Narren sind Optimisten. Der Wetterfrosch muss erst noch geboren werden, der Sven Heyn beim Straßenkarneval die gute Laune verderben kann. Der Vizepräsident des Wertherschen Karnevalvereins (WKV) blickt unbeeindruckt dem Wind und Regen entgegen. „Umzug geht bei jedem Wetter“, sagt er.
„Halb so schlimm“, ist die häufigste Antwort der Jecken, sobald man sie nach ihrem Befinden an diesem nasskalten Sonntagnachmittag fragt. Denn viele erinnern sich an einen Umzug vor ein paar Jahren in Großlohra. Da habe es „quer gehagelt“. Dagegen sei doch dieser böige Nieselregen ein optimales Ausflugswetter.
Straßenkarneval in Werther – Die Bilder
Alle fünf Jahre wagt Werther einen Umzug zum Karneval
Werthers Karneval feiert sein 65-jähriges Bestehen. Die komplette Heijo-Saison – angeführt vom Prinzenpaar Silva I. und Udo I. – steht schon unter diesem Stern. Der Umzug durch Groß- und Kleinwerther soll das Ganze nun krönen.

Werther erlebt erst zum zweiten Mal solch einen Straßenkarneval. Die Premiere 2019 zum 60. Geburtstag hat allen so sehr gefallen, dass der Verein nun alle fünf Jahre einen Umzug auf die Beine stellen will. „Das ist sehr aufwendig“, weiß Sven Heyn, „aber wir machen das gern. Denn ist einfach schön, wenn alles so toll abläuft wie heute.“

25 Vereine beteiligen sich an dem Umzug. Etwa 300 Menschen bilden den närrischen Korso. Die meisten sind Karnevalisten aus anderen Orten des Landkreises. Von den Bleicheröder Schneckenhengsten über die Günzeröder Fickelschwänze bis zu den Lipprechteröder Bodepiraten. Einen umfangreicheren Blick auf das närrische Treiben in der Südharzer Region kann es kaum geben. Dank der Sülzhayner ist auch Thüringens nördlichster Karnevalsverein vertreten.

Sven Heyn freut sich über die vielen Gäste: „Das ist das Schönste, wenn man so gemeinsam feiert.“ Bereits am nächsten Sonntag sehen sich alle wieder – beim Straßenkarneval in Großwechsungen. „Wir sind eine große Familie.“ Ein wenig verrückt, aber mit ganz viel Heimatliebe und Bodenständigkeit. Mit Humor und Lebensfreude.

Werthers Motto „Wo der Spaß zu Hause ist“ ist keine leere Phrase. Zum närrischen Umzug ist das Dorf geschmückt. Zahlreiche Zaungäste säumen die Straße. Alle fünfzig Meter duftet es nach Gegrilltem, fließt Gerstensaft und erklingt Musik. Hier ist der Karneval tatsächlich ein Volksfest. Die Fröhlichkeit hat viele glückliche Gesichter. „Wir sind zufrieden“, bleibt Sven Heyn bescheiden. Die Gäste aus den anderen Vereinen sparen nicht mit Lob: Sie finden Werthers Umzug „riesig“, „genial“, „grandios“ und „klasse“.

Auch Annemarie von der Prinzengarde aus Krimderode gerät sofort ins Schwärmen: „Hier ist es super!“ Und das Wetter? Annemarie winkt ab: „Das macht uns nichts aus. Das stehen wir durch.“ Kalt wird all den schmucken Gardemädchen nicht. Sie tanzen, schunkeln oder singen ununterbrochen.

Nächstes Jahr feiert Werther den 66. Geburtstag. Die Zahl schreit nach einem närrischen Höhepunkt. Sven Heyn schüttelt den Kopf: „Heute Abend werde ich sagen: Das reicht für die nächsten fünf Jahre.“ Doch nach einem kurzen Moment meint der Vizepräsident lachend: „Aber fragen Sie mich noch einmal in einigen Wochen.“



















