Fürstin hinterm Sumpfbild und Giftblüten an Prinzessin Marie

Sondershausen.  Mit moderner Kunst übermalt tauchten barocke Fürstenporträts im Sondershäuser Schloss wieder auf. Pestizide in vielen Depot-Gemälden.

Mit Japanpapier sichert Restauratorin Carolin Richter Schäden an vielen der 600 Gemälde und 80 historische Bilderrahmen aus dem Depot im Sondershäuser Schloss.

Mit Japanpapier sichert Restauratorin Carolin Richter Schäden an vielen der 600 Gemälde und 80 historische Bilderrahmen aus dem Depot im Sondershäuser Schloss.

Foto: Timo Götz

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Ein Porträt der Fürstin Elisabeth Albertine hat der Sondershäuser Künstler Heinz Scharr 1952 unter seinem Bild von einer Sumpflandschaft mit Tieren versteckt. Um sein Landschaftspanorama zu malen, legt Scharr das Abbild der Schlossherrin, die im 17. Jahrhundert in Sondershausen lebte, sogar flach, bevor er es mit den eigenen Pinselstrichen ganz verschwinden ließ.

Ans Licht kam das übertünchte Barockkunstwerk, das längst als verschollen galt, erst jetzt wieder, weil Scharrs Gemälde für den Umzug aus dem Schloss in ein neues Depot vorbereitet wurde. Dabei waren Restauratorin Carolin Richter auf der Leinwandrückseite Markierungen aufgefallen, die darauf schließen ließen, dass der Maluntergrund vor mehr als 300 Jahren schon einmal verwendet worden war. Unter Röntgenstrahlen wurde dann die Fürstinnengestalt unter dem Scharrschen Farbauftrag sichtbar.

Auch das Abbild vom Fürsten Günter, der um 1700 in Sondershausen regierte, erblickten Museumsmitarbeiter jetzt in der Radiologie vom Sondershäuser KMG-Klinikum wieder, nachdem das Bild ein halbes Jahrhundert verschwunden war. Ebenfalls in den 1950er-Jahren war das Porträt vom damaligen Leiter des Schlossmuseums Heinz Wurche über das Fürstenporträt gemalt worden.

Bei Tageslicht sichtbar sind hingegen die glitzernden Kristalle, die wie winzige Blüten aus dem Holz einiger Bilderrahmen herauswachsen. Sie sind giftige Überreste der Pestizide, mit den früher Museumsstücke behandelt wurden, um sie vor Schädlingen zu schützen und damit eine ebenfalls über Jahrzehnte im Depot verborgene Gefahr. Etwa ein Drittel aller 600 Gemälde und 80 Bilderrahmen aus dem Depot im Sondershäuser Schloss sind mit giftigen Stoffen kontaminiert, haben

Untersuchungen durch Boaz Paz, einem Experten für die Fahndung nach Pestiziden in Museumsbeständen ergeben. Auch von einem Porträt der Prinzessin Marie muss Carolin Richter Giftblüten putzen.

Jedes einzelne der kontaminierten Stücke befreit die Restauratorin in Handarbeit von Pestizidrückständen. Dabei kann die Restauratorin jeweils nur kurze Zeit in einem speziellen Schutzanzug, in den die Atemluft durch einen Filter gepumpt wird, arbeiten. Trotzdem müssen auch die giftstoffbelasteten Stücke bis zum Frühjahr für den Umzug vorbereitet sein, bei dem der gesamte Bestand an Gemälden und Rahmen in andere Depoträume umgelagert werden soll. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, der auch das Sondershäuser Residenzschloss gehört, plane bautechnische Untersuchungen im Schlossturm, der direkt an den dringend sanierungsbedürftigen Nordflügel angrenzt, war von Christa Hirschler, der Leiterin des Schlossmuseums, zu erfahren. Dafür soll das Gemäldedepot leergeräumt werden.

Immerhin fanden sich dabei nicht nur die vermissten, allerdings nun übermalten Fürstenporträts. Darunter ist auch die zum Rahmen eines Porträt vom Preußenkönig Friedrich I. gehörende Krone. Sie war als separates Stück im Magazin abgelegt war. Es existiert ein Foto, auf

dem das Bild im gekrönten Rahmen zu sehen ist. Darauf erkannte die Restauratorin die Krone als das fehlende Detail am Gemälde, nachdem sie beide Teile aus dem Depot in Augenschein genommen hatte. Krone und Bild werden nun zusammen für den Transport eingepackt. Ebenso sorgsam wie die anderen Kulturgüter aus dem Museumsdepot.

„Wir können die Stücke nicht einfach in ein Auto packen und wegfahren. Viele Gemälde sind in einem Zustand, in dem sie Schaden nehmen würden, wenn sie ungeschützt transportiert würden.“ Deshalb sorgt Carolin Richter dafür dass jedes einzelne Stück seinem Zustand entsprechend geschützt verpackt wird. Vorhandene Schadstellen werde mit Japanpapier und leicht wieder entfernbaren Kleister überklebt. Damit wird verhindert, dass sich Risse erweitern oder Farbe, Goldauflagen und Stuckteile sich von Rahmen ablösen.

Samt aller Vorbereitungen soll der Umzug rund 150.000 Euro kosten, so Museumsleiterin Hirschler. Land Thüringen und Stadt Sondershausen zahlen jeweils die Hälfte. Einen Termin für den Transport ins neue Depot gibt es noch nicht.

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