Forum in Sondershausen: Ideen für ehemalige Bergbauregion in drei Landkreisen gesucht

Sondershausen  Regionalmanagement Nordthüringen lud in Sondershausen zum vierten Zukunftsforum. Die Ergebnisse sollen noch vor der Wahl präsentiert werden.

Was sind die drängendsten Probleme, wofür sollten Fördergelder fließen, fragte Heike Neugebauer von der Thüringer Landgesellschaft, dem Moderationspartner des Regionalmanagements Nordthüringen.

Was sind die drängendsten Probleme, wofür sollten Fördergelder fließen, fragte Heike Neugebauer von der Thüringer Landgesellschaft, dem Moderationspartner des Regionalmanagements Nordthüringen.

Foto: Dirk Bernkopf

Es ist knapp 30 Jahre her, dass die Kali-Industrie in Nordthüringen zum Erliegen kam und sich auch im Kyffhäuserkreis ein tiefer Strukturwandel vollzog. Folgen wie Arbeits- und Perspektivlosigkeit oder Wegzug der Jugend sind bis heute spürbar. Was bedarf es, die Heimat der einstigen Bergleute wieder lebenswert zu machen? Diese und andere Fragen wurden am gestrigen Montag beim „Zukunftsforum“ in Sondershausen diskutiert. Eingeladen dazu hatten das Regionalmanagement Nordthüringen und die Thüringer Landgesellschaft als Planungsbüro.

Das Zukunftsforum ist ein Bestandteil der „Nordthüringer Erklärung zur Kaliregion“ und wird gemeinsam vom Kyffhäuserkreis, dem Landkreis Nordhausen sowie dem Unstrut-Hainich-Kreis organisiert. Nach Roßleben, Bleicherode und Menteroda war die Sondershäuser die letzte von vier Veranstaltungen. Vor einem Jahr hatten sich die drei Landräte der Kreise Nordhausen, Unstrut-Hainich und Kyffhäuser aufgemacht, gemeinsam mit regionalen Akteuren, Vereinen, Unternehmen, Institutionen und Bürgern richtungsweisende und vielseitige Projekte zu entwickeln, um die Region Nordthüringen weiter voranzubringen. „Wir sollten ein möglichst konkretes Konzept finden, um Förderungen einwerben zu können“, sagte Heike Neugebauer von der Landgesellschaft als Moderatorin der Veranstaltung. Sie fragte, wer in seinem Leben eng mit dem Kalibergbau verbunden sei – und fast alle der Teilnehmer standen auf. Auf die Frage, wer denn gern in der Region lebe und wohne, blieb dann kein Stuhl mehr besetzt.

„Ich kann heute Sondershausen als Wohn- und Lebensort nur empfehlen, obwohl ich nach meinem Studium auch nicht hierher zurückkehren wollte“, meinte etwa Christoph Hörold, Mitarbeiter des Landratsamtes. Was man unternehmen kann, damit sich die Bedingungen weiter verbessern, war dann Thema der folgenden Workshops. Heike Neugebauer hatte an einer Tafel die fünf Schwerpunkte Mobilität, Natur & Klima, Tourismus & Naherholung, Wohnen & Leben sowie Wirtschaft präsentiert. Die Teilnehmer waren aufgefordert, mit jeweils sechs roter Klebepunkte die ihrer Meinung nach drängenden Schwerpunkte zu markieren. Am Ende fanden sich drei Tische zusammen zu den Themen Tourismus, Leben und Wirtschaft – der Rest hatte einfach zu wenig Beachtung gefunden.

Vor allem über Wirtschaftsthemen wurde viel diskutiert. Marcus Strunck von der Wirtschaftsförderung der Stadt berichtete von einem Mangel an Gewerbegebieten in Sondershausen und bemängelte das ­Fehlen eines neuen Flächen­­nutzungsplanes. Bürgermeister Steffen Grimm machte das allein am fehlenden Personal fest und versprach, dass der Plan im nächsten Jahr kommen werde.

Heinz-Ulrich Thiele, Verwaltungsleiter im Landratsamt, mahnte an, bei Industrieansiedlungen immer in Regionen zu denken. „Unser Regionalmanagement entwickelt Flächen für Ansiedlungen, von denen auch die umliegenden Orte profitieren“, sagte Thiele und führte als Beispiel die fast fertige Planung der LEG-Großfläche bei Artern an. Allerdings gab er zu, dass es noch bis 2025 dauern könne, bis mit den ersten Ansiedlungen zu rechnen sei. Vor allem die Vertreter der Bergbaufirmen GSES und Kutec sprachen sich dafür aus, den Bergbau nicht komplett abzuschreiben. „Unsere Vision ist es, hier wieder Kali zu fördern“, meinte der Geschäftsführer der GSES, Johann-Christian Schmiereck, und schob dabei mit den Plänen vom grünen, energieautarken Bergwerk gleich eine weitere Vision nach.

Erst am vergangenen Wochenende hatten sich 239 Besucher bei einer Haldenwanderung über die Arbeit des Werkes informiert. Die Industriekultur der Region war auch ein Schwerpunkt am Tourismus-Tisch. Diese müsse erhalten und erlebbar gemacht werden.

Ergebnisse der vier Zukunftsforen sollen noch im Oktober – vor der Landtagswahl – präsentiert werden, forderte Heike Neugebauer. Diese werden dann mit den Bildern von Julia Kluge illustriert sein. Die junge Leipziger Illustratorin hielt gestern ihre Eindrücke in kleinen Zeichnungen fest.

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