Mancher hinterlässt verwüstete Räume im Obdachlosenheim

Sondershausen.  Im Sondershäuser Obdachlosenheim kümmert sich ein Bewohner um mehr Ordnung. Stadtrat und Bürgermeister planen Besuch.

Einige Mängel weißt die Notunterkunft für Obdachlose Männer in Sondershausen derzeit auf, dies war auch ein Thema im Stadtrat. 

Einige Mängel weißt die Notunterkunft für Obdachlose Männer in Sondershausen derzeit auf, dies war auch ein Thema im Stadtrat. 

Foto: Henning Most

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Vier Männer teilen sich das Zimmer an einem Ende des langen Gangs im Sondershäuser Obdachlosenheim. Auf der anderen Seite des Flachbaus im Heimental sind drei Betten in einem weiteren Schlafraum belegt. Einige der Bewohner schälen sich am frühen Nachmittag erst aus den Decken, weil die Heizung gerade wieder anspringt. Die werde während einiger Stunden am Tag gedrosselt, hieß es auf Nachfrage aus der Stadtverwaltung. Verlassen müssten die Nutzer die Einrichtung am Tage aber nicht, wie es in anderen Städten verlangt werde.

Mit den Zuständen in der Sondershäuser Obdachlosenunterkunft beschäftigen sich in diesen Tagen die Mitglieder des Stadtrates intensiver, nachdem das Thema in der zurückliegenden Sitzung angesprochen worden war. Bürgermeister Steffen Grimm (pl) will sich gemeinsam mit Vertretern aus den Fraktionen nun am Freitag bei einem Besuch in der Einrichtung ein Bild machen.

Der Bewohner Mike Guth hat den Dienstagvormittag schon genutzt, um den Flur zu fegen und im Gemeinschaftsraum aufzuräumen. „Ich hasse Siff“, schüttelt er sich bei dem Gedanken daran, in einer verdreckten Bude hausen zu müssen. Deswegen ist dem 51-Jährigen, der erst seit ein paar Wochen wieder einmal im Heimental Obdach gefunden hat, das Zimmer quer über den Korridor ein Dorn im Auge. Hinter der eingetretenen Tür sind Reste alter Möbel aufgetürmt. Im Schlafraum nebenan liegt Wäsche auf einem schmutzigen Teppich verstreut. Ein Bettgestell mit einer verkeimten Matratze steht schräg mitten im Raum. Der Bewohner, der das Chaos hinterlassen habe, sei seit Tagen nicht mehr aufgetaucht, so Guth.

Auch die Toiletten müssten dringend geputzt werden. Vorbenutzer hatten sie in üblem Zustand hinterlassen. Nur eines der Abteile im Gemeinschafts-WC mitten in der Unterkunftsbaracke hat Mike Guth für sich gesäubert. Fließendes Wasser für Guths Putzaktionen gibt es. Sogar Warmwasser stehe den Bewohnern der nur für Männer vorgesehenen Unterkunft zur Verfügung, wird aus der Stadtverwaltung betont. Das sei mehr Komfort, als die Vorschrift für Obdachlosenasyle verlange. Die Zimmer verfügen über Waschbecken, Duschen gibt es nicht. „Wir sollen uns ja hier nicht auf Dauer einrichten“, kennt Guth den Grund, warum die Duschräumen des ehemaligen Wohnheims für Gastarbeiter aus DDR-Zeiten verschlossen sind. Nicht verstehen aber kann er, warum über einem Fenster ein Notausgang-Symbol leuchtet, obwohl es hinter der Scheibe fast vier Meter in die Tiefe geht. Von der Stadt gibt es eine Erklärung: Im Notfall sollen Rettungskräfte auf dieser Seite des Hauses von außen per Leiter einen Fluchtweg schaffen.

Trotz solcher Einschränkungen können die Männer nicht kostenlos in der Unterkunft bleiben. 6,65 Euro müssen sie täglich berappen, um ein Dach über dem Kopf und ein Bett zu haben. Für dieses Nutzungsentgelt stellt die Stadt zudem Kochgelegenheiten und die Möglichkeiten zur Körperpflege zur Verfügung. Kosten für Strom, Heizung und Wasser sind als Pauschale eingerechnet. Wer einen Monat bleibt, muss in Summe fast 200 Euro für Unterkunft und Nebenkosten aufbringen. Das sei noch günstig, wird aus der Stadtverwaltung erklärt. Üblich seien Tagesentgelte von bis zu 14 Euro für Plätze in Obdachlosenunterkünften. Da die Nutzer bedürftig seien, würden diese Kosten aber in der Regel vom Jobcenter übernommen.

Acht Personen, so die Auskunft von Mike Guth, würden im Moment in der Unterkunft im Heimental leben. Einer, den alle Uwe nennen, wohne bereits seit sieben Jahren hier, heißt es. Die meisten anderen Benutzer wechselten dagegen aber häufig. Auch Guth, so sagt er selbst, muss demnächst wieder ausziehen. Er fürchtet, das bisschen Ordnung und Sauberkeit, an dem er mit Hilfe von ein, zwei Kumpeln in den vergangenen Wochen intensiv gearbeitet habe, sei schnell wieder dahin, wenn er nicht mehr darauf achte. Selbst eine Waschmaschine für sich und seine Kameraden hat er hier aufgestellt und angeschlossen.

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