Für Schweinepest-Übung wird Keulaer Wald zum Seuchenherd

Kyffhäuserkreis.  Vier Landkreise kämpften drei Tage lang virtuell gegen die herannahende Krankheit.

Wildschweine können die Afrikanische Schweinepest auf Haustiere übertragen.

Wildschweine können die Afrikanische Schweinepest auf Haustiere übertragen.

Foto: Dirk Bernkopf

Eine Nachricht über vier tote Wildschweine mit Anzeichen von Afrikanischer Schweinepest im Keulaer Wald beschäftigt die Mitarbeiter vom Veterinäramt des Kyffhäuserkreises seit mehreren Tagen von Früh bis in die Abendstunden. Die Meldung über die verendeten Schwarzkittel stammt aus dem Landesamt für Verbraucherschutz in Bad Langensalza und war am Dienstagmorgen das Startzeichen zu einer landesweiten Übung. Damit soll der Ernstfall geprobt werden, wenn die für Schweine tödliche Krankheit Nordthüringen erreicht. In Deutschland sind erste Fälle noch auf Brandenburg beschränkt.

Eine besonders knifflige Herausforderung gestellt

Für die Probe sei eine besonders knifflige Herausforderung gestellt worden, wie Gunter Wolf, der Leiter des Veterinäramtes vom Kyffhäuserkreis. „Die Kadaverfunde waren laut der Übungsaufgabe auf ein Gebiet verteilt, das sich auf alle vier im Keulaer Wald aneinandergrenzenden Landkreise erstreckt.“ Demnach mussten Kyffhäuserkreis, Eichsfeldkreis sowie die Landkreise Nordhausen und Unstrut-Hainich gemeinsam handeln, um das Seuchengebiet möglichst schnell einzugrenzen. Von der Veterinärbehörde des Kyffhäuserkreises seien die Maßnahmen koordiniert worden, so Wolf.

Allein zehn Mitarbeiter aus Wolfs Verantwortungsbereich seien bei der Übung ständig im Einsatz gewesen, außerdem drei Mitarbeiter der Jagdaufsicht im Kyffhäuserkreis. Mit einbezogen waren nach Wolfs Schilderung auch Beschäftigte in den Veterinärämtern der Nachbarkreise, vom Landesamt für Verbraucherschutz und dem Landwirtschaftsamt. Abstimmungen habe es außerdem mit Tierärzten und Landwirten in der virtuell betroffenen Region gegeben. „Bis zu 50 Personen waren in die Übung involviert“, fasst Wolf zusammen.

Eine Sachverständigengruppe kommt zusammen

Zur Koordinierung der Übung sei im Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz in Bad Langensalza ein Landestierseuchenkrisenzentrum (LTKZ) eingerichtet worden, teilte Verena Meyer, Pressesprecherin der Landesbehörde, mit. Dort soll bei Ausbruch einer gefährlichen Krankheit wie der Schweinepest künftig immer eine Sachverständigengruppe aus der betroffenen Region zusammenkommen. Die Übung diente dazu, deren Zusammenarbeit mit dem Landesamt und den örtlichen Behörden bei den Beteiligten zu verinnerlichen. Für den Testfall wurde die Amtstierärztin des Unstrut-Hainich-Kreises als Vertreterin der Region in die Gruppe entsandt.

Bereich von 20 Kilometern Umkreis über Kreisgrenzen hinweg abgesteckt

Im virtuellen Seuchenherd Keulaer Wald hatten Wolf und seine Mitstreiter aus den betroffenen Landkreisen erst einmal dafür zu sorgen, dass eine Kernzone von drei Kilometern Radius um die Fundstellen der toten Wildschweine hermetisch abgeriegelt wurden und nur Trupps für die Suche nach weiteren Seuchenopfern dort Zutritt bekamen. Außerdem musste ein Bereich von 20 Kilometern Umkreis über Kreisgrenzen hinweg abgesteckt werden, in denen Bestände von Hausschweinen unter besondere Kontrolle genommen werden, um Ansteckung mit der Schweinepest zu vermeiden. 60 bis 70 Tierhalter wären laut Wolf in dem Übungsszenario betroffen gewesen.