Mit Schubert-Marsch in den Schlosspark Sondershausen

Sondershausen  Stadtführerin Edith Baars mit mehr als 30 Interessierten auf den Spuren der 400-jährigen Orchestertradition in Sondershausen unterwegs.

Großen Zuspruch fand die Sonderstadtführung mit Stadtführerin Edith Baars unter dem Titel „ Musiktradition bei Hofe – 400 Jahre Loh-Orchester “ in Sondershausen

Foto: Christoph Vogel

Forschen Schrittes geht Edith Baars vom Marktplatz in Sondershausen zwischen Landratsamt und dem Haus „Zum Schwan“ in Richtung Schlosspark. Aus einem kleinen Lautsprecher, den sie an einer Schlaufe locker um das Handgelenk trägt, schallt Musik – es handelt sich um einen Marsch von Schubert. Mehr als 30 Leute schließen sich an und folgen Edith Baars.

„Es ist die erste und einzige Stadtführung zu diesem Thema“, erklärt Edith Baars, Sondershäuser Stadtführerin. Sie trägt den Titel „Musiktradition bei Hofe – 400 Jahre Loh-Orchester“ und soll den Teilnehmern einen kurzen Abriss der Musikgeschichte Sondershausens der vergangenen 400 Jahre bieten.

Die Idee dazu kam der Stadtführerin im vergangenen Jahr bei Gesprächen mit Juliane Hirschmann, Konzertdramaturgin des Loh-Orchesters Sondershausen. Letztere hatte einen öffentlichen Aufruf gestartet, um historisches Material für die Erstellung einer Festschrift anlässlich des 400-jährigen Jubiläums des Sondershäuser Orchesters zu bekommen.

„Das wäre doch was, wenn man den Leuten zu diesem Thema etwas bei einer Stadtführung vermittelt“, erzählt Edith Baars von ihrer ersten Eingebung. Das Konzept für die Sonderstadtführung entwickelte sie selbst, in Abstimmung mit Juliane Hirschmann und dem Loh-Orchester.

Bei der als etwa einstündigen Spaziergang durch den ehemaligen fürstlichen Schlosspark geplanten Führung hält die Gästeführerin mehrmals – vorzugsweise an Stellen, wo es die Möglichkeit gibt, auf einer Parkbank Platz zu nehmen – inne, um über die Musikgeschichte Sondershausens zu berichten. Dies geschieht in Form eines kurzen Abrisses von den Anfängen in der Zeit der Renaissance, über die Epochen Barock, Rokoko, Klassizismus bis in die Gegenwart. Untermalt werden die Informationen mit einem kurzen Einspiel von Musik aus der jeweiligen Epoche.

Die Musikstadt Sondershausen ist bekannt „durch ihren Klangkörper und das Konservatorium“, eröffnet Baars ihre Ausführungen. In allen Winkeln der Stadt gebe es Beispiele vom Musikleben, Wohnorten namhafter Persönlichkeiten sowie Spielstätten zu finden.

Des Weiteren erzählt sie von den Anfängen der Hofkapelle, dem späteren Loh-Orchester. Die hatte ihre Geburtsstunde mit der Anstellung von Tobias Michael als Hoforganist in der Trinitatiskirche im Jahre 1619. Im weiteren Verlauf beleuchtet die Gästeführerin die Entwicklung der Hofkapelle, spricht über Förderer am fürstlichen Hof und berühmte Dirigenten, Komponisten und Musiker jener Epochen.

So sei es für welterfahrene Musiker eine Ehre gewesen, in Sondershausen eine Anstellung zu bekommen oder hier unterrichten zu dürfen, berichtet die Gästeführerin.

Als bekannte Persönlichkeit nennt sie unter anderem den ungarischen Komponisten und Pianisten Franz Liszt (1811-1886), der mehrmals in Sondershausen verweilte und dessen Musik schon zu seinen Lebzeiten häufig bei Konzerten im Loh gespielt wurde.

Dazu gehört aber auch die Zeit, in der es immer mittwochs und sonntags im Sondershäuser Loh kostenlose Konzerte für die Bevölkerung gab.

Einige Anekdoten – zum Teil von Edith Baars auch in Mundart vorgetragen –, die neben den fundierten Fakten zur Auflockerung beitragen und bei den Teilnehmern für Amüsement und einige Lacher sorgen, hat Edith Baars ebenfalls in ihre Führung eingebaut.

Zum Ende hin gibt es auch noch einen kurzen Ausflug in die jüngste Vergangenheit, bei dem Edith Baars auch berichtet, dass es Phasen gab, in denen das Orchester fast vor dem Aus stand – wovon seit der Fusion mit dem Theater Nordhausen keine Rede mehr ist.

Am Applaus gemessen ist die Führung gut angekommen. Von einigen war auch zu hören, dass diese sehr informativ, ansprechend und kurzweilig war. Aufgrund des großen Zuspruchs will Edith Baars mit den Verantwortlichen der Sondershäuser Tourist-Information sprechen, diese Sonderstadtführung im Jubiläumsjahr ein weiteres Mal anzubieten. „Ich war selber überrascht und es hat mich sehr gefreut, dass so viele Interessierte gekommen sind“, sagte Edith Baars ganz begeistert.

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