Aus Niedersachsen zur Fleischerlehre nach Greußen

Greußen.  Nach acht Jahren bildet die Landfleischerei wieder einen Lehrling aus – und zwar den einzigen im Kyffhäuserkreis.

Tristan Benedikt Paul ist der einzige Fleischerlehrling, der in diesem Jahr seine Ausbildung im Kyffhäuserkreis begonnen hat.. 

Tristan Benedikt Paul ist der einzige Fleischerlehrling, der in diesem Jahr seine Ausbildung im Kyffhäuserkreis begonnen hat.. 

Foto: Andrea Hellmann

Für die Lehre verlassen nach wie vor viele Jugendliche ihre Heimat. Aus dem Kyffhäuserkreis zieht es sie immer noch viele gen Westen für eine gut bezahlte Ausbildung in einem Industriebetrieb.

Der 17-jährige Tristan Benedikt Paul ist gleich in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme. Statt fürs Büro oder eine Industriehalle hat er sich für einen Handwerksbetrieb entschieden und der steht nicht in seiner Heimat Jarxheim in Niedersachsen, sondern in Greußen im Kyffhäuserkreis.

Würste aufhängen, Hackfleisch trennen, Gulasch schneiden

Fleischer will der 17-Jährige werden und hat dafür im September eine Ausbildung bei der Landfleischerei Baldur Krause begonnen. Früh um fünf beginnt seitdem sein Tag. Würste aufhängen, Hackfleisch trennen, auch Gulasch schneiden. Erst mal läuft Tristan Benedikt Paul mit und lernt den Betrieb kennen. Die Vorbereitungen fürs Weihnachtsgeschäft laufen bereits, viel Zeit sei aktuell nicht, sagt Fleischermeister und Geschäftsführer Andreas Fischer, der hier selbst vor 23 Jahren seine Ausbildung absolvierte.

Acht Jahre hatte die Landfleischerei keinen Auszubildenden mehr. Ausgeschrieben waren die Stelle immer, sagt Fischer. Das Interesse war null. Nicht einmal eine Bewerbung habe es in den Jahren zuvor gegeben. In diesem Jahr waren es zwei. Bei Tristan Benedikt Paul habe es gepasst. Und ist damit auch im gesamten Landkreis der einzige. Kein anderer Fleischer hat in diesem Jahr einen Vertrag mit einem neuen Fleischerlehrling schließen können, sagt Andreas Fischer.

Die Leute schätzen die Produkte

Nachwuchs benötigen sie im 26-Mann-Betrieb in der Grüninger Straße immer. Sechs Geschäfte betreibt die Landfleischerei im Kyffhäuserkreis. Beliefert zusätzlich noch zwei Geschäfte in Erfurt und einen mobilen Verkaufsstand mit ihren Wurstwaren.

Und die Leute schätzen die Produkte. In den vergangenen zehn Jahren sei der Umsatz jedes Jahr gewachsen. „Für gute Qualität sind die Menschen auch bereit, mehr Geld auszugeben“, sagt Andreas Fischer. Ein Schnitzel, möglichst groß und billig im Discounter zu erstehen, das wollen viele Leute heute nicht mehr, so Fischer. In diesem Jahr merke zwar auch die Fleischerei die Einschränkungen durch die Coronapandemie. Aber gegessen wird immer.

Mit dem Kochen schon früh begonnen

Essen spielte auch bei der Entscheidung von Tristan Benedikt Paul für den Beruf des Fleischers eine Rolle. „Ich wollte schon immer was Handwerkliches machen, mit den Händen arbeiten und am Ende des Tages sehen, was ich gemacht habe und nicht einen ausgedruckten Stapel Papier vor mir liegen haben“, erzählt er. Zimmermann war die erste Wahl. Aber eine Erkrankung verhinderte die Ausbildung.

Dann habe er überlegt, was ihm noch Spaß mache und das war Kochen. Damit habe er schon früh begonnen. Die Oma sei Köchin gewesen und seine Mutter habe immer etwas gezeigt. „Sie wollte, dass ich mich später mal nicht nur von Fertiggerichten ernähre“, sagt Paul. Und so habe er auch nach Lehrstellen als Koch und Fleischer gesucht. In Jarxheim bei Braunschweig habe es die zwar auch gegeben. Aber die Betriebe haben ihm nicht gefallen, die Leute seien nicht so toll gewesen. Es habe nicht gepasst.

Die Lehrstelle in Greußen hat er entdeckt, weil seine Familie ursprünglich aus Ebeleben stammt. Als er ein kleiner Junge war, sind die Eltern nach Niedersachsen gezogen. Einmal nach Ebeleben zurückzukommen, das habe er sich schon immer vorstellen können, sagt der 17-Jährige. Inzwischen wohnt er bei seiner Oma, macht seinen Führerschein und will Fleischer werden.