Loh-Orchester begeistert mit klassischer Serenadenkunst

Sondershausen.  Die Bläserensembles des Loh-Orchesters boten im Blauen Saal des Sondershäuser Schlosses einen überzeugenden Auftritt - mit Musikstücken von Mozart, Beethoven und Haydn.

Blumen für die Bläser des Loh-Orchesters am Sonntag im Blauen Saal des Sondershäuser Schlosses.

Blumen für die Bläser des Loh-Orchesters am Sonntag im Blauen Saal des Sondershäuser Schlosses.

Foto: Dirk Bernkopf

Ein nicht alltägliches Programm hielt das Schlosskonzert letzten Sonntag im Blauen Saal bereit. Bläserinnen und Bläser des Loh-Orchesters hatten sich zu verschiedenen Kammermusikensembles zusammen gefunden. Es war auch ein schöner Beitrag für das 400-jährige Orchesterjubiläum, ging doch die Sondershäuser Hofkapelle teilweise aus einer derartigen Bläsergruppe, dem fürstlichen Hautboistenkorps hervor.

Für die Einstudierung des Programms zeichnete Generalmusikdirektor Michael Helmrath verantwortlich. Mehrere der Künstler moderierten abwechselnd selbst. Ein Divertimento B-Dur, ursprünglich Joseph Haydn zugeschrieben, eventuell von Ignaz Pleyel, Zeitgenossen Mozarts und Beethovens, stammend, bildete den Auftakt. Der mit großer Homogenität gestaltete Allegrosatz versetzte die Zuhörer in rechte Stimmung. Das Andante dürfte vielen bekannt gewesen sein, verwendete es doch Johannes Brahms als Grundlage für seine Haydn-Variationen. Im Trio des Menuettsatzes traten die Hörner hervor, klangschön und absolut sicher von Richard Teufel und Ionel Natu gespielt. Den Abschluss bildete ein gut gelauntes Rondo.

Voll angenehmer Klangfülle spielten nun die drei Fagottisten Susanne Jacoby, Dorothea Bastian und Tilmann Graner zwei Sätze aus einem Trio von Francois-Henri-Joseph Castil-Blaze, französischer Komponist des 19. Jahrhunderts. Sanft schwingend präsentierte sich die Sicilienne, von einer festlichen Polonaise gefolgt. Bei Ausschnitten aus der Harmoniemusik zu Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Don Giovanni“ fand sich ein Oktett zusammen. Derartige Bläserbearbeitungen klassischer Werke, hier angefertigt von dem Wiener Komponisten Josef Triebensee, spielten im Musikleben um 1800 eine wichtige Rolle.

Auch das Sondershäuser Publikum dürfte damals zu den Loh-Musiken auf diese Weise die Kompositionen Mozarts kennen gelernt haben. Im reichen Wechsel der Instrumente präsentierte sich die „Registerarie“, mit schönem Zwiegespräch von Fagott und Oboe erklang das Duett „Reich mir die Hand, mein Leben“. Ein brillantes Arrangement des Champagnerliedes schloss die reizvolle Folge ab.

Das berühmte Duett war auch Ausgangspunkt des nachfolgenden Werkes. In der seltenen Besetzung für zwei Oboen und Englischhorn erklangen Variationen, komponiert vom jungen Ludwig van Beethoven. Die drei Partien interpretierten künstlerisch vollendet Hanna-Elisabeth Gabriel, Daniel Joram und Marius Schifferdecker. Das Thema blieb stets gegenwärtig, bald virtuos umspielt, bald zu stark kantablem Ausdruck gesteigert. Nach Wiederkehr der Grundform in der letzten Variation folgte eine lebendige Coda.

Die Sonate für zwei Klarinetten von Francis Poulanc, wirkungsvoll gespielt durch Masanori Kobayashi und Hiroki Ito führte ins frühe 20. Jahrhundert. Rhythmische Präzision und französischer Esprit beherrschten beide schnellen Ecksätze. Das Andante kontrastierte stark in seiner Schlichtheit. Hier klangen sanft melancholische Töne an.

Viel Applaus aus den vollständig besetzten Reihen

Dass Bläserkammermusik auch zur vollen Tiefe des Ausdrucks fähig ist, bewies die abschließende Serenade c-Moll KV 388 von Wolfgang Amadeus Mozart. Nachdrücklichen Ernst verbreitete der Beginn des Allegro. Die acht Musiker erzielten wahrhaft orchestrale Wirkungen. In den Oboen erklang ein heiterer Seitengedanke. Manche überraschenden Akzente ließen schon an Beethoven denken. Nach einem zu Herzen gehenden Andante überraschte das Menuett durch außerordentlich kunstvolle polyphone Gestaltung. Gewisse Entspannung brachte der Trioteil. Großer Reichtum an Klangfarben bestimmte die Variationen des Finales, wobei alle Beteiligten auch virtuos konzertierend hervor traten. Fast etwas unvermittelt fuhr dann der heitere Schlussteil hinein.

Viel Beifall aus den vollständig besetzten Reihen dankte den Musikern. Als Zugabe erklang mit der berühmten Kanzonetta noch ein Ausschnitt aus „Don Giovanni“.

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