Zwischenzeiten in Mühlhausen

Mühlhausen.  Ein Bildband des Fotografen Michael Kerstgens erzählt vom Ende der DDR.

Mario und Peggy Heiser mit Fotograf Michael Kerstgens (von links). Im Buch ist die Seite aufgeschlagen, welche das jung vermählte Paar in der Felchtaer Straße zeigt.

Mario und Peggy Heiser mit Fotograf Michael Kerstgens (von links). Im Buch ist die Seite aufgeschlagen, welche das jung vermählte Paar in der Felchtaer Straße zeigt.

Foto: Heidi Zengerling

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Wer dieser Tage die Schaufensterauslagen der Buchhandlungen Mühlhausens betrachtet, sieht auch den Bildband „Zwischenzeiten“ des Fotografen Michael Kerstgens, der im Leipziger Verlag Lehmstedt erschienen ist. Seine Präsentation fand Donnerstagabend in der Stadtbibliothek statt. Das Interesse am Buch war groß.

Zur Überraschung des Fotografen befanden sich Mario und Peggy Heiser unter den Gästen. Am 23. Februar 1990 heirateten die jungen Leute. Etwa um 12 Uhr waren die Frischvermählten auf dem Weg zum Mittagessen ins Hotel Stadt Mühlhausen und wurden von Michael Kerstgens fotografiert. Von Bekannten erfuhren sie nun, dass es dieses Foto in den Bildband geschafft hatte.

Die Dokumentarfotografie ist seine fotografische Heimat, die Kamera der Stift, der ihn auf den Streifzügen begleitet und die Sprache die Basis seiner Arbeit. Für Kerstgens ist der Kontakt zum Menschen unerlässlich. Er sieht sich selbst als fotografischen Außenseiter, der von der Schule Otto Steinerts inspiriert nichts mit der Spurenfotografie der 80er-Jahre anfangen konnte. Kerstgens ging mit Neugier und Offenheit durch Mühlhausen und hielt in Momentaufnahmen seine subjektive Wahrnehmung des Erlebten fest. „Neugier war von beiden Seiten vorhanden, man öffnete mir bereitwillig die Türen“, erklärte Kerstgens.

„Der Titel Zwischenzeiten gibt die Stimmung, die den Betrachter erwartet, ziemlich genau wieder. Von den Fotos, die in vielen Details das traurige Erbe der DDR belegen, geht eine eigentümliche Faszination aus. Da schwingt schon ein Unterton von Aufbruch mit. Wir schauen auf Bilder, deren Ursprung in weite Ferne gerückt zu sein scheint und doch sind sie nicht älter als 30 Jahre. Suchen wir heute diese Orte auf, erkennen wir sogleich die gewaltigen Veränderungen“, schildert Michael Niklas von der Buchhandlung Strecker seine Eindrücke.

Ein Gespräch zwischen Verleger und Fotograf mit Einblendung der ausdrucksstarken Fotografien präsentierte sympathisch und aufschlussreich die Entstehung des Bildbandes, welcher sich beim Publikum allgemein positiver Resonanz erfreute. Bernhard Genzel äußerste sich kontrovers und brachte sein ambivalentes Verhältnis zum Buch zum Ausdruck. Gudrun Gast meinte, man habe damals nur westwärts geschaut, es sei schön, diese Aufnahmen heute zu sehen. Für den 7. November kommenden Jahres ist eine Ausstellung im Kulturhistorischen Museum geplant, welche die Aufnahmen aus dem Buch der Öffentlichkeit noch einmal in einer anderen Dimension präsentiert.

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