Ebeleben trauert um Ehrenbürger Otto Thonhofer

Uwe Vogt
| Lesedauer: 7 Minuten
Otto Thonhofer mit seinen geschätzten Eseln im Jahr 2013.

Otto Thonhofer mit seinen geschätzten Eseln im Jahr 2013.

Foto: Nico Kiesel / Archiv

Ebeleben/Greußen.  Otto Thonhofer, der ehemalige katholische Pfarrer in Ebeleben, starb im Alter von 85 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit.

Am 20. Januar erhielt ich die Nachricht, dass der katholische Pfarrer von Ebeleben nach kurzer schwerer Krankheit in Greußen im Alter von 85 Jahren verstorben ist. Einige Tage zuvor hatte ich ihn noch besucht und von meinem Besuch des Dresdner Weihnachtszirkus berichtet, den er mir so ans Herz gelegt hatte. Wie bekannt und geschätzt er in Mitteldeutschland war, beweist, dass er im dortigen Programmheft, wo die internationalen Stars der Manege vorgestellt worden sind, eigens für die Initialisierung von Artistengottesdiensten und Segnungen der Fahrenden benannt ist.

Kennengelernt habe ich Otto Thonhofer schon in den 1980er-Jahren, als er zum Krankengottesdienst in unser Haus kam. Er stammte aus Olmütz (Mähren), wo er am 16. Mai 1937 geboren wurde. Nach der Vertreibung aus der Heimat kam die Familie nach Ostdeutschland, wo der Vater in mehreren Städten als Zahnarzt arbeitete. Otto legte im Dresden der Nachkriegszeit sein Abitur ab, bevor sich entschloss, katholische Theologie zu studieren. In einem unserer vielen Gespräche erklärte er mir, dass sein bis dato Lebensweg dem Priesterstudium den Vorzug gab, anstatt es dem Vater gleich zu tun.

Ein Mensch, der in vielen Bereichen Verantwortung übernahm

Im Jahre 1963 schloss er das Studium in Erfurt ab und wurde zum Priester geweiht. Nach mehreren Stationen in Südthüringen wurde er 1985 nach Ebeleben versetzt, was ihm anfangs nicht leicht fiel. Seit Beginn seiner Tätigkeit stand ihm die treue Seele Regina Dölle als Pfarrschwester zur Seite, die ihm bis ans Ende seiner irdischen Tage eine feste Stütze bleiben sollte.

Neben der seelsorgerischen Tätigkeit war Otto Thonhofer auch ein Mensch, der im öffentlichen Leben Verantwortung übernahm. So traf ich ihn in seiner Funktion als Leiter des Runden Tisches in Ebeleben wieder, kurz darauf als Wahlleiter der ersten freien demokratischen Wahlen 1990. In der Wendezeit nahm er aktiv an den Friedensgebeten in der Kreisstadt Sondershausen teil. Als Stadtrat und dann stellvertretender Bürgermeister nahm ich in den 1990er-Jahren gern Einladungen der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Marien wahr, da dort immer eine Willkommenskultur herrschte, die nicht überall selbstverständlich war.

Zur 800-Jahr-Feier von Ebeleben 1998 organisierte Otto Thonhofer gemeinsam mit der evangelischen Amtskollegin den Festgottesdienst und gestalteten mit den Kirchgemeinden das Bild „Gründung des Nonnenklosters 1287“. Als 2005 die Idee eines Schweigemarsches geplant wurde, war es wieder Otto Thonhofer, der 60 Jahre nach dem Durchmarsch von KZ-Häftlingen durch die Stadt die richtigen Worte fand. Auch an der zentralen Gedenkveranstaltung in Niederorschel nahmen wir gemeinsam teil.

Verbundenheit zu Artisten, Schaustellern und Zirkusleuten

Kurz nach Beginn meiner Tätigkeit als hauptamtlicher Bürgermeister trug er mir den Vorschlag an, eine Städtepartnerschaft mit der bayerischen Marktgemeinde Mitwitz zu entwickeln, was 2008 dann auch vollzogen wurde. Leider kocht diese Partnerschaft derzeit auf Sparflamme. Es war immer der Wunsch Otto Thonhofers, dass diese Partnerschaft langfristig auf festen Füßen bleiben möge. Bei gegenseitigen Besuchen war Otto Thonhofer sehr oft dabei.

Eine ganz wichtige Rolle in seinem Leben spielte immer die Verbundenheit zu den Artisten, Schaustellern und Zirkusleuten. Eine Freundschaft verband ihn mit Rudolf Probst, dem Eigentümer des größten Privatzirkusses zu DDR-Zeiten. Mit Beginn seiner Priesterweihe nahm er sich dieser Gruppe an, hatte er doch schon als Student den engen Kontakt zu diesem Milieu gesucht.

Gottesdienste in der Manege und Tiersegnungen

Eine absolute Neuheit war das Abhalten von Gottesdiensten in der Manege. Wenn es Menschen aus diesem Bereich schlecht ging, war er immer bereit, diesen zu helfen. Otto Thonhofer hatte ein inniges Verhältnis zu Tieren, auf dem Hof des Hauses gab es immer eine Vielzahl davon. Besonders hatte es ihm der Esel angetan. Über Jahre gab es auf dem Hof zwei Esel.

Tradition hatte über den Dreikönigstag das sogenannte Treffen der Komödianten an verschiedenen Orten Mitteldeutschlands. Aber auch im Verein der Eselfreunde Deutschlands war Otto Thonhofer sehr engagiert, so nahm er regelmäßig an den bundesweit stattfindenden Treffen teil. Einzigartig dürften dabei Eselsgottesdienste mit Tiersegnung gewesen sein. Selbst gründete Otto Thonhofer mit Regina Dölle das Kleine Erste Eselmuseum. Dort wurde alles rund um das Thema Esel ausgestellt. Altersbedingt wurde dieses 2020 dann aufgegeben. Schade, dass es nicht im Rahmen von Vereinstätigkeit in Ebeleben fortgeführt wurde, nun befindet sich die Sammlung in Brandenburg.

Ein Höhepunkt des geistlichen Wirkens war der Empfang durch den damaligen Papst Benedikt XVI. in Rom. Gut kann ich mich erinnern, wie ich für ihn die Bahnreise plante. Als der Papst dann zwei Jahre später nach Erfurt kam, war es für Otto Thonhofer selbstverständlich, mich dort hinzuschicken. Dass ich Protestant bin, hat in unserem freundschaftlichen Verhältnis nie eine einschränkende Rolle gespielt.

Ein bedeutendes Ereignis im Wirken Otto Thonhofers in Ebeleben war auch der ökumenische Gottesdienst zum Tag der heiligen Walpurga im Jahre 2011 auf dem historischen Gelände des Rewe-Parkplatzes, der an die Missionierung von Marksußra im Jahre 732 erinnerte.

Wichtig war ihm auch immer, an Jubiläen zu erinnern, seien es Jahrestage des Kirchbaus, der eigenen Priesterweihe oder runde Geburtstage. Besonders erinnere ich mich an das Goldene Priesterjubiläum, was er am 29. Juni 2013 im Kloster Tepla (Tschechien) beging, ein eindrucksvolles Ereignis, an dem Geistliche, Freunde aus der früheren Heimat und aus Ebeleben sowie Komödianten teilnahmen. Die letzte große Feier war sein Fest zum 85. Geburtstag im vergangenen Jahr. Selbst im Ruhestand im hohen Alter stand er seiner Gemeinde immer noch zur Verfügung, bevor ein Schlaganfall das nicht mehr erlaubte.

Seinen Respekt vor der Lebensleistung Otto Thonhofers zollte auch Ministerpräsident Bodo Ramelow mit einem Besuch in der Gemeinde. Otto Thonhofer war nicht nur in und um Ebeleben bekannt, mehrere Fernsehsender und Radiostationen in Ost und West widmeten ihm und seinem Schaffen Sendezeit.

Für sein komplexes Wirken sprach der damalige Stadtrat im Jahr 2007 Otto Thonhofer als erstem Bürger die Ehrenbürgerschaft aus. Otto Thonhofers fester Glaube war, dass Christus den physischen Tod besiegt hat, aber alle Menschen sterben müssen. In einem unserer Gespräche sagte er, dass der Tod nicht das Ende sei. Wenn Körper und Geist durch die Auferstehung wiedervereint sind, werden die Menschen in Gottes Gegenwart gebracht, um gerichtet zu werden. In diesem festen Glauben hat er nun die irdische Welt verlassen. Viele, die ihn auf Erden kannten, werden ihn nie vergessen.

Uwe Vogt ist ehemaliger Bürgermeister der Stadt Ebeleben