Ein gutes Beispiel aus Roßleben: Integration im Mehrgenerationenhaus

Roßleben  Etleva Hamlli kam aus Albanien nach Roßleben und erlernte die deutsche Sprache durch täglichen Umgang.

Etleva Hamlli stammt aus Albanien, ist verheiratet und hilft stundenweise im Mehrgenerationenhaus in Roßleben aus, durch das sie den Weg in die Integration geschafft hat. 

Etleva Hamlli stammt aus Albanien, ist verheiratet und hilft stundenweise im Mehrgenerationenhaus in Roßleben aus, durch das sie den Weg in die Integration geschafft hat. 

Foto: Patrick Weisheit

Etleva Hamlli kam als Asylbewerberin in den Kyffhäuserkreis. Die Mutter einer Tochter kam am 23. Juni 2015 nach Deutschland und erhielt zunächst eine Unterkunft in Düsseldorf. Von dort aus kam sie nach Roßleben und wurde hier ziemlich schnell heimisch. „Gleich nachdem ich in Roßleben angekommen bin, bin ich ins Mehrgenerationenhaus gegangen, um Menschen kennenzulernen“, erzählt sie. Dort wurden ihre helfenden Hände gern genommen und nebenbei lernte sie Deutsch. „Das war meine einzige Chance, die Sprache zu lernen, weil ich leider kein Anrecht auf einen Sprachkurs hatte“, sagt sie. Der tägliche Umgang und eine Handy-App halfen ihr dann aber dabei, Deutsch zu lernen, so dass sie sich mittlerweile fast problemlos verständigen kann. „Ich dachte, ich lerne diese schwere Sprache nie. Aber es ging doch irgendwo“, lächelt sie. Als sie nach Deutschland kamen, konnte ihre Tochter nur ein wenig Englisch. Nun sind alle eifrig dabei, deutsch zu sprechen.

„Ich bin allen Mitarbeitern im Mehrgenerationenhaus sehr dankbar dafür, wie herzlich ich hier aufgenommen wurde und wie viel Unterstützung ich von allen erhielt“, erzählt Hamlli. Elke Zänker sei ihr dabei behilflich gewesen, eine Schule zu finden, auf der sie eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin machen konnte. Diese fand sich schließlich in Erfurt, weshalb die Albanierin für sechs Monate täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Roßleben in die Landeshauptstadt und wieder zurück fuhr. „Am Nachmittag bin ich dann immer noch ins Mehrgenerationenhaus gegangen, um dort mithelfen zu können“, sagt sie. Die Ausbildung schloss sie mit sehr guten Noten ab und konnte im Anschluss ein einmonatiges Praktikum im Pflegeheim in Roßleben absolvieren, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Während dieser Zeit schrieb sie mit der Hilfe von Kerstin Herzau Bewerbungen an Pflegeheime in der Umgebung. „Dann erhielt ich das Angebot, im Pflegeheim im Kloster Donndorf zur Probe zu arbeiten.“ Sie fühlte sich dort schnell wohl und arbeitet nun seit eineinhalb Jahren in der Altenpflege. „Wenn ich frei habe, helfe ich aber immer noch sehr gerne im Mehrgenerationenhaus aus. Ich bin hier allen so dankbar und möchte etwas zurückgeben“, sagt sie. Am liebsten legt sie sich eine Schürze an und hilft in der Küche aus. Hier backt und verteilt sie Kuchen oder unterstützt Leiterin Susanne Kammlodt auch bei ihrem Kinderkochkurs „Kleine Kochlöffelbande“.

Etleva Hamlli lebt zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Roßleben. Ihre 17-jährige Tochter absolviert derzeit eine Ausbildung zur Kinderpflegerin an der IBKM-Schule in Heldrungen. Ihr Mann erlitt in Albanien einen schweren Arbeitsunfall und ist seither leider arbeitsunfähig. „Er musste sich in ­Albanien sechs Operationen unterziehen und in Deutschland noch einmal sieben weiteren. Es war schlimm, aber jetzt geht es ihm wieder etwas besser“, erzählt Etleva Hamlli. Deshalb ist es ihm jetzt möglich, auch ab und an im Mehrgenerationenhaus auszuhelfen, wenn er gebraucht wird. Etleva Hamlli ist froh darüber, dass sie jetzt über einen Aufenthaltsstatus in Deutschland verfügt, die Miete für die Wohnung in Roßleben zahlen und ihre Familie mit selbst verdientem Geld über Wasser halten kann. „In Albanien wäre dies nicht möglich. Dort ist es ganz schwer, eine Familie durchzubringen, wenn der Mann nicht mehr arbeiten kann“, sagt sie. Das sei auch der Hauptgrund für sie gewesen, nach Deutschland zu kommen. Alle drei hätten sich mittlerweile so gut eingelebt, dass sie sich freuen würden, in Deutschland und auch in Roßleben bleiben zu können. „Ich bedanke mich auch bei Bürgermeister Steffen Sauerbier, der ein gutes Wort für meine Familie und mich eingelegt hat und sich dafür einsetzt, dass wir bleiben dürfen“, sagt sie. In Albanien hätten sie in einer ähnlich großen Stadt wie Roßleben gewohnt, weshalb sie sich hier sofort wohl fühlten. Dass sie mittlerweile nach Deutschland gehören, habe ihr eine Situation Anfang dieses Jahres gezeigt. Sie war mit ihrer Tochter nach Albanien gereist, um dort neue Pässe zu beantragen. „Sie hat dort ständig gefragt, wann wir wieder nach Hause fahren können. Wir möchten in Deutschland ein ruhiges Leben mit guter medizinischer Versorgung führen, was in Albanien nicht möglich wäre.“

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