Konzert in Göllingen: Der verlorene Klang des Mittelalters wurde für Stunden wiedergefunden

Göllingen  Ein besonderes Konzert im Kloster Göllingen wirkt bei den Besuchern noch lange nach – dank des Ensembles „Nimmersêlich“.

Die Musiker von „Nimmersêlich“ haben die gut einhundert Besucher im Kloster für eine gute Sommerstunde selig gemacht.

Die Musiker von „Nimmersêlich“ haben die gut einhundert Besucher im Kloster für eine gute Sommerstunde selig gemacht.

Foto: Günther F. Chmielus

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Passend zum Thema einer musikalischen Spurensuche zeigten sich das romanische Klosterdenkmal in Göllingen und der Himmel voller Blau, Weiß bis Grau in allen Schattierungen. Wer zum Konzert mittelalterlicher Musik ins Kloster kam, der konnte erahnen, was ihn erwartet, doch Wissen und Erleben gelang erst beim Eintritt in die Atmosphäre der in neuem Licht erstrahlenden romanisch-maurischen Krypta.

Traditionell und unter Musikbegeisterten schon bekannt – stellt der Förderverein in jedem Sommer ein besonderes Ereignis der mittelalterlichen Musik in den Mittelpunkt der Konzertreihe. Dies vor allem auch dank der Unterstützung durch die Sparkassen-Kunststiftung.

Diesmal spielte das Ensemble „Nimmersêlich“ mit Musikern und Sängerinnen aus dem Leipziger Umfeld, die sich auf diese Thematik spezialisiert haben, mittelalterliche Musiken auf originalen handgearbeiteten Musikinstrumenten dieser Zeit zu interpretieren. Und gerade auch hier begaben sich Musiker und somit auch die Zuhörer auf das Parkett gewisser Spekulation. Robert Schuchard vom Ensemble machte es deutlich. Es gibt kaum aufgezeichnete Musiken aus dieser Zeit. Selbst noch der Minnesang war mit der Weitergabe über Hören und Nachspielen nur zeitlich gesichert. Anhaltspunkte fand man da eher in französischen Quellen mittelalterlicher Handschriften. Das betrifft ebenso die Instrumente der Musik. Martin Uhlig, Mitspieler im Ensemble und Erbauer einer ganzen Reihe dieser historischen Musikinstrumente, die in einer Vielzahl zum Erklingen kamen und nach dem Konzert vorgestellt wurden, da viele interessierte Zuhörer mehr davon erfahren wollten, erläuterte dabei die Schwierigkeit und fast detektivartige Erforschung von Spuren solcher Instrumente in alten Zeichnungen und initialen alter Handschriften.

Mit den Musikerinnen Katharina Hölzel, Viola Baither und Kathrin Kläber, die verschiedentlich mit Spiel und Gesang einstimmten, waren auch die beiden Herren in einem vielfältigen Wechselspiel der Musiken und Klänge eingebunden in eine Zeitreise der verlorenen Klänge. So waren sowohl geistliche als auch weltliche Lieder davon geprägt, hier sichere, vermutete und eigenkompositorische Klangfolgen zu erfassen und die Zuhörer in eine vergangene Zeit zu entführen. Dies gelang in einzigartiger Weise. Die Vielzahl verschiedenster Klangwirkungen der Instrumente, ebenso die Darbietung in den Stimmlagen und Tempi der Musiken verzauberte, wobei selbst der aufkommende heftige Sturm, der um die alten Gemäuer fegte, in die Melodien einstimmte. In der fast überfüllten Krypta ging die Zeitreise der Musik von der Gregorianik über das Marienlob aus alten Psaltern aus Spanien, von der alten Schule der Notre Dame de Paris, Vertretern des deutschen und französischen Minnegesangs bis hin zu englischen Tänzen und Weisen.

Wie schnell verging doch diese Reise. Nach dem Dank an die Musiker und Besucher war längst eine Zugabe fällig. Ein Lutherchoral bildete so den Abschluss dieses glanzvollen Konzertes. Im Nachklang trat man hinaus aus den mittelalterlichen Gemäuern der Krypta in einen sommerhellen Nachmittag, der mit der am Kloster hier obligatorischen Zeit des gemeinsamen Konzertimbiss ein langes Ende fand. Begeisternd blieb zu sagen, dass der verlorene Klang des Mittelalters durch das Ensemble Nimmersêlich im Kloster Göllingen für Stunden wiedergefunden wurde.

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