Eltern wollen Abriss von Sondershäuser Kindergarten verhindern

Sondershausen  In einem Brief fordern sie, mit der Sanierung zu beginnen, für die rund eine Million Euro eingeplant sind. Stadt favorisiert hingegen eine andere Lösung.

Das zwölf Meter lange Piratenschiff auf dem Spielgelände ist eine der Attraktionen des Kindergartens. Es wurde im August 2017 aufgebaut (im Bild). Eltern und Förderverein hatten sich dafür bei der Stiftung des Spielwarenherstellers Playmobil ins Zeug gelegt.

Das zwölf Meter lange Piratenschiff auf dem Spielgelände ist eine der Attraktionen des Kindergartens. Es wurde im August 2017 aufgebaut (im Bild). Eltern und Förderverein hatten sich dafür bei der Stiftung des Spielwarenherstellers Playmobil ins Zeug gelegt.

Foto: Henning Most / Archiv

Sondershausen. Sturm laufen Eltern gegen einen von der Stadtverwaltung erwogenen Abriss der Kindertagesstätte „Anne Frank“. In einem Brief an die Mitglieder des Sondershäuser Stadtrates fordern sie, die bereits für 2020 geplante Sanierung des Kindergartengebäudes in diesem Jahr zu beginnen. Fast 1,1 Millionen Euro waren im städtischen Haushalt für das Vorhaben bereits eingestellt worden. Die Eltern verlangen, dass die Mittel auch eingesetzt werden. Inzwischen aber spielt die Stadtverwaltung mit ganz anderen Gedanken, wie Bürgermeister Steffen Grimm (parteilos) auf Nachfrage einräumt.

„Wir lassen gerade prüfen, ob es nicht sinnvoller wäre, die Kindereinrichtung gar nicht zu sanieren und die Mittel stattdessen in den Ausbau des Bibliotheksgebäudes in der Straße vor dem Schlosspark zu einer Innenstadt-Kita zu investieren.“ Dorthin könnte nach der Sanierung der größte Teil der fast 100 Kinder, die jetzt im Anne-Frank-Kindergarten im Wohngebiet Borntal betreut werden, mit den Erzieherinnen gemeinsam umziehen. Das dann komplett verlassene Gebäude im Borntal solle abgerissen „und mittelfristig durch einen kleineren Neubau ersetzt werden“, schildert Grimm die von ihm bevorzugte Variante. „Es ist doch nicht effektiv, jetzt mehr als eine Million auszugeben um lediglich Elektroleitungen sowie Heizungs-, Wasser- und Abwassersysteme in einem danach immer noch alten Gebäude mit baulichen Mängeln auswechseln zu lassen“, erklärt er.

Für mehr reiche das eingeplante Geld nicht. Auf rund 2,2 Millionen Euro würden die Kosten für eine Komplettsanierung der Kita „Anne Frank“ veranschlagt, rechnet der Bürgermeister vor. Mit Investitionen von rund zwei Millionen Euro sei zwar auch beim Umbau der Bibliothek zu rechnen. Allerdings stünden der Stadt für dieses Projekt sofort rund 210.000 Euro Fördermittel aus dem Investitionsprogramm des Bundes für den Ausbau der Kinderbetreuung in den Kommunen zur Verfügung. Zudem hofft Grimm, dort in Zukunft zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die Stadt könne jungen Familien wieder Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder im Innenstadtbereich anbieten. Außerdem sollen die Eltern dafür sorgen, die angrenzenden Zentrumsbereiche mit Planplatz und Boulevard wieder stärker zu beleben. „Das sind bislang aber alles nur Überlegungen, beschlossen ist noch nichts“, erklärt der Stadtchef.

Einen Haken hat der Plan bereits im Ansatz. Die geplante Innenstadt-Kita wird laut Auskunft vom Bürgermeister höchstens 75 Kindergartenplätze bieten. In der Einrichtung „Anne Frank“ werden jetzt schon knapp 100 Kinder betreut. Mindestens für 25 Kinder müssten also nach dem vorgesehenen Umzug in die Innenstadt Betreuungsmöglichkeiten in anderen Kindergärten gesucht werden.

Allein dieser Umstand bringt viele der betroffenen Eltern auf die Barrikaden. Sie wollen nicht hinnehmen, dass die Kindergartengemeinschaft einfach auseinandergerissen werden soll. In ihrem Brief führen sie ins Feld, dass der Kindergarten „Anne Frank“ eine der Einrichtungen mit der höchsten Auslastungsquote in Sondershausen sei. Das sei laut der Eltern maßgeblich auf die Lage und den guten Ruf des Kindergartens zurückzuführen. Einen Rückschritt befürchten die Eltern deshalb vor allem bei den Freiluftangeboten für die Kinder im Vergleich zur großzügigen Anlage der Kita „Anne Frank“. Rund um das Bibliotheksgebäude gebe es deutlich weniger Freifläche. Außerdem würde den Kindern das erst vor drei Jahren aufgebaute fast zwölf Meter lange Piratenschiff auf dem Kindergartengelände verlorengehen. Um das große Holzspielgerät zu bekommen, hatten sich Elternvertreter und Förderverein des Kindergartens bei der Playmobil-Stiftung engagiert ins Zeug gelegt und den Zuschlag bekommen. Mit noch mehr Nachdruck fordern die Eltern jetzt die Stadträte auf, den Kindergarten zu erhalten.