Sondershäuser Bergwerk: Als ein Lüfter-Defekt für einen Ausfall sorgte

Sondershausen.  Obwohl der Ausfall des Grubenlüfters fast das Aus fürs Sondershäuser Bergwerk brachte, gab es bei der Barbarafeier einen positiven Rückblick.

Viele Kollegen standen Schlange um dem frisch ausgezeichneten Obersteiger  Hans-Georg Jahn von der Grubenwehr mit dem traditionellen Schlag aufs Ehrenarschleder zu gratulieren. 

Viele Kollegen standen Schlange um dem frisch ausgezeichneten Obersteiger  Hans-Georg Jahn von der Grubenwehr mit dem traditionellen Schlag aufs Ehrenarschleder zu gratulieren. 

Foto: Timo Götz

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Der Chef fürchtete schon das Ende für den Salzbergbau in Sondershausen, als Mitte des Jahres der Hauptgruben-Lüfter im Bergwerk ausfiel. Das räumte Johann-Christian Schmiereck, der Geschäftsführer vom Bergwerksbetreiber Glückauf Sondershausen Sicherungs- und Entwicklungsgesellschaft Sondershausen (GSES) in seinem Rückblick bei der Barbarafeier im Festsaal vom Erlebnisbergwerk am Freitagabend ein.

„Die Prognose des Lüfterherstellers nach dem Zwischenfall war niederschmetternd: 20 Wochen sollte die Reparatur dauern. Eine so lange Förderpause hätte das Unternehmen kaum verkraftet.“ Dabei sei das Siemens-Aggregat erst vor vier Jahren neu eingebaut worden. „Der alte Hauptlüfter aus DDR-Zeiten war zuvor 35 Jahre lang gelaufen“, fügt Schmiereck hinzu.

Die Katastrophe für Bergbau in Sondershausen blieb nur aus, weil Techniker der GSES selbst Lösungen fanden, den Salzabbau nur kurz zu unterbrechen. „Nach nur sechs Wochen lief dann alles wieder ohne Einschränkungen“, lobte der Chef seine Mitarbeiter bei der Feier. Funktioniert habe das aber auch nur, weil sich das Unternehmen auf starke Partner in der Region stützen konnte, wie Grubenleiter Thomas Kießling ergänzte. „Nur fünf Tage nach unserem Hilferuf lieferte uns Schachtbau Nordhausen die benötigten Lüfterteile.“

Dass es zwischendurch auch noch mal im Elektroraum der Steinsalzgrube brannte, blieb dann schon nur eine Anekdote im Rückblick von Geschäftsführer Schmiereck auf das Jahr 2019, in dem die GSES trotz allem wieder auf ein Rekordergebnis zusteuere. Positiv gestalte sich darüber hinaus auch der Ausblick: Das Unternehmen habe die Genehmigung, weitere fünf Jahre lange alte Schächte per Spülversatz mit Kraftwerksrückständen zu verfüllen.

Für den Bergbau und die Salzförderung allerdings könne er trotz der 2019 wieder gewachsenen Abbaumengen nur zuversichtlich in die Zukunft schauen, wenn die Politik die Auflagen zum Klimaschutz lockere. „Uns zu zwingen, unter Tage ausschließlich Bio-Diesel in unseren Fahrzeugen zu verwenden, setzt uns nicht nur unter Kostendruck. Es ist auch ökologisch unsinnig, wenn für den Bio-Kraftstoff Palmöl verwendet wird, für dessen Herstellung Urwald gerodet wird“, meint Schmiereck.

Diese Einschätzung des GSES-Chefs teilt auch Ralf Möller, Staatssekretär im Thüringer Umweltministerium in seiner Festansprache zur Barbarafeier. Ebenso unterstütze er die Idee von einem energieautarken Bergwerk, wie sie Schmiereck und die GSES-Gesellschafter verfolgen. Möller kündigte politische Weichenstellungen dafür an. Zuvor hatte Schmiereck in seiner Rede festgestellt, dass die Pläne für nachhaltigen Bergbau zwar von vielen Leuten begrüßt würden, aber wenn es an die Umsetzung gehe, immer wieder juristische Bedenken vorgeschoben würden. Einsetzen will sich Möller auf Landesebene auch dafür, dass die GSES in naher Zukunft ihr Konzept für die Produktion von Wasserstoff mit Windstrom von der Halde umsetzen könne. Mit dem klimaneutralen Wasserstoff sollen künftig die auf Brennstoffzellentechnik umgerüsteten Untertage-Fahrzeuge angetrieben werden.

Um nachhaltige Lösungen für den Bergbau bemühe sich Gerhard Nachsel-Weschke bereits sein ganzes Berufsleben als Montan-Geologe hindurch. Auch damit erklärte Schmiereck in seiner Laudatio, warum er den mit 80 Jahren immer noch im Dienst aktiven Bergmann für eines der beiden Ehrenarschleder vorschlug, die in diesem Jahr vergeben wurden. Die Verleihung an Nachsel-Weschke fand ebenso einhelligen Beifall wie die Vergabe der zweiten Auszeichnung an Obersteiger Hans-Georg Jahn. Dieser verlässt die GSES jetzt in den Ruhestand und erwarb sich während der 47 Jahre im Unternehmen besondere Verdienste durch seinen aktiven Einsatz in der Grubenwehr, begründete Thomas Kießling, warum er Jahn zur Ehrung vorschlug.

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