Spätestens am Morgen danach plagt Ireen Wille das schlechte Gewissen.

Es gibt Dinge im Leben, die sind es wert, Ärger mit dem Liebsten zu riskieren. Wir, also meine bessere Hälfte und ich, sind gerade an diesem Punkt angekommen. Eigentlich wie jedes Jahr – ungefähr zur gleichen Zeit. Eine unerträgliche Zeit, in der ich – glaubt man seinen Worten – rücksichtslos und egoistisch bin, nicht an meine Mitmenschen und vor allem nicht an ihn oder geschweige denn an unsere armen Kinder denke.

Zugegeben, nachdem ich meine Lust gestillt habe, spätestens jedoch am Morgen danach, plagt mich das schlechte Gewissen. Wie konnte ich nur? Und warum schon wieder? Musste das jetzt sein? Alles Fragen, die mich quälen und die wohl auch mein Gegenüber im Stillen beschäftigt.

Und doch: Schon bei der nächsten Gelegenheit werde ich wieder schwach. Viel zu lange ließ er mich warten. Über Monate musste ich zu schnödem Ersatz aus dem Tiefkühlfach greifen. Doch das hat ein Ende! Bärlauch, ich stürze mich in dein sattes Grün und vernasche dich in jedem Aggregatzustand! Fader Beigeschmack hin oder her – die üble Fahne am nächsten Tag bist du mir wert!