„Kopf aus und einfach loslaufen“

Ellrich  Interview der Woche Mario Pelzel aus Ellrich absolvierte in 19 Tagen den Deutschlandlauf

Der 52-Jährige Mario Pelzel ist unverwüstlich. 1300 Kilometer in 19 Tagen hat er hinter sich. Eine Leistung, die man als Unbeteiligter kaum einschätzen kann und die man nicht hoch genug würdigen kann. Im Vorfeld sammelte der für den VfL 28 Ellrich startende Extremsportler Geld für den Förderverein „Schattenkinder Südharz“. Das gesammelte Geld übergab er vergangene Woche an den Förderverein. Wir sprachen mit dem Ausnahme-Athlet.

Als allererstes: Wie viel Geld ist denn zusammen gekommen?

Es sind unglaubliche 3250 Euro geworden. Ich freue mich sehr darüber und das ich helfen kann. Mit solcher einer Summe hatte auch ich nicht gerechnet. Zwei Firmen, Smurfit Kappa und die Kreissparkasse haben mir 50 Cent pro Kilometer gegeben. Da ist schon ordentlich was zusammen gekommen. Und die Firma Gebler Optik hat sehr geholfen.­

Was wird mit ihrer Spende finanziert?

Durch meine Spende kann nun endlich die langersehnte Kletterwand gebaut werden. Die wird am Ende über 30.000 Euro kosten. Außerdem gehen viele Gelder in Therapiemethoden.

Kommen wir zu Ihrem Lauf. Was motiviert einem, so etwas zu machen?

Das ist schwer zu sagen. Ich habe schon immer ein Faible für die langen Läufe. Da muss man nicht so hetzen. Ultraläufe werde ich auch weiterhin absolvieren. Das macht mir einfach Spaß. Aber dieser Lauf hier ist schon noch was anderes. Das macht man nicht oft in seinem Leben.

Dafür bedarf es eine gewisse Vorbereitung. Wie haben Sie das mit dem normalen Alltag gemeistert und wann haben Sie angefangen zu trainieren?

Das stimmt, da darf man nichts dem Zufall überlassen. Ich habe im Dezember 2018 angefangen zu trainieren. Da muss man schon hart und ehrgeizig bleiben. Und privat muss das auch abgestimmt sein. Arbeiten, trainieren, schlafen – das war mein Ablauf über viele Monate. Das muss man schon wollen.

Erklären Sie uns mal, wie so ein Tag während des Laufes aussieht.

Das ist recht einfach zu erklären. Da ist alles perfekt durchgetaktet. Ich bin früh um 4 Uhr aufgestanden und zwei Stunden später ging es los. Wir hatten pro Tag elf Minuten/Kilometer Zeit. Ist man über der Zeit, fliegt man raus. Und abends gingen 21.15 Uhr die Lichter aus und es wurde geschlafen. Das hat man auch gebraucht. Man funktioniert die 19 Tage einfach nur so. Aufstehen, Kopf ausschalten, loslaufen, ankommen, essen, schlafen. So sah es die gesamte Zeit aus.

Welchen Platz haben Sie belegt und wie viele Teilnehmer gab es denn?

Ich bin insgesamt Fünfter geworden. 171 Stunden und 24 Minuten habe ich für den 19-Tage-Trip gebraucht. Wir waren 42 Teilnehmer, darunter waren auch fünf Frauen. Aus England, Schweiz, Österreich und Frankreich waren die Teilnehmer gekommen. Ins Ziel kamen schlussendlich 22 Athleten, darunter zwei Frauen und ein Tretrollerfahrer.

Tretrollerfahrer?

Ja, das war eine Sonderwertung. Die gab es 2017 auch schon. Ein Athlet (Peter Bartel) kann gesundheitlich solche Strecken nicht mehr laufen. Und da er aber unbedingt dabei sein wollte, ist er eben mit dem Tretroller gefahren.

Auf so einer langen Strecke waren Sie sicher oft ganz allein. Verläuft man sich da nicht auch einmal?

Nein, das ist mir nicht passiert. Zum einen waren die Strecken gut markiert und zum anderen hatten wir alle GPS-Koordinaten zur Orientierung. Das hat gut funktioniert.

Wo haben Sie denn übernachtet?

Meist haben wir in Turnhallen geschlafen. Ganz einfach und mit wenig Komfort. Die letzten drei Tage waren wir in Hotels. Aber das wäre gar nicht nötig gewesen.

Die Schlussetappe sollte eigentlich auf der Zugspitze enden, vor allem am Gipfelkreuz. Das war nun nicht der Fall. Warum nicht?

Ja, leider ging das nicht. Die Zugspitze war uns in diesem Jahr wegen Wetterumschwung nicht erlaubt. Das war sehr schade. Die Strecke ging vom Olympiastadion Garmisch zur Reintalangerhütte und zurück.

Normal ist dieser Lauf schon nicht und dann ist Ihr Schuhwerk noch unnormaler ...

Ja, das kann man so sagen. Ich habe die komplette Strecke in sogenannten „Five-Finger-Schuhen“ absolviert. Ich hatte noch andere „normale“ Schuhe mit, aber die brauchte ich nicht.

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