Auch ein wenig Bauhausflair im Kyffhäuserkreis

Kyffhäuserkreis  Tausende Besucher begeben sich auf Entdeckungstour am Tag des offenen Denkmals und blicken hinter sonst verschlossene Türen.

Zum Tag des offenen Denkmal kamen insgesamt über 150 Gäste, um an einer Führung durch den einstigen Ebelebener Schlosspark teilzunehmen. Der Schlosspark ist ein Außenstandort der Bundesgartenschau 2021.  

Zum Tag des offenen Denkmal kamen insgesamt über 150 Gäste, um an einer Führung durch den einstigen Ebelebener Schlosspark teilzunehmen. Der Schlosspark ist ein Außenstandort der Bundesgartenschau 2021.  

Foto: Henning Most

Zum bundesweiten Tag des offenen Denkmals öffneten auch im Kyffhäuserkreis wieder zahlreiche Denkmale, die sonst nicht für jedermann zugänglich sind, ihre Türen. Im Bauhaus-Jahr stand der Aktionstag unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“.

Da allerdings im Bauhaus-Land Thüringen der Norden weniger mit Bauten aus der Zeit der klassischen Moderne bestückt ist, standen am Ende doch wieder viele der bekannten Einrichtungen auf den Plakaten. Laut Definition wird der Begriff „modernus“ seit dem 5. Jahrhundert verwendet, wenn sich das Selbstverständnis einer Epoche oder der Gesellschaft verändert und sich von Vorgängern absetzt. Vor diesem Hintergrund hatte man dann auch hierzulande das Thema keineswegs verfehlt.

Etwa mit dem Bau des heutigen Geschwister-Scholl-Gymnasiums vor 138 Jahren. Bereits 1829 wurde ein

Gymnasium in der Sondershäuser Pfarrstraße errichtet, doch der Platz in dem heute noch vorhandenen Fachwerkgebäude war schon bald zu klein, so dass 1875 ein Neubau beschlossen wurde. Der ehemalige Schüler Nico Steiner vermittelte in der Aula den Besuchern gestern die Geschichte des Hauses recht anschaulich. Seit 1999 steht die Schule unter Denkmalschutz, nachdem sie von 1994 bis 98 aufwendig restauriert wurde. Nicht nur ehemalige Schüler schlenderten am Denkmaltag durch die Treppenhäuser und fanden vor allem Gefallen an der prachtvollen Aula, welche dem Festsaal der Wartburg nicht unähnlich ist.

Traditionell beliebt ist am Tag des offenen Denkmals ein Besuch im Schloss Sondershausen. Nicht nur, dass die Ausstellungen an diesem Tag kostenfrei zu besichtigen sind, die Museumsleute gewähren stets auch Einblicke hinter sonst verschlossenen Türen. So konnten die Besucher in die Kellerräume hinabsteigen, dort durch die „Hölle“, den ehemaligen Kerker, gehen oder die weiträumigen Lager der einstigen Fürsten anschauen.

Dass hinter jedem Umbruch etwas Neues, aber nicht unbedingt Fortschrittliches steckt, sah man am Beispiel des einstigen Festkellers. Dort, wo die Monarchen einst ungehemmt prassten, suchten am 8. April 1945 über 3000 Sondershäuser Schutz vor den Bombenangriffen, und zu DDR-Zeiten nutzten Bibliothekarschüler das 9 Grad kalte Gewölbe als Turnhalle.

Im Schlosspark Ebeleben machte man mit Führungen wie auch in Bendeleben auf die Bundesgartenschau 2021 aufmerksam. Beide Parks sind als Außenstandorte vorgesehen. Fördervereinsmitglied Folker Dietzsch führte etwa 150 Besucher durch den Ebelebener Park. Im Karl-Marien-Haus, an der nördlichen Parkseite, kamen dann die Freunde des Bauhauses doch noch auf ihre Kosten. Dietzsch präsentierte für einen Tag einen Querschnitt seiner Sammlung von Plakaten und Zeichnungen aus der Bauhauszeit.

Die Ausstellung umfasste Fotografien, Zeichnungen, Malereien, Plakate und Architekturzeichnungen in Tusche von Bauhausschülern wie Albert Hennig, Reinhold Rossig und Carl Marx. Zu sehen waren auch fotografische Dokumente von einstigen Teilen des Ebelebener Schlosskomplexes und Dokumentationen der Parkgeschichte bis in die heutige Zeit.

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