Das Grau verschwand, die Menschen auch: So sehr veränderte sich Sondershausen seit 1989

Sondershausen.  Sondershausen hat sich in 30 Jahren stark gewandelt. Aus Ruinen wurden Häuser. Hier sehen Sie den großen Interaktiv-Vergleich zwischen heute und früher.

Mehr als 55 Mio Euro flossen in den Stadtumbau seit der friedlichen Revolution 1989. Abgeschlossen ist der Stadtumbau trotzdem bis heute nicht. „Das Grau ist weg“, sagt Manfred Kucksch, um gleich zu ergänzen, „in den meisten Bereichen.“

Wer durch die Bildersammlung des ehemaligen Sondershäuser Bauamtsleiters schaut, dem fallen die Veränderungen schnell ins Auge. An vielen Stellen hat die Kreisstadt nicht nur an Farbe gewonnen. Sie hat sich auch baulich stark gewandelt. Der Postplatz ist verschwunden. Dort steht heute ein Einkaufszentrum. Rund um den Marktplatz wurden die Häuser saniert: Landratsamt, das Haus „Am Schwan“. In der Carl-Schroeder-Straße wurde das Konservatorium renoviert, die Remise umgebaut.

Bergbausanierung und Ortsumfahrung am wichtigsten

Aus Ruinen entstanden neue Häuser. Das Gottschalksche Haus wurde neu errichtet, die Cruciskirche wieder aufgebaut und bietet heute als Bürgerzentrum Raum für Kulturveranstaltungen, für Vereine und die Familienbegegnungsstätte.

Der Stadtumbau war nach der Wende nicht die dringendste Aufgabe. Die Bergbausanierung, der Hochwasserschutz und die Ortsumfahrung standen in der Prioritätenliste weiter oben, erinnert sich Manfred Kucksch. Geprägt haben die Sanierungen die Stadt jedoch erheblich.

Verloren hat die Stadt in den 1990er-Jahren und bis heute nicht nur das Grau an den Fassaden. Vor allem verlor sie auch viele Menschen. Sehr viele.

Mehr als 24.000 Einwohner hatte die Kreisstadt am Ende des Jahres 1988. Heute sind es trotz zahlreicher Eingemeindungen nur noch etwas über 21.000 Einwohner, und es werden weniger.

1500 Wohnungen abgerissen

Der Wohnungsleerstand war riesig. 1500 Wohnungen seien abgerissen worden im Laufe der vergangenen 30 Jahre. Der Großteil der Plattenbauten im Hasenholz und Östertal verschwand. Auch das innerstädtische Wohngebiet „Am Wippertor“ musste sich ändern. Weniger Menschen benötigten weniger Wohnraum, und die Platte war nicht mehr gefragt.

2004 schrieb die Stadtverwaltung Sondershausen einen offenen Wettbewerb aus. Gleich 700 Planungsbüros bewarben sich. Am Siegerentwurf orientiert man sich noch heute. Rückbau, Umbau, Abriss sind im Wippertor bis heute zu erleben. Erst Ende vergangenen Jahres wurde ein Plattenbau in der Karnstraße abgerissen.

Mehr als 55 Millionen Euro flossen in Stadtsanierung

Mehr als 55 Millionen Euro sind bis 2017 in die Sanierung der Innenstadt aus verschiedenen Förderprogrammen geflossen. Seit 1991 existieren die Sanierungsgebiete in der Innenstadt und zum Schlossareal.

Abgeschlossen ist der Stadtumbau nicht. In der Rahmenplanung für die Altstadt sind noch einige offene Stellen. Auf dem Trinitatisplatz, in der Nikolaus-van-Halem-Straße, in der Ferdinand-Schlufter-Straße bestehen nach wie vor Baulücken. An mancher Fassade in der Innenstadt bröckelt wieder der Putz. Häuser stehen leer.

Dass nicht ausschließlich Geld eine Triebfeder für Veränderungen sein muss, zeigt das Beispiel der Cruciskirche. Ohne die Vision, aus der Ruine am Rand der Innenstadt ein Bürgerzentrum zu machen, ohne einen tatkräftigen Förderverein, ohne die vielen Freiwilligen, die immer wieder zupackten, selbst bauten und ausbauten und das noch heute machen, wäre das Haus nicht fertig geworden.

So eine Vision für die Stadt braucht es vielleicht auch heute wieder....

So haben sich die Plätze und Orte in Sondershausen verändert

Postplatz
Wo früher Bretterbuden standen, steht heute ein Einkaufstempel. 2002 wurde die Galerie „Am Schlossberg“ und das ihr gegenüberliegende Parkhaus eröffnet.
Die Bebauung des Postplatzes mit einem Einkaufszentrum ist bis heute nicht unumstritten. Der Einzelhandel hat sich verändert und verändert sich. Inzwischen stehen auch in der Galerie Geschäfte leer.
Wo früher Bretterbuden standen, steht heute ein Einkaufstempel. 2002 wurde die Galerie „Am Schlossberg“ und das ihr gegenüberliegende Parkhaus eröffnet.
Carl-Schroeder-Straße
Das Kino der Stadt befand sich einmal direkt am Markt/Ecke CarlSchroeder-Straße, wie das Foto von 1985 beweist.
Heute sind die Häuser saniert, und neben einem Restaurant befindet sich ein Optiker im ehemaligen Filmtheater.
Das Kino der Stadt befand sich einmal direkt am Markt/Ecke CarlSchroeder-Straße, wie das Foto von 1985 beweist.
Trinitatisplatz
Das obere Foto zeigt den Trinitatisplatz und die Lange Straße mit dem Südportal der Trinitatiskirche vor 1983. Heute sind viele der abgebildeten Gebäude verschwunden, der Platz vor der Sondershäuser Stadtkirche hat sich zu einem großen Parkplatz verwandelt.
Erst vor wenigen Jahren entstanden wieder Wohnbauten auf den Freiflächen in der Nikolaus-von Halem-Straße
Das obere Foto zeigt den Trinitatisplatz und die Lange Straße mit dem Südportal der Trinitatiskirche vor 1983. Heute sind viele der abgebildeten Gebäude verschwunden, der Platz vor der Sondershäuser Stadtkirche hat sich zu einem großen Parkplatz verwandelt.
Bebrastraße
In der Bebrastraße gibt es heute wie damals kleine Geschäfte. Das Angebot hat sich gewandelt. Die Fassaden aber auch. Die sind längst saniert so wie die Straße.
Gleichzeitig wurde nach der Wende der Hochwasserschutz am Bebra-Fluss verbessert. Zahlreiche Bohrpfähle sichern Häuser am Ufer vor dem Abrutschen.
In der Bebrastraße gibt es heute wie damals kleine Geschäfte. Das Angebot hat sich gewandelt. Die Fassaden aber auch. Die sind längst saniert so wie die Straße.
Cruciskirche
Bereits im Jahr 1392 wurde der Grundstein für das heute älteste Bauwerk der Stadt gelegt. Ihre Geschichte war von Zerstörung und Wiederaufbau geprägt. Die Kirche wurde seit den 1930er-Jahren als Lagerhalle genutzt und verfiel zu DDR-Zeiten zu einer Ruine.
Engagierte Sondershäuser gründeten 2001 den Förderverein der Cruciskirche, sanierten die vorhandene Substanz und errichteten ein Bürgerhaus. Im Sommer 2017 konnte der mehr als drei Million Euro teure Bau vollendet werden
Bereits im Jahr 1392 wurde der Grundstein für das heute älteste Bauwerk der Stadt gelegt. Ihre Geschichte war von Zerstörung und Wiederaufbau geprägt. Die Kirche wurde seit den 1930er-Jahren als Lagerhalle genutzt und verfiel zu DDR-Zeiten zu einer Ruine.
Landratsamt
Im Prinzenpalais saß der Rat des Kreises. Heute hat hier das Landratsamt seinen Sitz. Die Losungen an den Balkonen sind verschwunden, dafür wirbt jetzt hier die Volkshochschule im 100. Jahr ihrer Gründung für ihre Kurse.
Abgebaut wurde auch das Staatswappen der DDR. Dafür sind die Fassade und die Räume im Inneren auf Vordermann gebracht worden. Verändert hat sein Antlitz auch der Marktplatz. Nicht das erste Mal im Laufe der Jahrhunderte.
Im Prinzenpalais saß der Rat des Kreises. Heute hat hier das Landratsamt seinen Sitz. Die Losungen an den Balkonen sind verschwunden, dafür wirbt jetzt hier die Volkshochschule im 100. Jahr ihrer Gründung für ihre Kurse.
Gottschalckches Haus
Georg Carl Ludwig Gottschalck hatte das palaisartige Haus im Stil des Spätbarock 1774 bis 1776 errichten lassen. 2002 entriss die Wohnungsbaugesellschaft Wippertal das Denkmal dem  Verfall und schuf neben sieben Wohnungen und zwei Gewerbeflächen eine Augenweide.
Dafür und für die Sanierungen anderer Objekte in der Stadt wurde die Wippertal im Jahr 2015 mit dem Thüringer Denkmalschutzpreis ausgezeichnet.
Georg Carl Ludwig Gottschalck hatte das palaisartige Haus im Stil des Spätbarock 1774 bis 1776 errichten lassen. 2002 entriss die Wohnungsbaugesellschaft Wippertal das Denkmal dem Verfall und schuf neben sieben Wohnungen und zwei Gewerbeflächen eine Augenweide.
Elisabethplatz
Der Elisabethplatz spielt in der Geschichte der friedlichen Revolution vor 30 Jahren eine wichtige Rolle. Hier in der Elisabethkirche fand das erste Friedensgebete statt. Von hier liefen die Demonstranten bis zur SED-Kreisleitung.
Verändert hat sich der Platz in den vergangenen Jahren. Aus der Verkehrsinsel wurde ein Kreisverkehr. Der Wohnblock in der Talstraße wich einem Parkplatz und die Grünfläche dem Finanzamt.
Der Elisabethplatz spielt in der Geschichte der friedlichen Revolution vor 30 Jahren eine wichtige Rolle. Hier in der Elisabethkirche fand das erste Friedensgebete statt. Von hier liefen die Demonstranten bis zur SED-Kreisleitung.
Güntherstraße
Aus der Lenin-Allee wurde die Güntherstraße. Der Verkehr aber fließt hier immer noch lang. Und wer genau hinschaut, der erkennt sogar noch den Laternenmast wieder. Der hat die Zeiten überdauert.
Die Fassaden rechts und links der Straße aber sind längst saniert und nicht mehr grau. Aus der EOS „Geschwister Scholl“ wurde das Gymnasium „Geschwister Scholl“. Auch das bekannte Stadtcafé existiert inzwischen wieder.
Aus der Lenin-Allee wurde die Güntherstraße. Der Verkehr aber fließt hier immer noch lang. Und wer genau hinschaut, der erkennt sogar noch den Laternenmast wieder. Der hat die Zeiten überdauert.
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