Keine Reaktion auf Antrag: Sondershäuser Unternehmer wartet auf Corona-Soforthilfe

Kyffhäuserkreis.  Ein Sondershäuser Unternehmer kritisiert das langwierige Verfahren bei der Thüringer Aufbaubank und fühlt sich in die Verschuldung gedrängt.

Weil wegen der Corona-Einschränkungen kein Eis in Cafés verkauft werden kann, steckt ein Sondershäuser Hersteller für Eismischungen in der finanziellen Klemme.

Weil wegen der Corona-Einschränkungen kein Eis in Cafés verkauft werden kann, steckt ein Sondershäuser Hersteller für Eismischungen in der finanziellen Klemme.

Foto: Peter Riecke

Seit zwei Wochen wartet Thomas Kinne auf die Unterstützung vom Freistaat, die kleinen Thüringer Unternehmen über die Corona-Krise helfen soll. „Von Soforthilfe kann da keine Rede mehr sein“, schimpft der Sondershäuser. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Zuschuss am 24. März beantragt

Er betreibt eine Firma, die Eisdielen mit den Grundstoffen für die leckere Abkühlung beliefert. „Die Nachfrage ist gleich null, weil trotz des herrlichen Wetters kein Eisladen offen hat“, schildert er die Folgen der Pandemie-Regelungen für sein Unternehmen. Das hoffte er nun wenigstens mit einer schnellen Hilfe vom Land halbwegs über Wasser halten zu können.

Am 24. März habe er den rückzahlungsfreien Zuschuss von 9000 Euro auf dem Postweg bei der Thüringer Aufbaubank (TAB) beantragt. „Seitdem gibt es von dort keine Reaktion“, wächst bei Kinne der Ärger. Vor allem, weil er denselben Hilferuf ein paar Tage später für ein weiteres Unternehmen mit Standort in Sachsen an die dortige Aufbaubank komplett über das Internet gerichtet und nach kurzer Zeit Geld erhalten habe.

Fall ist bei Aufbaubank bekannt

Kinnes Fall ist bei der Thüringer Aufbaubank immerhin schon mal bekannt, wie deren Pressesprecherin Maret Montavon auf Nachfrage mitteilt, obwohl der Name des Sondershäusers gar nicht erwähnt worden war: „Wir haben diesen Unternehmer bereits persönlich und intensiv im Vorfeld beraten – wir bedauern es sehr, dass wir ihn mit unseren Rettungsmaßnahmen nicht erreichen können.“

Die Thüringer Aufbaubank habe sich nicht dazu hinreißen lassen, ohne jegliche Kontrolle Gelder des Bundes und des Landes auszuzahlen. „Wir setzen auf einen Mittelweg zwischen Geschwindigkeit und zumindest einer mit einfachen Algorithmen durchzuführenden Plausibilisierung, um mögliche – und leider bereits gehäuft festgestellte – Betrugsversuche vor der Auszahlung ausschließen zu können“, so Montavon. Unter diesen Umständen bestehe die Bank auf einer eigenhändigen Unterschrift des Antragsstellers, statt rein digitale Anträge zu bearbeiten, wie es in Sachsen geschehe. Im Nachhinein werde es im Nachbarland sicher Rückforderungen geben – mit unsicherer Erfolgsquote.

Freistaat besteht auf Rückzahlung bei Darlehen

Auf Rückzahlung besteht der Freistaat Thüringen von vornherein bei den Null-Prozent-Coronadarlehen, bei denen Unternehmen bis zu 50.000 Euro zinslosen Kredit erhalten können. Das akzeptiert Kinne und würde gern ein solches Darlehen in Anspruch nehmen.

Allerdings sieht er sich und sein Unternehmen durch eine der Bedingungen, an die ein solcher Kredit in Thüringen geknüpft ist, in die Verschuldung getrieben: „Ich muss mir erst von meiner Hausbank bescheinigen lassen, dass ich als Unternehmer nicht mehr kreditwürdig bin, was aber so nicht stimmt.“ Für die besonderen Härten durch die Pandemie könne er schließlich nichts.

Die Vorstufe einer Kreditanfrage bei der Hausbank beschreibt die TAB-Sprecherin als legitime Praxis. Das sei jetzt sogar zusätzlich gerechtfertigt, weil die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vielen Banken zugesichert habe, bei Notfalldarlehen an Unternehmen bis zu 100 Prozent des Ausfallrisikos zu übernehmen.

Erst wenn die Hausbank uns als Förderbank bestätigt, dass ihre Finanzierungsmöglichkeiten beim betreffenden Unternehmen ausgeschöpft sind, halten wir beziehungsweise der Freistaat Thüringen den Corona-Spezial für null Prozent bereit – und übernehmen das volle Risiko. Das heißt, für die mittelständische Thüringer Wirtschaft ist das der letzte Anker, den sie greifen können“, stellt sie klar.