Freibad in Roßleben feiert goldenes Jubiläum

Roßleben  Erste Badeanstalt in Roßleben war ausschließlich den Klosterschülern vorbehalten. Das heutige Freibad gibt es dank der Umstrukturierungen im Kaliwerk.

Ein Foto von Badenden im Wörlbad in Roßleben, das im Jahr 1896 eröffnet wurde. 

Foto: Sammlung Jochen Sauerbier

Vom 26. bis 28. Juli begeht das Freibad sein 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund wird dann auf dem Gelände von Freitag bis Sonntag gefeiert. Die Geschichte des Badens in Roßleben geht aber noch viel weiter zurück, wie ein Blick in alte Aufzeichnungen zeigt.

Demnach gehörte die älteste Badeanstalt an der Unstrut der Klosterschule. Diese war allerdings nur deren Zöglingen zugänglich. Im Jahr 1870 wird in einem Schriftstück von Umbauarbeiten gesprochen. Da die Unstrut jedes Jahr Opfer durch Ertrinken forderte, wurde der Ruf nach einer Badeanstalt laut, in der die Roßlebener das Schwimmen erlernen konnten.

Das erste Flussschwimmbad wurde an der östlichen Wörlspitze gebaut (Ersterwähnung 1896 in der „Roßlebener Zeitung“). In den 1920er-Jahren schuf sich der Sportverein in der Nähe der heutigen „Narrenschmiede” eine eigene Badeanstalt. Am 12. Juli 1933 wurde ein neues Gemeindebad am Schleusengraben eröffnet.

Das Wörlbad wurde geschlossen, weil sich dort gefährliche Strudel bildeten. Leider nahm die Wasserqualität der Unstrut im Laufe der Jahrzehnte dramatisch ab, weshalb die Gesundheitsgefährdung ein Baden nicht mehr zuließ.

Dank des Kaliwerkes wurden am Waldrand, nördlich von Roßleben, das heutige Freibad und die Waldgaststätte gebaut. Das Bad wurde im Juni 1969 eröffnet und durch sein vorgewärmtes Wasser sehr beliebt in der Region. Mit der Schließung des Kaliwerkes war es mit Warmwasser aber leider vorbei. Um den neuen Auflagen für Badewasserqualität gerecht zu werden, wurde 1995 eine Wasseraufbereitungsanlage installiert, die herrlich klares Badewasser liefert. Mit dieser Anlage erreicht das Badewasser fast Trinkwasserqualität. Trotz des hohen finanziellen Zuschussbedarfes haben sich die Stadtväter die Erhaltung des Bades auf ihre Fahnen geschrieben.

Mit der Geschichte des heutigen Freibades hat sich auch Siegfried Knabe beschäftigt. Er war Ingenieur im Kraftwerksbereich des Kaliwerkes. Seinen Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass Mitte der 1960er-Jahre nicht nur die Abbau- und ­Fördermethoden im Grubenbetrieb von Handbohrmaschinen, Schrapper- und Hunteförderung auf Großgerätetechnik und Ladetransportfahrzeuge umgestellt, sondern auch die Schachtförderung erweitert wurde. Der Verarbeitungsbetrieb über Tage wurde von Heißlösung auf Flotation umgestellt. Das erforderte eine komplexe Erneuerung der Prozesse in der Fabrik. Mit dem neuen Verfahren sank zwar der Wärmebedarf, aber der Elektroenergiebedarf schnellte in die Höhe. Deshalb wurde eine acht Megawatt starke Turbine im Kraftwerk installiert. Seitens des Brandschutzes wurde das Vorhalten einer Feuerlöschreserve festgeschrieben. Als Standort dafür kam eine Pflaumenplantage westlich des Kaliwerkes in Betracht, welche sich zur wilden Mülldeponie entwickelte. Nach Abschluss der Generalrekonstruktion des Werkes wurde beschlossen, dass sich das Kaliwerk am Bau eines Freibades beteiligen wird, wie Knabe berichtet. Damit schlug man zwei Fliegen mit einer Klappe: Man schuf eine Feuerlöschreserve fürs Kraftwerk und konnte die Örtlichkeit zum Erholungszentrum mit Freibad nutzen.

An ein künftiges Warmwasserbad habe da aber noch niemand gedacht. Erst die damalige Betriebsärztin habe auf die Folgeschäden, die der Einsatz von Ladetransportfahrzeugen für die Gesundheit der Großgerätefahrer mit sich bringen wird, verwiesen. Sie forderte deshalb, das Freibad mit Warmwasser zu speisen, das sich positiv auf den Bewegungsapparat der Kumpel auswirken könnte. Verantwortlich für den Bau und die spätere Bewirtschaftung des Freibades wurde das Kraftwerk.

Das Becken wurde vom Bau- und Montagekombinat (BMK) Eisleben übernommen. Die ­Zuführungsleitungen des Wasseraufbereitungssystems wurden von eigenen Kräften realisiert. Das Becken war voll in den Produktionsprozess des Kraftwerkes integriert. Am 6. Juli 1968, dem Tag des Bergmanns, wurde mit der Eröffnung der „Waldgaststätte“ ein wichtiger Bauabschnitt des neuen Naherholungszentrums Glück Auf seiner Bestimmung übergeben. Eigentlich sollte auch das Schwimmbad an diesem Tag eingeweiht werden. Leider wurde nach Umstrukturierungen im BMK Eisleben ein Großteil der Bauarbeiter für andere Investitionen abgezogen.

Am 25. Mai 1969 schließlich gaben Werkleiter Zörner und Bürgermeister Stockamp das Schwimmbad frei. Das Roßlebener Freibad entwickelte sich schnell zum Besuchermagnet, denn die Wassertemperatur von 24 Grad Celsius machte es möglich, die Saison schon Anfang Mai zu eröffnen und recht spät zu beenden. In den Frühlingsmonaten war das Baden besonders angenehm, da oftmals die Wassertemperatur höher war als die Lufttemperatur. Badegäste aus Apolda, Weimar, Sömmerda und anderen Orten nahmen das Roßlebener Bad gern an. Sogar ein Reitlager aus Halle kam jedes Jahr auf die Wiesen in Schwimmbadnähe. Das warme Wasser brachte aber auch einige Probleme mit sich, denn auch Algen fühlten sich in diesen Temperaturen sehr wohl. Mit erhöhtem Chlor- und Kupfersulfateinsatz wurden die Algen aber eingedämmt. Bei Überdosierung kam es schon einmal zu grünlich gefärbten blonden Haaren, wie Siegfried Knabe berichtet. Dank des Einsatzes des Bade- und Freizeitsportvereins wird das Roßlebener Freibad trotz Kaltwasserfüllung am Leben erhalten.

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