Gute Nachricht für Bad Frankenhausen: Bürgerbus soll ab Frühjahr 2020 fahren

Bad Frankenhausen  Eine Fahrkarte soll für Erwachsene 1,50 Euro pro Fahrt kosten. Die Stadtverwaltung in Bad Frankenhausen sucht jetzt noch ehrenamtliche Fahrer.

Das Bild zeigt einen Haltepunkt für den Bürgerbus zwischen Stadtroda und Schlöben im Saale-Holzland-Kreis. So könnte es ab Frühjahr auch in Bad Frankenhausen aussehen.

Das Bild zeigt einen Haltepunkt für den Bürgerbus zwischen Stadtroda und Schlöben im Saale-Holzland-Kreis. So könnte es ab Frühjahr auch in Bad Frankenhausen aussehen.

Foto: Andreas Schott

Um die Mobilität im ländlichen Raum zu verbessern, gibt es verschiedene Konzepte. Immer beliebter wird dabei die Idee eines Bürgerbusses, der bald auch durch die Kurstadt und ihre Ortsteile fahren soll. Im Rahmen einer Bürgerversammlung wurde am Donnerstagabend die Machbarkeitsstudie dazu vorgestellt.

Bürgermeister Matthais Strejc (SPD) erinnerte zunächst daran, dass es die Idee eines Bürgerbusses bereits seit 2010 in der Kurstadt gebe und es lange dauerte, bis eine Machbarkeitsstudie finanziert werden konnte. Im vergangenen Jahr gab es schließlich Fördermittel vom Landkreis dafür, so dass die PTV Transport Consult GmbH aus Berlin diese durchführen konnte. Der Projektleiter Christian Reuter stellte diese vor und nannte andere Beispiele für erfolgreiche Bürgerbus-Projekte. Besonders viele gebe es bereits seit den 1980er-Jahren in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Aber auch in Thüringen gibt es seit 2017 einen Bürgerbus, der im Saale-Holzland-Kreis Schlöben mit Stadtroda verbindet. In Werther im Landkreis Nordhausen gibt es zudem das „Werthermobil“, das allerdings ein reiner Rufbus ist, also nur auf Bestellung fährt. In Bad Frankenhausen soll der Bürgerbus hingegen im festgelegten Linienbetrieb verkehren. Abgesichert werden soll das Angebot durch ehrenamtliche Fahrer, denen der Bürgermeister eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro pro Monat in Aussicht stellt. Nach derzeitigem Stand haben sich zehn Interessenten dafür gemeldet. „Um unser ausführlichstes Szenario anbieten zu können, bräuchten wir aber 15 bis 20 Fahrer“, sagte Reuter. Die Anforderungen an die Fahrer sind gering. Sie benötigen lediglich einen Führerschein der Klasse B und einen kleinen Personenbeförderungsschein. Die entsprechenden Unkosten würde die Stadt tragen.

Dabei soll der Bürgerbus nicht in Konkurrenz zum Linienverkehr des ÖPNV oder der lokalen Taxiunternehmer treten, sondern diese ergänzen. Dabei habe die Studie ergeben, dass in der Kernstadt weitere Haltestellen am Markt, am Anger und am Altstädter Markt sinnvoll wären. Auch sollten alle Ortsteile in den Linienverkehr des Bürgerbusses eingebunden werden. Zusätzliche Haltestellen empfiehlt die Studie in allen Ortsteilen außer Seehausen, wo die bestehende ÖPNV-Haltestelle für alle Einwohner zentral zu erreichen ist. Es sollen so etwa die Lücken im bestehenden Fahrplan abgedeckt werden. An Schultagen soll der Bürgerbus zwischen Ichstedt, Udersleben und der Kernstadt verkehren, zudem an Schulferientagen und Samstagen zwischen Seehausen und der Kernstadt sowie in den Abendstunden, an Wochenenden und bei Veranstaltungen im Stadtgebiet mit eventueller Anbindung an umliegende Bahnhöfe. Diese Anbindung an die Bahnhöfe soll es nach Protest der lokalen Taxianbieter aber erst einmal nicht geben, sagte der Bürgermeister.

Sechs mögliche Linien hat die Studie ergeben, wie viele und wie oft diese bedient werden können, hängt vor allem davon ab, wie viele Fahrer sich finden. Unternommen werden sollen die Fahrten höchstwahrscheinlich in einem Fiat Ducato mit acht Sitzplätzen und einer Möglichkeit zur Mitnahme von Rollstühlen oder Rollatoren. Das Auto mit Dieselmotor soll für zwei Jahre geleast werden. Ein Verbrennungsmotor, weil ein vergleichbares Auto mit Elektromotor noch nicht am Markt ist und die nächste Erdgastankstelle sich in Sondershausen befindet, erklärte Matthias Strejc auf Nachfrage eines Bürgers.

Vorläufig geht die Studie davon aus, dass eine Anschubfinanzierung von rund 20.000 Euro nötig wäre, die Betriebskosten für das Fahrzeug lägen bei etwa 30.000 Euro und die sonstigen Betriebskosten zwischen 12.000 und 22.000 Euro je nach Menge der Fahrten. Eine Fahrt in Bürgerbus soll 1,50 Euro für Erwachsene kosten und für Kinder frei sein. Wer im Besitz einer ÖPNV-Karte ist, kann ebenfalls frei mitfahren. Ausgenommen davon sind die Zeiten, in denen auch Schulbusse fahren. „Die Schüler sollen ja schließlich die Schulbusse des ÖPNV nutzen und nicht den Bürgern, denen das Angebot des Bürgerbusses gelten soll, den Platz wegnehmen“, sagte Christian Reuter. Konzessionsnehmer wäre die Verkehrsgesellschaft Südharz, die in der Startphase auch bei der Betriebsorganisation helfen möchte. Um den Eigenanteil der Stadt gering zu halten, werden Möglichkeiten einer Kofinanzierung – etwa durch den Landkreis – geprüft.

Interessierte Fahrer können sich bei Angelina Schönstedt telefonisch melden unter 034671 / 720 28.

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