Bürger zeigen sich grundsätzlich offen für Hotel in Bad Frankenhausen

Bad Frankenhausen  Die Präsentation der Hotel-Pläne von Investor und Architekt zerstreut viele Zweifel der Frankenhäuser. Zwei Bürgerwerkstätten sollen noch vor der Bürgerbefragung stattfinden.

Diese Grafik zeigt aus der Vogelperspektive, wie die Schlosswiese in Bad Frankenhausen nach dem Bau des Hotels und dem Umbau der Therme aussehen könnte. 

Diese Grafik zeigt aus der Vogelperspektive, wie die Schlosswiese in Bad Frankenhausen nach dem Bau des Hotels und dem Umbau der Therme aussehen könnte. 

Foto: Plus 4930 Planungsgesellschaft

Erwartet wurde eine emotionale Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern des Hotelneubaus auf der Schlosswiese. Letztlich gab es zwar kritische Nachfragen, der Tenor im Saal war allerdings sehr offen für ein neues Hotel. Das lag auch am zuvor überzeugend vorgetragenen Appell des Investors.

Das Interesse an der Bürgerversammlung im Ratssaal war so groß, dass vor Beginn noch zahlreich weitere Stühle in den Saal geschafft werden mussten.

Bürgermeister Matthias Strejc (SPD) freute sich sehr über das große Interesse und gab das Wort sofort weiter an den Berliner Architekten René Krüger von der Plus 4930 Planungsgesellschaft. Dieser stellte einen ersten Entwurf für einen Hotelneubau vor, der – wie er mehrfach betonte – so noch nicht in Stein gemeißelt sei. Dennoch sei dieser Entwurf in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde entstanden, um eine optische Konkurrenz ge­gen­über des Stadtschlosses auszuschließen. Generell soll der Hotelbau im Zusammenhang mit dem ohnehin beschlossenen fünften Bauabschnitt an der Kyffhäuser-Therme forciert werden. Die Therme soll nämlich mit dem neuen Hotel verbunden, so quasi zu dessen Spa-Bereich werden und dennoch weiter offen für alle bleiben. Gleiches gilt für eine gastronomische Einrichtung, die ins Erdgeschoss des Hotels einziehen soll. Therme und Hotel sollen laut Krüger zu einem einheitlichen Baukörper verschmelzen, und auch der Eingangsbereich der Therme soll neu gestaltet werden. Ein sogenannter Bademantelgang verbindet beide Gebäude miteinander. Um die notwendigen Parkplätze für die Hotelgäste bauen zu können, werde derzeit eine Tiefgarage unter der Schlosswiese bevorzugt, die über eine Zufahrt neben dem Schloss erreichbar sein soll. Die Größe dieser und auch das künftige Aussehen der Schlosswiese könne erst nach einer Zustimmung zum Projekt erfolgen. Die Wiese soll von derzeit rund 10.100 auf etwa 7100 Quadratmeter Größe schrumpfen. Unangetastet bleiben soll dabei das bestehende Regenwasserreservoir. Vorhandene Trink- und Abwasserleitungen sollen nach Möglichkeit genutzt oder angepasst werden.

Auch der Investor Gerhard Brandner von der RIMC-Gruppe ergriff das Wort und warb eindrücklich für das Projekt. Er sagte, dass sich das Hotel in die Stadt integrieren und kein Fremdkörper sein soll. Brandner betonte, dass er seit 1954 im Gastgewerbe tätig sei und schon viel Erfahrung beim Bau von Hotels in kleineren Städten, auch in Ostdeutschland, habe. Als Referenz gab er unter anderem das Strandhotel Hübner in Warnemünde an. „Egal, wohin ich gekommen bin. Überall gab es zunächst Gegenwind für ein neues Hotel. Nachdem das Hotel gebaut war, waren aber alle schnell froh, dass es gekommen ist“, sagte Brandner. Ein Hotel mit Vier-Sterne-Status könne eine „Lokomotive“ für die Region sein und werde auch nicht den anderen Gastronomen und Hotelbetreibern in der Stadt schaden.

Brandner rechnet mit Investitionskosten von rund 25 Millionen Euro für ein Hotel mit 90 bis 100 Zimmern. Er rechne mit einem Jahresumsatz von bis zu vier Millionen Euro, von denen er etwa zehn Prozent für die Vermarktung veranschlagt. Davon würde die ganze Stadt und auch die Region profitieren. Auch würden von einem Hotel dieser Größe die Einzelhändler und Dienstleister in Bad Frankenhausen profitieren, weil das Hotel auf deren Dienste angewiesen sei. „Vielmehr sind wir erfahrungsgemäß ein Auslöser für weitere Hotels in der Region. Nutzen möchte Brandner auch nur selten genutzte Räumlichkeiten im Stadtschloss – etwa für Hochzeiten möchte er diese anmieten. Auch werde er keine Fachkräfte von anderen Hotels abziehen, weil „es viele Mitarbeiter in meinen anderen Hotels gibt, die auch gern einmal woanders arbeiten und leben würden“, so Brandner. Auch Birgit Schröder von der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) ergriff das Wort und erläuterte, dass die LEG in den Prozess um einen Hotelneubau einstieg, nachdem der vorherige Investor ausgestiegen war. Man habe dann gezielt Gerhard Brandner angesprochen und sei froh, ihn für das Projekt gewonnen zu haben. „Wir glauben, dass dieses Hotel eine gute Ergänzung für das touristische Angebot ist und Bad Frankenhausen auch dabei hilft, über die Region hinaus bekannter zu werden“, unterstrich Birgit Schröder.

Die anschließende Diskussion eröffnete Matthias Strejc damit, dass er daran erinnerte, dass die Frankenhäuser auf die Entwicklung ihrer Stadt in den vergangenen 30 Jahren sehr stolz sein könnten. Marion Haas aus dem Ortsvorstand der Linken sagte, dass sich ihre Skepsis gegenüber eines neuen Hotels reduziert habe nach der Präsentation. Sie wollte wissen, wem die Therme gehört, wenn diese im Zuge der Baumaßnahmen umgebaut wird, und ab wann das Hotel dann nutzbar wäre. Hierzu hieß es, dass die Stadt weiterhin über die Kur- und Tourismus GmbH Eigentümer der Therme bleibe. Für das Hotel wird eine Bauzeit von 18 bis 24 Monaten veranschlagt, womit es ab Ende 2022 genutzt werden könnte. Eine Frau wollte wissen, ob Gerhard Brandner sich auch vorstellen könne, das Areal am ehemaligen Kindersanatorium zu revitalisieren. Hierauf antwortete der Bürgermeister, dass auch dieses Areal ursprünglich eines von vier Standorten für ein neues Hotel gewesen sei. Durchgesetzt habe sich aber die Schlosswiese. Der Stadtrat wolle sich jedoch weiter für eine Nachnutzung des Areals einsetzen. Ein Anwohner des Areals an der Schlosswiese befürchtet, dass ihm durch den Hotelneubau sein schöner Ausblick auf das Schloss verbaut werde, und wollte wissen, wie hoch das Gebäude werden soll. Darauf führte Architekt Krüger aus, dass das Hotel dreistöckig werden und an der höchsten Stelle 13,4 Meter messen soll. Dies sei rund 1,5 Meter unterhalb der Höhe des Schlosses, wodurch dieses sichtbar bleibe. Auch werde das Hotel in das Schlosswiesenareal integriert und kein blanker Betonklotz. Man spiele zum Beispiel mit dem Gedanken, die Fassade im Stile eines Gradierwerkes zu gestalten. Das Design des Schlosses aufzugreifen, wie es eine andere Wortmeldung vorschlug, sei nicht möglich, da die Untere Denkmalschutzbehörde auf das Alleinstellungsmerkmal des Schlosses bestehe.

Ob Brandner lieber eine Festwiese oder einen Schlossgarten vor seinem Hotel wolle, fragte ein Mann. Darauf antwortete der Investor, dass ein Schlosspark natürlich der schönere Anblick wäre, er aber auch mit einer Festwiese leben könne.

Eine kritische Stimme bat in Richtung LEG darum, ähnlich viel Energie wie für dieses Hotelprojekt auch einmal in die Ansiedlung weiterer Industriebetriebe in Nordthüringen zu investieren. Denn wenn die Menschen keine Arbeit haben, könnten sie auch das neue Hotel nicht nutzen. Hierauf sagte Brandner, dass erfahrungsgemäß durch ein Tagungshotel, was das neue Hotel sein soll, auch viele Unternehmer in die Stadt kämen, die erst durch ihren Besuch die Vorzüge der Stadt und der Region kennenlernen und dann oft Interesse an einer Ansiedlung entwickeln. Ein gutes Beispiel dafür sei die Autostadt in Wolfsburg, die sich um ein von Brandner gebautes Hotel herum entwickelt habe.

Die Versammlung kann auf der Facebook-Seite der Stadt nachgeschaut werden.

Die Bürgerwerkstätten zum Hotelneubau finden am 27. September von 19 bis 21 Uhr und am 5. Oktober von 10 bis 12 Uhr im Festsaal statt.

Ab 25. September werden im Regionalmuseum zu den gewohnten Öffnungszeiten Zahlen, Daten und Fakten zum Hotelneubau präsentiert.

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