Wohnungslosigkeit ist verdecktes Problem im Unstrut-Hainich-Kreis

Landkreis.  Das Diakonische Werk Eichsfeld-Mühlhausen unterbreitet im Landkreis Unstrut-Hainich Angebote, damit Menschen nicht die Bleibe verlieren.

Silvana Grund leitet das Büro zur mobilen Sozialarbeit zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit.

Silvana Grund leitet das Büro zur mobilen Sozialarbeit zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit.

Foto: Daniel Volkmann

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Zahl der Menschen ohne Wohnung in Deutschland ist einer neuen Schätzung zufolge gestiegen. Im Jahr 2018 waren rund 678.000 Menschen in Deutschland wohnungslos gemeldet. Ein Jahr zuvor lag die Zahl noch bei 650.000 Menschen. Die Schätzung veröffentlichte die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe.

Wohnungslosigkeit sei auch im Unstrut-Hainich-Kreis ein Problem. Es gibt sie, sagt Reiner Engel, der Geschäftsführer der Diakonie Eichsfeld-Mühlhausen. In der Region handele es sich zumeist um eine verdeckte Wohnungslosigkeit. „Die Menschen kommen bei Kumpels unter“, so Engel. Er sieht das Problem wachsen – vor allem angesichts steigender Altersarmut.

Bundesweit sind laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe rund 17 Prozent oder 40.000 der Wohnungslosen EU-Bürger. Dabei sei die Zahl der wohnungslosen Menschen ohne Fluchthintergrund weniger stark gestiegen als die Zahl der wohnungslosen anerkannten Geflüchteten. Laut Schätzung des Verbands lag die Zahl der wohnungslosen Kinder und Jugendlichen bei acht Prozent aller Wohnungslosen.

Als wohnungslos werden Menschen bezeichnet, die nicht über einen Mietvertrag verfügen. Viele von ihnen leben etwa in Notunterkünften, stationären oder kommunalen Einrichtungen oder bei Freunden. Obdachlose sind eine Untergruppe der Wohnungslosen. Für sie soll in Mühlhausen eine neue Unterkunft in Wohncontainern entstehen; der Stadtrat hat bereits Ende des vergangenen Jahres dazu beraten. Auch Bad Langensalza hält Wohnungen für Obdachlose vor. Bei ihnen handelt es sich um Menschen, die keinen festen Wohnsitz und keine Unterkunft haben.

Das Diakonische Werk Eichsfeld-Mühlhausen übernimmt seit Herbst die „Sozialarbeit zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit im Unstrut-Hainich-Kreis“. Silvana Grund (33) aus Mühlhausen ist die verantwortliche Sozialarbeiterin. Die Mühlhäuserin begleitet das auf vier Jahre ausgelegte Projekt, das, wie so viele im Landkreis, über das Landesprogramm „Solidarisches Zusammenleben der Generationen“ bezahlt wird.

Die ersten Aufgaben waren groß. Nach zwei Bränden waren zwei Familien wohnungslos geworden. Vor allem für eine Großfamilie sei es schwierig gewesen, ein Zuhause zu finden. Nachdem sie in einer Notunterkunft untergekommen waren, fand Grund einen Vermieter, der den Brandopfern ein ganzes Haus bereitstellte.

Reiner Engel sieht die Arbeit zur Vermeidung der Wohnungslosigkeit beim Diakonischen Werk sehr gut aufgehoben. „Wir machen schon seit Jahren Gefährdeten-Arbeit, nun können wir dafür auch eine Fachkraft, eine Sozialarbeiterin, einstellen.“

Die Diakonie betreibt die Tafel und die Wärmestube, leistet Sozialarbeit bei denen, die in einer Notwohnung innerhalb des Obdachlosenasyls zeitweise ihre Unterkunft finden. Silvana Grund wird nicht nur in den Akutfällen wie bei den Brandopferfamilien eingreifen. Ihr Ziel sei es, Wohnungslosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen, zu helfen, wenn Mietschulden aufgelaufen sind, der Mieter mit dem Vermieter im Konflikt liegt, der Klient Schwierigkeiten hat, den eigenen Haushalt zu führen. Sie will unterstützen, wieder angemessene Wohnverhältnisse aufzubauen. „Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe, vermitteln auch – zum Beispiel an die Schuldnerberatung und die Suchthilfe. Aber wir nehmen unsere Klienten nicht dauerhaft an die Hand.“ So trete die Sozialarbeiterin auch nicht als Bürgin für einen ihrer Klienten auf, wenn es darum geht einen Mietvertrag zu unterschreiben.

Bisher konzentrierten sich die Probleme auf Mühlhausen, zuständig ist die studierte Sozialarbeiterin Grund aber für den gesamten Landkreis.

Die Sozialarbeiterin bietet montags und donnerstags von 9 bis 12 und dienstags von 14 bis 17 Uhr Sprechstunden in ihrem Büro am Steinweg 52 / Ecke Hauptmannstraße an.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren