„Ich will nicht ein Jahr missen“

Sömmerda.  Pfarrer Christian Bock verlässt Sömmerda. Der Abschied fällt ihm schwer.

Christian Bock wirkte etwa neun Jahre in der Großpfarrei Sömmerda. Nun stellt er sich neuen Aufgaben.

Christian Bock wirkte etwa neun Jahre in der Großpfarrei Sömmerda. Nun stellt er sich neuen Aufgaben.

Foto: Jens König

Es war seine erste Pfarrstelle – eine besondere Station, wie er selbst sagt. Als Christian Bock als neuer katholischer Pfarrer nach Sömmerda kam, da war noch nicht einmal seine Doktorarbeit fertig. Etwas blauäugig habe er sein neues Amt damals angenommen, denn vor ihm stand eine große Aufgabe: Die erste Großpfarrei im Bistum sollte entstehen – zwölf Gottesdienststandorte galt es, unter einen Hut zu bekommen.

Und nun, neun Jahre später, ist es geschafft. Und Christian Bock ist stolz auf sein Werk, nennt die Zeit in Sömmerda ein großes Geschenk. „Es war Fügung, dass ich hierher gekommen bin.“ Als der 44-Jährige von den Erlebnissen, Begegnungen und Projekten der vergangenen Jahre erzählt, wird er ein wenig nachdenklich. Der Abschied fällt ihm schwer.

Denn am 31. Juli wird Christian Bock die Türen der katholischen Kirche in der Weißenseer Straße wohl zum vorerst letzten Mal abschließen. Dann übernimmt er die Pfarrei in Eisenach – aus dem selben Grund, weshalb er 2011 nach Sömmerda kam: Er soll wieder eine Großpfarrei bilden – diesmal die letzte im Bistum. „Meine Arbeit hier scheint Eindruck gemacht zu haben“, scherzt er.

Nochmal ganz von vorne anzufangen, schreckt den Pfarrer nicht ab. „Ich gebe zu, vor einigen Dingen fürchte ich mich ein bisschen, aber ich freue mich auch auf die Herausforderung.“ Und obwohl er Sömmerda nur schweren Herzens verlassen wird, weiß Christian Bock: „Hier läuft alles gut und ich kann ruhigen Gewissens gehen.“

Er ist sich sicher, dass sich auch der neue Pfarrer schnell einleben wird. Rudi Knop war zuletzt im Eichsfeld tätig. „Er stammt aber nicht von dort“, fügt Christian Bock schnell an.

Der Pfarrer hofft, dass auch die Gemeinde seinen Nachfolger gut aufnehmen wird. Leicht ist es nicht, eine solch flächenmäßig große Gemeinde zu managen, doch die Gemeinschaft steht überall im Vordergrund. „Wir sind über die Jahre zusammengewachsen“, berichtet Christian Bock. Und das war ein hartes Stück Arbeit.

Mittlerweile ist mindestens ein großes Fest im Jahr zur Tradition geworden, bei dem sich alle Mitglieder der Großpfarrei treffen, austauschen und kennenlernen können. Alle zwei Jahre macht „der harte Kern“ zudem eine Pilgerfahrt. In diesem Jahr war Polen das geplante Ziel. Doch genau wie das jährliche Fest, der Kirchensprung, viele Gottesdienste, Besuche, Taufen und Hochzeiten konnte auch die Fahrt Corona-bedingt nicht stattfinden.

Um sich zu verabschieden, bleiben Christian Bock nur noch ein paar letzte Besuche bei seinen „alten Leutchen“, kleine Gespräche, Telefonate und Gottesdienste unter strengen Hygienevorschriften. Das macht den Pfarrer schon ein bisschen traurig.

Ein besonderes Herzensprojekt war und ist für Christian Bock die Ökumene. Die hat er in den vergangenen Jahren akribisch ausgebaut und sich im Pfarrbereich mit allen evangelischen Pfarrern vernetzt.

„Ein Musterbeispiel für eine funktionierende Ökumene ist Heldrungen“, erzählt der 44-Jährige. Dort haben sich Familien dreier unterschiedlicher Konfessionen zusammengetan und wechseln sich seitdem mit den Gottesdiensten ab. „Daran sieht man, dass es vor allem um die Gemeinschaft geht. Die Kirche ist nun jedes Mal voll.“

Neben den vielen schönen Momenten in der kirchlichen Gemeinschaft sind Christian Bock auch die Region und vor allem die Menschen ans Herz gewachsen. „Das Thüringer Becken hat mich zu einem enthusiastischen Radfahrer werden lassen“, erzählt er schmunzelnd.

Auch die Spaziergänge durch die Stadt wird der Pfarrer vermissen. „Die Sömmerdaer haben eine Gelassenheit, die ich so noch nirgends erlebt habe. Und ich konnte nie vor die Tür gehen, ohne ein kleines Gespräch hier und da.“

In den vergangenen Jahren sind viele Freundschaften entstanden, die Christian Bock auch von Eise-nach aus weiter pflegen möchte. Ansonsten aber will er einen Cut machen. „Der neue Pfarrer hat keine Chance, sich einzuleben, wenn der alte immer noch ständig da ist.“

Nach seinem letzten Tag in Sömmerda nimmt sich Christian Bock ganz bewusst einige Wochen Zeit, um auszuspannen und sich auf seine neuen Aufgaben vorzubereiten – auch aus persönlichen Gründen. Zum ersten Advent wird er die Pfarrstelle in Eisenach antreten – wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Für den 44-Jährigen steht fest: „Ich will nicht eins der vergangenen neun Jahre missen.“