Ärger in Braunsroda: Besucher der Hängeseilbrücke sorgen für Parkchaos

Braunsroda  Frust an der Hohen Schrecke: Nach dem Parkchaos der ersten Wochen soll der Verkehr in Braunsroda in geordnete Bahnen gelenkt werden. Massive Kritik besteht auch an fehlender touristischer Infrastruktur.

Bis dicht an die Landmaschinen heran standen die Besucherfahrzeuge. Das frustrierte die Landwirte, die zur Arbeit aufs

Bis dicht an die Landmaschinen heran standen die Besucherfahrzeuge. Das frustrierte die Landwirte, die zur Arbeit aufs

Foto: Wilhelm Slodczyk

Blockierte Zufahrten, mangelnde Beschilderung, fehlende Abfalleimer, die Anfahrtsstraße einseitig zugeparkt – seit zwei Wochen ist der Frust in Braunsroda groß über das Chaos, das die frisch eröffnete Hängeseilbrücke in den Ort bringt. Und um ohne Umweg zum Wald zu gelangen, wird einfach übers Feld getrampelt. Kein Wunder, dass manchem Einwohner schon der Kragen platzte. Schon bei den Planungen des Projekts fühlten sich die Braunsrodaer außen vor.

Vor allem an den beiden Wochenenden wälzte sich eine Blechlawine in den 80-Seelen-Ort. Auf tausend wurde die Zahl der Besucher allein am vergangenen Samstag geschätzt, die in rund 350 Autos bis aus dem Thüringer Wald, Ostthüringen und dem benachbarten Sachsen-Anhalt kamen und sich prozessionsartig über den drei Kilometer langen Waldweg in die Hohe Schrecke schoben. Das tolle Wetter und die Ferienzeit steuerten ihren Teil dazu bei.

Infrastruktur im Umfeld wird noch ausgebaut

„Mit diesem Zulauf hatten wir nicht gerechnet“

Dass das Millionenprojekt in den ersten Tagen nach der Eröffnung einen Run auslösen würde, war zu erwarten. Die Braunsrodaer sind hohes Verkehrsaufkommen eigentlich gewöhnt, wenn von April bis Dezember Menschenmassen jeden ersten Samstag im Monat zum Bauernmarkt strömen. Aber dass der Ansturm zur Brücke so groß ist und Braunsroda als offizieller Ausgangspunkt für die Wanderung völlig überrumpelt wird, hat wohl niemand erwartet. Das musste auch die Vorsitzende des Vereins „Hohe Schrecke“, einräumen. „Mit diesem Zulauf hatten wir nicht gerechnet“, gestand Wiehes Ortschaftsbürgermeisterin Dagmar Dittmer ein, als sie am Mittwochnachmittag auf dem Gutshof ein kurzfristig anberaumtes Treffen von Anwohnern und Vertretern der Stadt An der Schmücke mit Vertretern des Schrecke-Vereins, des Planungsbüros und des Gutshofes eröffnete, um die Beschwerden der Braunsrodaer zu hören und Maßnahmen zu beraten, wie der Ansturm in geordnete Bahnen gelenkt werden kann.

Denn bislang erwarten die Besucher neben dem für gerade mal fünf Pkw und einen Bus ausgewiesenen Wanderparkplatz nebst Wanderkarte und -wegweiser zur Brücke nur noch ein paar laminierte weiße Hinweiszettel mit Pfeilen zum Parkplatz und zum Gutshof, wo sich eine Toilette sowie das Café befinden, das 14 Uhr öffnet.

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Was bis auf die Begrüßung der Vereinsvorsitzenden auf der Krisensitzung im Detail besprochen wurde, davon bekamen die anwesenden Medienvertreter allerdings nicht viel mit.

Während die Mitarbeiter des Erfurter Planungsbüros IPU im Vorfeld wohlwollende mediale Begleitung des – teils auch umstrittenen – Hängeseilbrückenprojekts nur all zu gerne sahen, zeigten sie sich am Mittwoch plötzlich zugeknöpft und riefen, wie ein aufgebrachter Vertreter des Gutshofs, laut nach einer ­Beratung hinter verschlossener Tür.

Mit dem Ergebnis des einstündigen Austauschs zeigte sich der Bürgermeister der Stadt An der Schmücke, Holger Häßler (pl), dafür gestern einigermaßen zufrieden. Die Stadt hat mit der Hängeseilbrücke zwar nur insofern etwas zu tun, weil Braunsroda Stadtgebiet ist. Doch bei der Stadtverwaltung gingen die Beschwerden ein, und der Bürgermeister überzeugte sich mehrfach vor Ort von den Schil­derungen. Über den ausgewie­senen Mini-Wanderparkplatz konnte er ebenso nur den Kopf schütteln wie über den Schotter vom Rückbau der Bauzufahrt, den der Verein auf der Busparkfläche ablagern ließ und damit die Zahl der ohnehin schon raren Stellplätze weiter dezimierte. Das kleine Klo auf dem Gutshof hält Häßler angesichts des Massenansturms für einen Witz, wie die ganzen Rahmenbedingungen überhaupt. „Wenn ein neues Ausflugsziel so großartig beworben wird, dann haben die Menschen doch Erwartungen. Dann wollen sie einen großen Parkplatz vorfinden, ordentliche Toiletten und Gastronomie. Oder wenigstens einen Imbiss, wo es eine Bockwurst gibt und für die Kinder ein Eis.“ Sogar Rollstuhlfahrer hätten sich bereits Richtung Wald gequält und dort eine behindertengerechte Zuwegung gesucht.

Doch das gibt es alles nicht. In einer Anliegerversammlung am 17. September in Braunsroda mit Vertretern des Brückenprojektes sei all dies bereits zur Sprache gebracht worden.

Sportplatz als Parkfläche soll zur Verfügung gestellt werden

Dass so schnell natürlich keine entsprechende touristische Infrastruktur aus dem Boden gestampft werden kann, ist den Beteiligten klar. Hier wird wohl noch mal Unterstützung aus den Ministerien gefragt sein.

Immerhin kurzfristig soll sich nun etwas ändern: Die Stadt wird nun doch den Sportplatz als Parkfläche zur Verfügung stellen, kündigt Häßler gestern an. Der Verein will sich um ausreichend Toiletten kümmern und Dixi-Klos aufstellen. Die An- und Abfahrt der Besucher über die Bismarck-Allee soll sichergestellt werden, ordentliche Ausschilderung soll es geben sowie gegen eine Gebühr Parkeinweiser, die zugleich darauf achten, dass die Spaziergänger die ausgeschilderten Wege nutzen und nicht querfeldein spazieren. Aber erst mal nur an den Wochenenden.

Die Stadt ihrerseits wird eine Politesse den öffentlichen Parkraum kontrollieren lassen und auf ihren Flächen ein paar Bänke aufstellen, dass sich Besucher auch mal hinsetzen und ausruhen können. Nur Abfalleimer wird es weiter keine geben. Das habe der Schrecke-Verein abgelehnt, bedauert Häßler. Begründung: Wanderer nähmen ihren Müll wieder mit.

Die Zeit wird‘s zeigen.

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