Wort zum Tag, Unstrut-Hainich-Kreis: Vorschau auf das Heil

Günter Christoph Haase, Pfarrer in St. Martin, Hüpstedt, sagt, Allerheiligen macht Mut zur Planung.

Pfarrer Christoph Haase

Pfarrer Christoph Haase

Foto: Eckhard Jüngel

Ich hatte einen Traum: In wenigen Wochen werden sie wieder zu haben sein, die Ferienprospekte und Urlaubskataloge für den nächsten Sommer. Und dann können wir uns gemütlich zu Hause hinsetzten, ein wenig herumblättern und schon jetzt davon träumen, wie es im nächsten Urlaub werden könnte.

Doch beim Erwachen war wieder klar: Die Corona-Pandemie, die alles überschattet! Kein Mensch kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, wie es im kommenden Jahr aussieht. Wie dem auch sei, laut Fachleuten müssen wir uns darauf einrichten, mit Corona zu leben – ob mit Impfstoff oder ohne. Corona setzt uns Grenzen und keiner kann sagen: Mich geht das alles nichts an! Trotzdem sehnen wir uns nach Sonne, Wärme, Ausspannen, frei sein, einmal nur das machen, wozu man wirklich Lust hat.

Doch noch sitzen wir zu Hause in den eigenen vier Wänden und der Winter steht vor der Tür. Umso wichtiger ist es, sich an die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene-Maßnahmen, Alltagsmaske) plus Corona App und Lüften zu halten.

Mit dem, was Christen bald wieder Anfang November, dem Allerheiligentag feiern, ist das ähnlich. Noch sitzen wir in den vier Wänden unseres eigenen Lebens und wissen nicht, ob das bisschen Glück, das wir haben, uns auch erhalten bleibt. Das Fest Allerheiligen lässt uns dagegen schon auf das schauen, was uns erwartet, wenn unsere Tage einmal zu Ende gehen. Heilige können wir werden, auch jene, die nicht durch ihre Taufe einer christlichen Kirche oder Gemeinschaft angehören. Heilige sind Menschen, die bei Gott zu der Fülle des Lebens gefunden haben.

Allerheiligen ist das Fest, an dem ich schon im Katalog des Heils und der Fülle an Leben blättern darf. Heil und Leben, das Gott schenken möchte. Viele Menschen leben heute nach der Devise: Nur wenn ich erfolgreich bin, hat alles seinen Sinn. Nur wenn ich vital bin und Ansehen genieße und Einfluss habe, bin ich etwas wert.

Bei alldem merken sie gar nicht, wie sie immer abhängiger werden vom Urteil anderer. Letztlich bestimmen sie nicht frei über ihr Leben, sondern die anderen. Im Blick auf die Herbstferien und den nächsten Sommer müssen wir sehen, ob und wie Urlaub überhaupt möglich ist. Wenn ja, dann müssen wir buchen, vorbereiten, und es kann losgehen.

Das Fest Allerheiligen ist so etwas, wie ein Tag der Planung. Es zeigt uns, was uns erwartet, und es will uns Mut machen, zu planen ganz im Stil der Vorfreude.

Günter Christoph Haase ist katholischer Pfarrer in St. Martin in Hüpstedt.