Zwischen Fürstenhof und Stall – das Leben der Heiligen Elisabeth

Pfarrer Günther Christoph Haase aus Hüpstedt erinnert an den Gedenktag der Thüringer Patronin.

Günther Christoph Haase ist Pfarrer in Hüpstedt.

Günther Christoph Haase ist Pfarrer in Hüpstedt.

Foto: Harald Mühlenbeck / TLZ

Heute ist der Gedenktag der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Bis heute hat sie eine enorme Ausstrahlung. Doch wer war diese Frau, die unter anderem als Patronin von Thüringen und Hessen, des Bistums Erfurt, vieler Mädchen und Frauen, der Caritas, unzähliger Krankenhäuser, Kirchen und Kapellen unvergessen ist?

Elisabeth wurde am 7. Juli 1207 als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. und der Gräfin Gertrud von Andechs-Meranien geboren. Mit vier Jahren kam sie zur Erziehung und späteren Verheiratung an den kultivierten Thüringer Hof und wurde zehn Jahre später mit dem regierenden Landgrafen Ludwig vermählt. Beide führten eine sehr glückliche Ehe. Drei Kinder erblickten das Licht der Welt.

1223 kamen die Eheleute durch den Laienbruder Rodeger mit der franziskanischen Armutsbewegung in Berührung, und im selben Jahr gründeten sie ein Hospital in Gotha. Biografen schreiben: Elisabeth verschenkte ihre kostbaren Kleider, ging barfuß zur Messe, spann Wolle für die Armen, besuchte Kranke und wusch Tote – für den Hof schlichtweg entwürdigende Tätigkeiten. Es wird berichtet, dass sie auf Speisen verzichtete, wenn sie wusste, dass diese durch Ungerechtigkeiten erworben wurden. Als sie während einer Hungersnot 1226 im ganzen Land die Kornkammern öffnen ließ, wurde sie heftig kritisiert, doch Ludwig hieß ihre Maßnahme ausdrücklich gut.

Die Eisenacher hielten Elisabeth für irre

Nachdem er 1227 auf dem Kreuzzug verstorben war, verzichtete Elisabeth auf all ihren Besitz und bezog einen Schweinestall bei Eisenach, wo sie mit ihren Hofdamen fast verhungert wäre, weil auch das Volk sie für irre hielt. Erst als ihre Familie mütterlicherseits sich einmischte, erhielt sie von ihrem Schwager Heinrich Raspe eine Abfindung, die Elisabeth 1228 zum Bau eines Kranken- und Aussätzigenspitals in Marburg benutzte.

Als bloße Spitalmagd wirkte Elisabeth unter Leprakranken, Krüppeln und Sterbenden, bis nach drei Jahren ihre Kräfte aufgebraucht waren und sie mit nur 24 Jahren am 17. November 1231 in Marburg starb. Elisabeth wurde in ihrem Franziskusspital begraben, dessen Kapelle der Deutsche Orden nach ihrer Heiligsprechung 1235 zur ersten gotischen Kirche des Landes erweiterte, der heutigen Elisabethkirche.

Im 15. Jahrhundert war die Wallfahrt zu ihrem Grab eine der größten in ganz Europa geworden. Bis der protestantisch gewordene Landgraf Philipp I. von Hessen den Schrein 1535 mit ihren Reliquien zerstören lies, um ihren Kult zu beenden. Doch das konnte die Beliebtheit dieser großen Frau nicht schmälern. Auch wenn uns heute manche Aspekte von Elisabeths Leben fremd erscheinen, so war sie eine erstaunliche Frau, deren kompromissloser Einsatz für Notleidende auch heute nach über 800 Jahren fasziniert und motiviert. Bis heute ist sie hochverehrt und wird als Fürsprecherin in Freud und Leid angerufen.