In Keula wird ein Schlossbesitzer mit Konzept gesucht

Keula  Das Gesindehaus vom alten Schloss in Keula steht seit zweieinhalb Jahren zum Verkauf. Der Preis ist verhandelbar.

Das alte Gesindehaus gehörte einst zu einem Schloss-Burg-Ensemble in Keula. Heute weiden nur noch ein paar Pferde davor, ein Käufer ist nicht in Sicht.

Das alte Gesindehaus gehörte einst zu einem Schloss-Burg-Ensemble in Keula. Heute weiden nur noch ein paar Pferde davor, ein Käufer ist nicht in Sicht.

Foto: Dirk Bernkopf

In der Brauhausgasse steht ein imposantes Haus mit Fachwerk und mächtigen Natursteingrundmauern. Leider ist es dem Verfall preisgegeben. Auf einer Immobilien-Internetseite wird das Gebäude als „Schloss mitten in Deutschland“ für 100.000 Euro angeboten.

Wenn man im Dorf die Einwohner nach dem Gebäude fragt, so sprechen auch sie vom Schloss. Sie erinnern sich noch gut daran, wie sie einst als Kinder im später verfüllten Wassergraben spielten. Im Winter konnte man dort sogar Schlittschuh laufen.

Genau genommen handelt es sich um das ehemalige Gesindehaus eines einstigen Schlosses mit ovaler Kernburg, Wallgräben, Zugbrücke und Turm. Eine erste Erwähnung geht auf das Jahr 967 zurück, als Kaiser Otto II. dem Kloster Fulda die ehemalige Wasserburg schenkte. Die Burg war später Amtssitz der Hohnsteiner und kam schließlich in Schwarzburger Herrschaft. Im 17. Jahrhundert wurde sie noch ausgebaut, zu Ende des 18. Jahrhunderts wurden bereits Teile der Burg abgetragen. Die Geschichte des Schlosses endete nach dem Zweiten Weltkrieg, als im Zuge der Bodenreform die Herrschaftsbauten abgerissen wurden. Erhalten blieben nur Reste von Wallgraben und Keller, das Gesindehaus, Fragmente der Außenmauern sowie ein halber Torbogen.

Zu DDR-Zeiten wurden das Wirtschaftsgebäude und das Grundstück von der Gemeinde sowie der LPG genutzt.

Nach der Wende kaufte eine Apothekerin aus Frankfurt am Main das Haus nebst dem 6400 Quadratmeter großen Grundstück. Die neuen Besitzer hätten damals rund 90.000 Euro in die Instandsetzung gesteckt, weiß Immobilienberater Andreas Becker von der Wüstenrot-Immobilien GmbH. Es gab einige Büroräume und auch Wohnräume, die aber nur kurz vermietet waren. Doch leider ist der große Zug erfolgreicher Sanierungen an Keula vorbeigefahren. Erfolgsgeschichten, wie sie in Mühlhausen oder Erfurt geschrieben wurden, fanden hier nicht statt. Die Investoren wurden älter, und das Ehepaar trennte sich schließlich. Vor rund zweieinhalb Jahren beauftragte die Frankfurterin das Immobilienunternehmen mit dem Verkauf des Grundstücks.

Andreas Becker berichtet von den Anstrengungen, einen neuen Besitzer für das „bezaubernde, romantische Gelände mit seinen verwunschenen Gewölben und Kellern“ zu finden. „Wir haben Spezialmakler für Schlösser, Baufirmen und Wohnungsunternehmen in der gesamten Region angesprochen, uns mit dem Bürgermeister getroffen.“ Auch mit einem Pflegedienst und einem Pferdestall-Betreiber habe man verhandelt. Es bestand Interesse am Grundstück, doch keiner wollte das Gebäude sanieren. Die noch vorhandenen Grundmauern des Schlosses sind immerhin als Bodendenkmal geschützt.

„Bedauerlicherweise ist die Dame vor einem halben Jahr verstorben, aber wir fühlen uns verpflichtet, uns weiter um die Immobilie unserer langjährigen Kundin zu kümmern“, erklärt der Immobilienfachmann.

Die Hoffnung will der Makler nicht aufgeben, auch wenn man die Immobilie nicht mehr aktiv bewirbt und nur noch die Verbindung zu den Erben herstellen kann.

„Keula ist doch gar nicht so unattraktiv, es gibt eine vernünftige Anbindung an den überregionalen Verkehr, und man kann hier sehr schön wohnen“, findet Andreas Becker. „Wichtig ist, dass ein Interessent ein vernünftiges Konzept vorlegen kann. Der Preis ist natürlich verhandelbar, die 100.000 Euro sind völlig unrealistisch.“

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