Er ist für eine Diskussionskultur auf Augenhöhe

Artern  Jens Cotta (AfD) will die Lohnnebenkosten für Arbeitnehmer im Kyffhäuserkreis senken und junge Leute anwerben.

Jens Cotta aus Artern ist Vorsitzender der AfD im Kyffhäuserkreis und tritt für den Landtag an.

Jens Cotta aus Artern ist Vorsitzender der AfD im Kyffhäuserkreis und tritt für den Landtag an.

Foto: Patrick Weisheit

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Er ist ein politischer Neuling und hat in der Kommunalpolitik einen rasanten Aufstieg erlebt. Seit der Kommunalwahl im Mai dieses Jahres vertritt er die AfD im Kreistag in Sondershausen. Nun möchte Jens Cotta auch in den Landtag einziehen und kandiert dafür als Direktkandidat im Wahlkreis 11 (Kyffhäuserkreis II). Als rechtskonservativer, „alter CDU-Wähler“, wie er selbst sagt, habe er sich ab 2013 mit der AfD beschäftigt und deren Werdegang beobachtet. Nachdem seine Tochter ihr Abitur im Kyffhäuserkreis abgelegt und ein Studium im Ausland aufgenommen hat, entschloss er sich 2016, kommunalpolitisch für die AfD aktiv zu werden. Zuvor habe er aufgrund von Angriffen auf AfD-Mitglieder in den größeren Thüringer Städten „Muffensausen“ vor einem Parteiamt gehabt. „Ich wurde dann aber sofort Rechnungsprüfer im Kreisverband, was aufgrund meines Berufes als Revisor gut passte“, erzählt er. Weil ein Gründungsmitglied des Kreisverbandes aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste, kandidierte er für den Kreisvorsitz und übernahm die Führung. Er habe den Kreisverband wie eine Firma aufgebaut und somit die Mitgliederzahl verdoppelt. Dabei sei er nie als „Krawallmacher“ aufgetreten. Er suche stets den Dialog mit Politikern anderer Parteien und sei darauf bedacht, gemeinsam Sachpolitik zu betreiben. Die AfD müsse aus dem „Nöhlmodus“ herauskommen und nach Schnittmengen suchen, um mit anderen Parteien zusammenarbeiten zu können. „Ich bin ein Demokrat und beuge mich auch den Mehrheiten nach einer Wahl“, sagt der AfD-Kreisvorsitzende.

Auf den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke hält Cotta große Stücke. Dieser sei innerparteilich sehr kritikfähig und habe sich noch nicht abfällig über andere Parteimitglieder geäußert. Die Dresdner Rede, auf der Höcke das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Mahnmal der Schande“ bezeichnete, sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Er sei aber nicht wegen Höcke in die Partei eingetreten und sei es leid, sich für die Interpretationen von dessen Aussagen rechtfertigen zu müssen.

Obwohl er sich nie als Politiker gesehen habe, ließ er sich dann doch als Direktkandidat für den Wahlkreis aufstellen. Als Revisor werde seine Arbeit sechs Jahre aufbewahrt und dann vernichtet. „Ich hinterlasse nichts, wie etwa ein Arbeiter am Fließband. Deswegen möchte ich in der Kommunalpolitik etwas bewegen“, sagt er. Im Kyffhäuserkreis möchte der gebürtige Bad Frankenhäuser, der mittlerweile in Artern wohnt, mehr Lebensqualität schaffen. Dazu gehöre für ihn, die Lohnnebenkosten gering zu halten, um wiederum nicht Unternehmen mit einer zu großen Lohnsteigerung für die Arbeitnehmer zu verschrecken. Wichtig sei ihm auch, dass der Waldbau wieder vernünftig und im Sinne des Umweltschutzes angegangen werde. Auch der Umgang mit Steuergeldern störe ihn, wie auch der Umgang mit der AfD. „Ich möchte niemanden umerziehen, aber möchte auch von niemanden umerzogen werden. Wir brauchen wieder eine sachliche Diskussionskultur“, sagt er. Auch müsse es der Politik gelingen, wieder junge Leute in den „Erfurter Speckgürtel“, zu dem er auch den Kyffhäuserkreis zählt, zu locken und ihnen hier eine Perspektive zu geben.

Mit Blick auf Europa sagt er, dass die EU die deutsche Volkswirtschaft zerstöre. Deshalb hätte er es auch lieber, wenn öffentliche Ausschreibungen wieder auf die Region begrenzt würden und nicht EU-weit vorgenommen werden müssten. In seiner Freizeit spielt er am Computer gern Ego-Shooter, betreibt Karate und geht auf die Jagd. „Ich bin im Internet ziemlich langweilig. Rechte Gesinnungen findet man bei mir nicht“, sagt Cotta. Das sei ihm auch wichtig bei den Mitgliedern seines Kreisverbandes, die er alle persönlich vor einem Eintritt zum Gespräch bitte.

Sollte er in den Landtag einziehen, müsse er laut Kreis­verbandssatzung seinen Posten als Kreisvorsitzender aufgeben. Über eine Änderung dieser werde aber aktuell im Kreisvorstand diskutiert. Sein Wahlkreisbüro wolle er dann in Artern oder Bad Frankenhausen einrichten.

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