seitdem ist klar, dass ihre Tochter, die erst 35 Jahre alt ist, nie wieder aufwachen wird. „Jetzt kann ich nur noch zusehen, wie sie stirbt“, sagt sie. Seit Oktober verbringt die Mutter die Tage an der Seite von Caroline, sie schläft sogar bei ihr im Zimmer. Wie sie das aushält, kann sie selbst nicht sagen. „Ich lebe nicht mehr, ich funktioniere nur noch“, sagt Anita Lifka. Die Fröhlichkeit, für die die einstige Leiterin des Streichelzoos in Wiegleben bekannt war, ist weg seit sie wartet, dass ihre Tochter ihren letzten Atemzug nimmt. Und sie fühlt sich schlecht, weil schon alles für die Beerdigung von Caroline in die Wege geleitet ist. Selbst das Kleid, das die Tochter als Totenkleidung bekommen soll, hat sie ausgewählt. Denn sie fürchtet, dass sie zusammenbricht, wenn Caroline die Augen für immer schließt.

Beitragsservice: Fehler lag in der Kommunikation

Anita Lifka verzweifelt fast, dass sie sich jetzt mit den Rundfunkgebühren herumärgern muss. Außerdem brauche sie jeden Cent, denn die Kosten für die Betreuung der Tochter werden vom Konto abgebucht. Und Anita Lifka will Carolines beiden Kindern auch etwas Geld von der Mutter hinterlassen.

Der Beitragsservice drückt auf Nachfrage unserer Zeitung sein Bedauern aus. Sprecher Dennis Sponholz nennt es schiefgelaufene Kommunikation. Der Fehler liegt darin, dass zunächst ein Antrag auf Ermäßigung des Rundfunkbeitrags gestellt wurde. Als Anita Lifka das Konto abmelden wollte, hatte der Beitragsservice versäumt, sie auf die Möglichkeit einer Befreiung als besonderer Härtefall hinzuweisen. Laut Sponholz ist die Tochter ab sofort von der Beitragspflicht befreit – und auch die Mahngebühren müssen nicht bezahlt werden.

Anita Lifka atmet auf. Ein Kampf ist zumindest beendet.

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