Guten Morgen Kyffhäuserkreis: Belaubte Ruhestätte

Michael Voß über das Grab seiner Großeltern

Michael Voss

Michael Voss

Foto: Marco KneisE

Ich weiß, man soll nicht fluchen. Auf einem Friedhof schon gar nicht. Doch angesichts der Arbeit, die meine Familie im Herbst dort wochenlang erwartet, darf zumindest ein Stöhnen oder Seufzen erlaubt sein.

Das Grab meiner Großeltern liegt auf einem idyllischen Dorffriedhof. Umstanden von vielen Bäumen, die sich in den letzten Jahren imposant entwickelten. Ganz in der Nähe: eine Weide, ein Ahorn, eine Linde. Im Frühling und Sommer: Ein wunderschöner Platz zum Innehalten!

Doch wie das so ihre Natur ist, werfen die Gehölze – wundersam zeitlich gestaffelt – ihr Laub ab. So regnet von Anfang Oktober bis Mitte November Laub in Massen aufs Grab hernieder. Jede Woche räumen wir es bottichweise weg.

Das Grab winterfest zu machen, mit Tannenzweigen abzudecken, Gestecke zu legen – das geht immer erst unmittelbar vor Totensonntag. Vorher: unmöglich! Stunden später sieht es wieder „belaubt“ und ungepflegt aus.

Nun konnten wir es wagen. Wissen aber auch: Nur ein paar Meter weiter steht eine Lärche. Und die wirft ihre gelben Nadeln immer erst Ende November ab.

So schreiten wir auch dann wieder zur Grabpflege… Ich höre meine selige, bescheidene Großmutter einen ihrer Lieblingssprüche raunen: „Macht meinetwegen bloß nicht so einen Terz!“

Und doch, Oma: Wir tun’s gern.