40.000 Kraniche trompeten schon in der Goldenen Aue

Kelbra  Die Zugvögel sind bereits in großer Anzahl am drittgrößten Binnenrastplatz Stausee Kelbra eingetroffen. Kranichführungen beginnen am Mittwoch.

Tausende Kraniche tanken auf den Feldern um den Stausee Kelbra Energie für ihre lange Reise in die Überwinterungsgebiete in Spanien. Allabendlich versammeln sie sich zum Übernachten im flachen Uferbereich des Sees. Aktuell wurden schon bis zu 40.000 Vögel gezählt.

Tausende Kraniche tanken auf den Feldern um den Stausee Kelbra Energie für ihre lange Reise in die Überwinterungsgebiete in Spanien. Allabendlich versammeln sie sich zum Übernachten im flachen Uferbereich des Sees. Aktuell wurden schon bis zu 40.000 Vögel gezählt.

Foto: Dirk Bernkopf

Die Kraniche sind zurück. „Kommen Kraniche geflogen, so kommt der Winter gezogen“, besagt eine alte Bauernweisheit. Es scheint Winter zu werden. Die trompetenartigen Schreie der Vögel sind seit Kurzem wieder in unseren Breiten deutlich zu hören.

Über 300 verschiedene Vogelarten nutzen das Feuchtgebiet der Goldenen Aue mit dem Stausee Kelbra als Nahrungs-, Rast- und Brutgebiet. Der Graue Kranich (Grus gus) ist wohl der majestätischste unter ihnen und ist ein Gast für kurze Zeit. Er rastet auf seinem weiten Weg in die spanische Extremadura für rund zwei Monate am Stausee Kelbra.

„Nach dem Rhin-Havelluch vor den Toren Berlins und der Diepholzer Moorniederung in Hessen ist der Stausee Kelbra der drittgrößte Binnenrastplatz der Kraniche“, erklärt Claudia Wicht, Mitarbeiterin des Naturparks Kyffhäuser. Wicht spricht von einem etwa 400 Kilometer breiten südwestlichen Zugkorridor, in dem das Gebiet der Goldenen Aue liegt. „Nicht jeder Kranich macht in Kelbra Rast, aber dieses Jahr läuft es schon erstaunlich gut“, sagt Wicht und berichtet von rasanten Zuwachszahlen in den vergangenen Tagen.

„Das war spannend: Am Wochenende zählten wir noch 11.000 Vögel, am Mittwoch dieser Woche waren es schon 38.000 und am Donnerstag sogar 40.000 Tiere“, rechnet Claudia Wicht vor und erklärt, dass immer nur das Tagesrastmaximal erfasst wird.

Erfahrene Ornithologen zählen jeden Abend die Vögel, wenn sie zum Übernachten in den Stausee einfliegen, der momentan einen niedrigen Wasserstand hat. Mit dem Talsperrenmanagement zeigt sich Claudia Wicht zufrieden. Die scheuen Tiere brauchen das seichte Wasser als Schutz vor Raubtieren wie Füchsen.

Die Schreitvögel sind der Terminplanung im Naturschutzgebiet etwas voraus, denn erst ab Dienstag, dem 15. Oktober, werden Flächen und Wege um den Stausee für Besucher gesperrt. Am Mittwoch findet für interessierte Besucher die erste Kranichwanderung, ausgehend von der Rezeption des Campingplatzes, statt. Mitarbeiter des Naturparks Kyffhäuser und des Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz organisieren diese Führungen bis Mitte November. Für Samstag, 19. Oktober, lädt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub, die IG Radfreunde Sondershausen gemeinsam mit der FAU Sondershausen zu einer geführten Kranich-Radwanderung an den Stausee ein. Treffpunkt für diese Tour ist um 13 Uhr am Ärztehaus Wippertor Sondershausen.

Einen Monat später, etwa Mitte Dezember, sollten dann auch die letzten Kraniche zu ihren Überwinterungsgebieten aufgebrochen sein. Die Sperrung der sensiblen Gebiete besteht bis zum 15. Dezember. Einige Vögel bleiben allerdings stets hier. „Im vergangenen Jahr hatten wir etwa 1000 Überwinterungsgäste“, weiß Claudia Wicht.

Da die Kraniche als sehr vorsichtig und scheu gelten, werden jedes Jahr auf der Thüringer Seite des Stausees Kranichranger zur Lenkung der mitunter starken Besucherströme eingesetzt. Dieses Jahr kommen auch am Ufer in Sachsen-Anhalt erstmals Ranger zum Einsatz.

Allein in der zweimonatigen Zugzeit der vergangenen Jahre hatte man 5000 bis 7000 Besucher auf dem hölzernen Beobachtungsturm am Stausee gezählt. Die Ranger sind besonders in den Feierabendstunden und an Wochenenden im Einsatz. Sie sind erste Ansprechpartner für die Besucher und sollen den Kranichtouristen Tipps zur Vogelbeobachtung geben und ansonsten die Einhaltung der Verbote kontrollieren.

So sollen Feld- und Wirtschaftswege gemieden werden. Die Fluchtdistanz der Kraniche beträgt über 300 Meter. Mit einem guten Fernglas, besser mit einem Spektiv, sind aber auch aus dieser Entfernung Beobachtungen möglich. Hunde sind unbedingt anzuleinen. Jede Störung gefährdet die Reise der Vögel. Jedes Auffliegen während der Rast verbraucht für den Zug dringend benötigte Energie. Wenn Kraniche den Kopf heben, fühlen sie sich gestört. Eine weitere Annäherung sollte unterbleiben. Kurioserweise sehen sie Autos nicht als Gefahr an – das Automobil eignet sich deshalb hervorragend als Beobachtungsposten. Natürlich sollte man dabei keine weiteren Verkehrsteilnehmer behindern.

Um die Schäden in der Landwirtschaft durch die Kraniche gering zu halten, werden die Vögel seit Jahren durch Ablenkfütterungen von den bestellten Feldern weggelenkt.

Der Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser organisiert über ein ENL-Projekt mit EU-Geldern und einer Co-Finanzierung durch das Land diese Fütterungen. Aller zwei Tage werden durch den Agrarbetrieb Heringen rund zwei Tonnen Weizen mit einem Düngerstreuer auf den abgeernteten Feldern verteilt. Nimmt die Zahl der Vögel ab, dann wird die Fütterung beendet.

Kranichwanderungen: Mittwoch, 16.10., 16 Uhr Freitag, 18. 10., 16 Uhr Samstag, 19. 10., 15 Uhr Sonntag, 20. 10., 15 Uhr Mittwoch, 23.10., 16 Uhr Freitag, 25.10., 16 Uhr Samstag, 26.10., 15 Uhr Sonntag, 27.10., 15 Uhr Mittwoch, 30.10., 15.30 Uhr Samstag, 2.11., 15 Uhr Sonntag, 3.11., 15 Uhr Samstag, 9.11., 15 Uhr Sonntag, 10.11., 15 Uhr Samstag, 16.11., 15 Uhr Sonntag, 17.11., 15 Uhr (Treffpunkt Rezeption Campingplatz Stausee Kelbra)

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