Grundstein für Hängeseilbrücke in der Hohen Schrecke: Zeitkapsel im Brückenfundament

Hohe Schrecke  Das Bärental erlebt die Grundsteinlegung auf der Baustelle für die neue Attraktion der Hohen Schrecke. Die Hängeseilbrücke soll zum 1. Oktober begehbar sein.

Schweizer Fachleute haben die Hängeseilbrücke für die Hohe Schrecke entworfen. Am 30. August soll die nächste geführte Wanderung Interessierte zur Baustelle im Bärental bringen.

Schweizer Fachleute haben die Hängeseilbrücke für die Hohe Schrecke entworfen. Am 30. August soll die nächste geführte Wanderung Interessierte zur Baustelle im Bärental bringen.

Foto: Wilhelm Slodczyk

Noch wenige Wochen, dann wird sich über dem Bärental in der Hohen Schrecke die Hängeseilbrücke spannen – 176 Meter lang, einen Meter breit und 25 Meter über der tiefsten Stelle im Grund. Seit sechs Wochen laufen die Bauarbeiten für das Millionenprojekt. Inzwischen steht der Bau der Fundamente vor dem Abschluss. Und wie das bei einem Neubau so ist, wird Grundsteinlegung gefeiert und dabei eine Zeitkapsel versenkt – gefüllt mit reichlich bedrucktem Papier.

Träger des Brückenbauprojekts ist der Verein Hohe Schrecke. Dessen Vorsitzende Dagmar Dittmer (CDU) hatte der Edelstahlhülse gestern einiges beizulegen: Neben der obligatorischen Tageszeitung ein Baustellenschild, eine Namensliste der Vereinsmitglieder, einen Hohe-Schrecke-Veranstaltungskalender, das Einladungsschreiben zur Grundsteinlegung mit den Brückendaten, dazu Visitenkarten der Planer und beteiligten Firmen sowie natürlich ein Satz Euromünzen. Kurzerhand ergänzt um eine Liste mit Unterschriften all derer, die dem symbolischen Akt gestern beiwohnten. „Damit die Nachwelt Bescheid weiß, wenn in 500 Jahren mal einer die Kapsel öffnet“, schmunzelte die Vereinschefin bei der Begrüßung der Gäste an der Baustelle im Wald vor laufender Fernsehkamera, unter ihnen Landrätin Antje Hochwind-Schneider und Landratsamtsvertreter, Vertreter des Regionalmanagements der Hohen Schrecke, der Naturstiftung David, des Planungsbüros, Bürgermeister, Ortschaftsbürgermeister der Anrainerorte aus Roßleben-Wiehe, Oberheldrungen und Donndorf sowie aus dem benachbarten Sachsen-Anhalt Detlef Hartung von der Gemeinde Finne, deren Ortsteil Lossa ebenfalls an die Hohe Schrecke stößt. Und aus Heldrungen hatte sich Stadtratsmitglied Thomas Beyer nebst Frau per E-Bike auf den Weg zum Bärental gemacht.

Ein paar Meter weiter dröhnte derweil die Technik. Auf der Baustelle wird Schweizerdeutsch gesprochen. Schweizer Fachleute haben die Brückenkonstruktion entworfen, die in den nächsten Wochen an Ort und Stelle gebaut werden soll. Derzeit versorgt eine provisorische Seilbahn die Bauleute über dem Tal mit Material. Die Arbeiten gehen zügig voran. Ende des Monats sollen die Seile gespannt werden, danach geht es an die Montage von Lauffläche und Edelstahlgeländer. Der Steg soll aus langlebigem Holz bestehen, das wenig Wartung braucht.

Eine Million Euro kostet das Gesamtprojekt, inklusive Beschilderung der Wanderwege. Unterstützung kommt vom Thüringer Umweltministerium, dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, der Stiftung Naturschutz Thüringen sowie dem Kyffhäuserkreis. Der Zugang auf die Brücke erfolgt ebenerdig. Seine Idee, so hofft der Schrecke-Verein, macht den alten Wald bekannter. „Wir hoffen, dass wir mit dem neuen Brückenpfad viele Leute holen, die gern wandern“, so Dagmar Dittmer. Das sollten sie auch: Drei Kilometer durch den Wald sind von Braunsroda oder Reinsdorf bis zur Hängeseilbrücke zurückzulegen, die in einen Rundweg eingebaut wird. Es soll eine reine Fußgängerbrücke sein.

20.000 bis 40.000 Besucher, so schätzt Frank Neumann vom Planungsbüro IPU aus Erfurt, könnte der Pfad zusätzlich in die Schrecke locken. Zugleich soll eine Besucherlenkung erfolgen – hin zur Brücke und heraus aus den sensiblen Bereichen des Naturschutzgebietes. Eröffnung ist für Anfang Oktober geplant. Die will sich auch Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) nicht entgehen lassen.

Dass die Schneise um das Baufeld im Wald breiter geworden ist, sei nicht einem Ausufern der Brückenmaße geschuldet, sondern dem Borkenkäfer, erklärte Frank Neumann am Rande. Auch in der Schrecke leidet der Wald unter der Trockenheit. Und dort, wo mit der Brücke künftig ei-ne Perle des Thüringer Urwaldpfades zu erleben sein soll, lichtet sich der Wald – stärker und früher als erwartet. Die Fichte ist bereits vollständig abgestorben, nun folgen die Lärchen.

Ein geschwächter Baum sei während der Bauarbeiten sogar in die Baustelle gekippt, berichtet Planer Neumann. „Wenn das so weitergeht, hat man von der Brücke bald freie Sicht aus dem Wald“, stellte Donndorfs Ortschaftsbürgermeisterin Gudrun Holbe (CDU) fest.

Die Zeitkapsel durfte Schrecke-Wegewart Dieter Krüger im Stahlgeflecht eines Fundaments versenken, ehe aus der Luft eine andere Kapsel kam und das Fundament nebst Hülse vergoss.

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