Corona-Spaziergänge in zwei Städten im Kyffhäuser-Kreis

Kyffhäuserkreis.  Protestaktionen mit insgesamt etwa 150 Spaziergängern in Bad Frankenhausen und Sondershausen unter Polizeibegleitung blieben friedlich.

Etwa 120 Menschen beteiligten sich Montagabend an einem Spaziergang in Bad Frankenhausen in Corona-Zeiten. 

Etwa 120 Menschen beteiligten sich Montagabend an einem Spaziergang in Bad Frankenhausen in Corona-Zeiten. 

Foto: Ingolf Gläser

An Spaziergängen in Corona-Zeiten beteiligten sich am Montagabend in Bad Frankenhausen laut Landratsamt und Polizei 110 bis 120 Menschen, in Sondershausen 25. Die Aktionen seien ruhig und friedlich verlaufen, es habe keine Anmeldungen für Versammlungen gegeben, es wurden keine Reden gehalten oder Transparente ausgerollt.

„Wir bleiben nicht zuhause, schauen nicht einfach zu, sondern gehen spazieren, zeigen in der Öffentlichkeit, in einer kleinen Stadt, dass wir mit Corona-Maßnahmen nicht einverstanden sind. Vor allem, weil sie enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft und die ganze Gesellschaft haben“, sagte einer der Teilnehmer in der Kurstadt.

Man traf sich an der Schlosswiese, es ging durch die Kräme und den Kurpark wieder zurück. In der Gruppe war von bis zu 200 Teilnehmern die Rede, die Polizei begleitete sie. In der Gemeinschaft waren alle Generationen vertreten, von der Familie bis zum Senior, vom Handwerker über den Gastronomen bis zum Firmen-Geschäftsführer.

Auch in der kleineren Gruppe, die durch Sondershausens Innenstadt von Marktplatz durch Haupt- und Carl-Schroeder-Straße spazierte, waren Menschen jeden Alters unterwegs. Hier kam es zu einem kurzen Wortgeplänkel mit der Polizei, als eine Beamtin, die mit fünf Kollegen den Tross begleitete, die Spaziergänger wiederholt darauf aufmerksam machte, das Abstandsgebot einzuhalten. Ordnungswidrigkeiten wurden aber nicht aufgenommen.

„Wir haben da Ermessensspielraum“, erklärte Heinz-Ludolf Klopsch von der Ordnungsbehörde im Landratsamt. Allerdings werde überlegt, namentlich bekannten Spaziergängern schriftlich nahezulegen, eine solche als Versammlung eingestufte Veranstaltung demnächst ordnungsgemäß anzumelden.

Man lebe in der Region vom Tourismus, die Corona-Einschränkungen seien überzogen, erklärte ein Teilnehmer in Bad Frankenhausen. Ein Teil der Gastronomen, so war zu hören, werde, auch wenn es dann möglich sei, nicht öffnen. Weil Regelungen paradox seien und es wirtschaftlich keinen Sinn mache, nur wenige Tische zu stellen. Und wie unsinnig sei die Regelung, dass die Profifußballer spielen können, andererseits die Kindergärten im Notbetrieb seien.

In Gesprächen kritisch angesprochen wurde auch, dass Bund und Land die Verantwortung für Corona-Regelungen an die Kreis und Kommunen schiebe. Bereits eine Woche zuvor hatte es in Bad Frankenhausen den ersten Spaziergang gegeben, da mit etwa 70 Teilnehmern. Kommenden Montagabend soll es den nächsten geben. Da hoffe man auf noch mehr Teilnehmer. Eine Demo oder Versammlung werde man nicht anmelden, war zu hören.