Landgemeinde Greußen startet mit gebremster Rechenkraft

Neue Verwaltung belegt großen Teil des ehemaligen VG-Gebäudes. Greußens Rathaus ist vorläufig verwaist.

Das Verwaltungsgebäude an der Bahnhofstraße teilen sich die Landgemeinde Stadt Greußen und die verbliebene Verwaltungsgemeinschaft Greußen.

Das Verwaltungsgebäude an der Bahnhofstraße teilen sich die Landgemeinde Stadt Greußen und die verbliebene Verwaltungsgemeinschaft Greußen.

Foto: Timo Götz / TA

Greußen. Der Chef hat selbst noch keinen eigenen Schreibtisch. Ein paar Rechner fehlen auch noch auf einigen Schreibtischen der Verwaltung für die neue Landgemeinde Stadt Greußen. Das hindert René Hartnauer (SPD), Beauftragter des Freistaats Thüringen für die neue Kommune nicht daran einzuschätzen: „Es läuft. Die meisten Anliegen der Bürger können bereits bearbeitet werden.“ Natürlich sei der Publikumsverkehr wegen Corona eingeschränkt. Bis alles wirklich rund und normal laufe, würde aber auch ohne dieses Handicap noch einige Zeit vergehen.

Hartnauer, der bis zum Jahreswechsel noch Bürgermeister von Greußen war, leitet die seit Jahresbeginn existierende neue Landgemeinde, bis deren erster Bürgermeister regulär gewählt ist. Seit mehr als einer Woche arbeitet er mit elf Mitarbeitern daran, die Verwaltung der Einheitsgemeinde zum Laufen zu bringen. „Das große Tischrücken ist schon geschafft, in meinem Büro aber stapeln sich noch eine Menge Kartons.“


Die Landgemeinde belegt mit ihrem Personal ab sofort den größeren Teil des Gebäudes in der Bahnhofstraße, in dem bisher die Mitarbeiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Greußen fast alle Räume genutzt hatten. Die Verwaltung der Rest-VG ist jetzt im kleineren Westflügel des früheren Landambulatoriums untergebracht. Das spiegelt auch die neuen Größenverhältnisse wider: Mit den Städten Greußen und Großenehrich verlor die ehemalige VG Greußen zwei Drittel ihrer Bevölkerungszahl und hat jetzt nur noch rund 3000 Einwohner. Greußen und Großenehrich schlossen sich gemeinsam mit Wolferschwenda zu Landgemeinde mit mehr als 6000 Einwohnern zusammen.“

„Die Landgemeinde hat mehr Personal, klar, dass wir deswegen auch mehr Büroraum benötigen“, stellt Hartnauer klar. Allerdings teilen sich Einheitsgemeinde und VG die Einwohnermeldebehörde und das Standesamt. Die Mitarbeiter dieser Abteilungen arbeiten mit in dem Gebäudeteil, das der neuen Kommune zugeordnet ist. „Landgemeinde und VG belegen ansonsten räumlich strikt getrennte Bereiche", so Hartnauer. Schließlich gehe es dabei ja auch um die Aufteilung von Mietzahlungen zwischen den unterschiedlichen Körperschaften.

Auch wenn sie in manchen Bereichen personell zusammenarbeiten, haben VG und Landgemeinde auch ihre Datenverarbeitung bereits strikt getrennt. „Es gibt jetzt für jede Verwaltung ein eigenes Serversystem. An dessen Einrichtung haben Experten die gesamte erste Woche im neuen Jahr gearbeitet“, berichtet Hartnauer. Auch für diese Umstellung ist schon ein Teil der 1,3 Millionen Euro geflossen, die der neuen Landgemeinde als Startkapital zur Verfügung gestellt wurde. Weniger Aufwand muss die kleinere VG betreiben, bekommt aber vom Land als Ausgleich für die Verluste durch den Austritt der beiden Städte rund 2,2 Millionen vom Freistaat.

Als vorläufiger Chef der Landgemeinde ist Hartnauer vorerst auch aus dem Bürgermeisterbüro im Greußener Rathaus ausgezogen. „Wo das regulär gewählte Oberhaupt der neuen Kommune künftig seinen Dienstsitz hin verlegt, will ich nicht vorwegnehmen“, erklärt er. Als Beauftragter führe er die Geschäfte auf jeden Fall erst einmal vom Verwaltungsgebäude in der Bahnhofstraße aus. Es gebe aber schon Überlegungen, die Diensträume im Rathaus zu einer Bürgerservice-Stelle als Anlaufpunkt mitten in der Stadt umzubauen. Auf Dauer verwaisen solle das historische Rathaus auf keinen Fall.