Gute Nachricht für den Kyffhäuserkreis: Mehr Camper steuern Region an

Kyffhäuserkreis  Die Wohnmobiltouristen schätzen Bad Frankenhausen als Reiseziel. Sondershausen sucht immer noch nach einem attraktiveren Standort.

Mitglieder von „Wohnmobil.Solisten.Sterne“ sind mehrere Tagen auf dem Caravanstellplatz Fischers Wiesen in Bad Frankenhausen.

Mitglieder von „Wohnmobil.Solisten.Sterne“ sind mehrere Tagen auf dem Caravanstellplatz Fischers Wiesen in Bad Frankenhausen.

Foto: Ingolf Gläser

„Es ist ruhig hier, wir sind in der Natur, der Rasen, weil bewässert, ist grün. Uns gefällt es hier auf Fischers Wiesen in Bad Frankenhausen“, schildert Tina aus Berlin. Sie ist Mitglied des Internetportals „Wohnmobil.Solisten.Sterne“. „Wie es der Name schon sagt, wir reisen allein, sind Singles oder Witwer. Es sind etwa 600 Mitglieder, sie kommen aus ganz Deutschland. Touren werden organisiert, da können es auch mal bis zu 100 Fahrzeuge sein. Wir sprechen uns alle mit Vornamen an.“

Fünf Tage sind 22 Alleinreisende mit ihrem Wohnmobil auf dem Caravanstellplatz „Fischers Wiesen“. Die Gemeinschaft ist zwischen 55 und 83 Jahre alt, sie kommen aus ganz Deutschland, von der Küste bis zum Bodensee. Sie sind gemeinsam zur Barbarossahöhle geradelt, waren am schiefen Turm, in der Therme, einkaufen, Eis essen und in den Restaurants in der Umgebung. Ins Panorama-Museum wollen sie auch noch.

Verkehrstechnisch gut erreichbar in der Mitte Deutschlands, viel Natur und interessante Ausflugsziele – das sind auch für Jessica Piper vom Tourismusverband Südharz-Kyffhäuser die Gründe, warum Wohnmobil-Fahrer die Region ansteuern. Ein Thema, das der Verband wohl künftig auch verstärkt besetzen will. Noch arbeite man am Tourismuskonzept, so Piper. Aber die Agentur, die den Prozess betreut, hat schon Hinweise gegeben, dass der Kyffhäuserkreis unter Caravan-Touristen im Internet als attraktives Ziel genannt werde. Bislang richtet sich der Tourismusverband nicht speziell an die Wohnmobil-Touristen. Auf der Internetseite des Verbands finden diese beim Thema Übernachten dennoch Tipps für Stellplätze im Südharz, aber auch in Bad Frankenhausen und Sondershausen.

Bereits im Jahr 1997 hat Familie Schulze begonnen, Fischers Wiesen, so hießen früher mal die Eigentümer, als Caravanstellplatz zu entwickeln. „Es war ein Feuchtgebiet, wurde aufgefüllt, verdichtet, Rasen angesät. Seit einigen Jahren sind wir nicht mehr Pächter, sondern Eigentümer des Areals“, sagt Harald Schulze. Er hat nebenan eine Autowaschanlage mit kleiner Werkstatt und Imbiss. „Die Zahl der Caravantouristen, die zu uns kommen, nimmt zu. Hauptsaison ist von Mitte April bis Oktober. Die Leute bleiben im Schnitt zwei Nächte, sie kommen aus allen Teilen Deutschlands, auch aus Österreich und der Schweiz oder Schweden. Werbung mache ich in diversen Zeitschriften. Die Nacht kostet 5,50 Euro, zwei Euro der Strom. Die Stadt erhebt zwei Euro Kurtaxe“, sagt Harald Schulze. „Der Preis ist voll okay“, betont Tina. Wichtig sei ja auch immer, dass man den Wasservorrat auffüllen und das Abwasser entsorgen kann. „Der Platz ist schön groß. Viele von uns haben auch Hunde mit. Wir sind lieber im Grünen, als auf einer Betonfläche in der Stadt zu stehen, direkt an der Straße. Deshalb haben wir uns für diesen Platz entschieden und nicht für den an der Therme. Wir wollen nicht nur im Auto sitzen, sondern draußen sein.“

Auch auf dem Wohnmobilstellplatz an der Therme in Bad Frankenhausen ist Betrieb. 15 Plätze gibt es hier, die Erweiterung war vor einigen Jahren. „In diesem Jahr hatten wir bis Ende Juli fast 1000 Stellplatzvermietungen. Es ist ein Wachstum, wie bei den Besucherzahlen in der Therme und am Kyffhäuser-Denkmal“, freut sich Jens Lüdecke, Geschäftsführer der Kur- und Tourismus GmbH, die jeweils Betreiber ist. Die Wohnmobile kommen aus allen Teilen Deutschlands, sie bleiben ein oder zwei Nächte, seltener drei. „Das ist aber normal, die Leute haben ihre Tour, ziehen weiter. Manch einer bleibt länger, weil er noch nicht alles in der Region gesehen hat. Oder, das gibt es auch, er kommt mal wieder.“

Den Anteil an Ausländern bezeichnet Lüdecke als sehr gering. Die größte Gruppe seien die Holländer. Der Stellplatz an der Therme, in ihr müssen sich Nutzer des Stellplatzes anmelden, zahlen pro Nacht 10 Euro, dazu Kurtaxe und für den Strom gibt es einen Chip. Eine Art Startpaket. Braucht man mehr, kann man nachkaufen. Beispielsweise im Winter, wenn die Heizung läuft. „Am Morgen kam mal jemand aus einem Wohnmobil in die Therme. Er sagte, dass er nur ganz, ganz wenig Strom noch zukaufen müsste, die Brötchen sind zum Aufbacken im Herd und noch nicht fertig“, fällt Lüdecke gleich eine Anekdote ein.

In Bad Frankenhausen kann man sich also entscheiden, sein Wohnmobil auf die Wiese am Stadtrand oder im Zentrum abzustellen, mit der Therme vor der Nase. Die Nutzung ist auch hier das ganze Jahr über möglich. „2017 war für uns Rekordjahr, da gab es 1600 Stellplatzvermietungen. Den stärksten Monat hatten wir im Oktober 2018. Aus jetziger Sicht scheint es so zu werden, dass 2019 ein Rekordjahr wird. Eine Erweiterung des Caravanstellplatzes ist vorerst kein Thema.“

Zwei Wohnmobile und ein Wohnanhänger stehen am Freitag auch auf der ausgewiesenen Stellfläche in Sondershausen. Für fünf bis neun wäre hier Platz. Wer die Diskussionen um den Standort verfolgt hat, wundert sich, dass hier überhaupt jemand auf der gepflasterten Fläche an der Ausfallstraße in Richtung Norden steht. Ein paar Büsche ringsum und ansonsten Straßenlärm und Ausblick auf einen Supermarkt und eine Brachfläche. Zwei Stunden Strom kosten 1 Euro, 50 Liter Wasser ebenfalls. Einnahmen hat die Stadt bislang in keinem Jahr erzielt. Deshalb flammt die Debatte über einen neuen Standort auch regelmäßig auf. Neue, attraktivere Plätze waren im Gespräch. Bislang aber scheiterte es immer an der Infrastruktur. Über die Bebraer Teiche bis zu den Parkplätzen am einstigen Volkshaus im Wippertor wurde schon nachgedacht. Näher an der Innenstadt oder zumindest am See sollte die Stellfläche liegen. Dass Campingtourismus längst ein Wirtschaftsfaktor ist, hat man auch in Sondershausen erkannt. Bislang ist es aber nur bei der Erkenntnis geblieben.

Neuester Vorschlag ist die Kiesgrube. Platz für 43 Stellplätze, Blick auf Schloss und Wasser gebe es auch, besagt eine Studie. Aber auch für den Bau richtiger Sänitäreinrichtungen, Ver- und Entsorgungsstation sei Platz. Der Angelverein soll involviert werden, die Kiesgrube für die Öffentlichkeit weiter zugänglich mit Picknickplätzen, Naturlehrpfad und Spielmöglichkeiten sein. So sah es die von der Stadt in Auftrag gegebene Studie vor. Öffentliche und politische Debatten müssen noch geführt werden. Ob sich am Ende ein Investor findet, ist auch nicht klar.