Fahrschulen im Kyffhäuserkreis halten sich mit Anschaffung von E-Autos zurück

Kyffhäuserkreis  Fahrlehrer sehen im Kyffhäuserkreis die Automatikschaltung bei E-Autos kritisch. Eintrag im Führerschein verhindert Fahrten mit Schaltgetriebe.

Die Zahl der Elektroautos steigt – jedoch nicht bei den Fahrschulen im Landkreis.

Die Zahl der Elektroautos steigt – jedoch nicht bei den Fahrschulen im Landkreis.

Foto: Bernkopf

Wer in einem Elektroauto Fahrschule machen möchte, der muss lange nach einer solchen Ausbildungsstätte suchen. „Im Kyffhäuserkreis fällt mir überhaupt keine Fahrschule ein, die sich ein E-Auto zugelegt hat“, sagt in Artern Fahrlehrer Uwe Zimmermann.

Dabei sollte die Nachfrage eigentlich vorhanden sein, wenn man die Demonstrationen der „Fridays for Future“-Anhänger beobachtet, bei denen Schüler in den Großstädten Woche für Woche für eine bessere Umweltpolitik demonstrieren, viele inzwischen in einem Alter, in dem sie Auto fahren lernen könnten.

Doch in der Praxis sieht das anders aus. Oder vielleicht betrifft es auch eher den ländlichen Raum, wenn sowohl Fahrlehrer Zimmermann als auch Maritta König von der gleichnamigen Fahrschule in Roßleben übereinstimmend berichten: „Bei uns hat noch nie jemand nach einer Fahrschule auf einem Elektroauto gefragt.“

Grund dafür ist aus Sicht Zimmermanns das Automatikgetriebe in den Elektroautos. „Dadurch hält sich natürlich die Begeisterung in Grenzen, wenn der Fahrschüler die Prüfung bestanden hat und die Eltern zu Hause ein Auto mit Schaltgetriebe fahren, das er nicht fahren darf.

Denn die Regel geht so: Wer das Autofahren auf einem Fahrzeug mit Automatikgetriebe gelernt und auch damit die Prüfung absolviert hat, der darf kein Fahrzeuge mit Handschaltung fahren. Darüber gibt es einen Vermerk im Führerschein. Wer diesen Eintrag loswerden will, der muss derzeit zusätzlich noch einmal eine Fahrprüfung in einem Auto mit Schaltgetriebe bestehen. „Das macht Fahrschule in einem Elektroauto für Fahrschüler natürlich unattraktiv“, so Zimmermann. Der Fahrlehrerverband dränge bereits seit Längerem auf eine Änderung dieser Regelung. Nach seiner Vorstellung solle es ausreichen, wenn die Fahrschule eine Einweisung ins Schalten gibt und das bescheinigt.

Aus diesem Grund kommt das Fahrschulauto mit Automatikgetriebe (und Dieselmotor) sowohl in der Fahrschule Zimmermann in Artern als auch in der Fahrschule König in Roßleben nur selten zum Einsatz. „Höchstens bei der Zusatzausbildung für Kfz-Anhänger. Da die Fahrschüler dann meist schon den Führerschein haben, brauchen sie sich mit dem Automatik-Fahrzeug nicht mehr so auf das Schalten konzentrieren“, erklärt in Roßleben Maritta Zimmermann.

Wolle man seinen Automatik-Diesel gegen ein E-Auto austauschen, sieht Fahrlehrer Uwe Zimmermann in Artern aber noch weitere Probleme: „Mit Hänger schafft es ein Elektroauto gerade mal auf 50 Stundenkilometer“, bemängelt er. Hinzu komme, dass etwa der als Fahrschulauto zugelassene E-Golf über keine Anhängekupplung verfüge, sondern mit Fahrradträgerkupplung ausgestattet sei. Die bislang fehlende Infrastruktur für Elektroautos sei ein weiteres Problem. In Roßleben habe sie gerade mal eine Ladesäule für Elektroautos entdeckt, berichtet Maritta König. „Wenn da zehn Autos laden wollten...“, gibt sie zu bedenken. In Artern kann Uwe Zimmermann immerhin von drei Ladeplätzen auf dem Königstuhl berichten, die bislang aber stets verwaist seien.

„Dazu brauche ich dann auch zuverlässige Autos, in dem ich eine bestimmte Wegstrecke fahren kann. Wenn in der Prüfung gerade der Akku am Absterben ist, das kann ich einem Prüfling auch nicht antun“, zählt Zimmermann weitere Minuspunkte der modernen Technik auf.

Der Sondershäuser Fahrlehrer Frank Strömel möchte sich der Entwicklung nicht entgegenstellen, hat aber erst kürzlich zwei neue Autos mit Verbrennungsmotoren und Handschaltgetriebe gekauft. „Wenn Deutschland den Automatikeintrag im Führerschein abschafft, dann werden E-Autos für Fahrschulen attraktiver“, so Strömel. „Die Industrie wird uns in einigen Jahren bestimmt zwingen, E-Autos zu kaufen.“ Strömels Pkw-Flotte wird alle zwei bis drei Jahre erneuert, der Fahrlehrer rechnet schon beim nächsten Modellwechsel mit dem ersten Elektroauto.

Einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Puls zufolge haben sich derzeit bundesweit gerade mal fünf Prozent der Fahrschulen mit einem Elektroauto ausgestattet. Für die Zukunft seien Elektro-Fahrschulautos aber auf jeden Fall ein Thema, sagt Maritta König.

Zu den Kommentaren