Neue Chance für junge Eltern auf Jobs mit Perspektiven im Kyffhäuserkreis

Kyffhäuserkreis  Fachkräfte in sozialen Berufen werden im Kyffhäuserkreis gesucht. Menschen mit Kindern fehlt es bislang aber an Förderung beim Einstieg.

In der IBKM- Praxis in Sondershausen bilden Sandra Widdra (rechts) und Sabrina Ernst künftige Ergotherapeuten an modernen Therapiegeräten aus.

In der IBKM- Praxis in Sondershausen bilden Sandra Widdra (rechts) und Sabrina Ernst künftige Ergotherapeuten an modernen Therapiegeräten aus.

Foto: Henning Most

Die derzeit guten Chancen auf einen Job im sozialen sowie Reha- oder Gesundheitsbereich in der Region können junge Eltern oder Alleinerziehende oft nicht nutzen. Für viele dieser Menschen ist es schwierig, die oft über den gesamten Tag verteilte Schichtarbeit mit der Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Andere scheitern daran, die in der Regel mit Schulgebühren verbundene Ausbildung in solchen Berufen zu bezahlen. Deshalb bleibt vielen jungen Leuten, die bereits Familien zu versorgen haben, der Einstieg in solche aussichtsreichen Jobs von vornherein verwehrt.

Auch aus diesem Grund blieben im zurückliegenden Monat 14 Stellen in den medizinischen Gesundheitsberufen unbesetzt. Zwölf freie Stellen gab es darüber hinaus in den nichtmedizinischen Gesundheitsberufen und Berufen der Körperpflege, teilt die Agentur für Arbeit auf Nachfrage mit. Aus der gleichen Statistik geht außerdem hervor, dass im Kyffhäuserkreis im Juni bereits acht Stellen im Bereich Kinderbetreuung und Soziales unbesetzt blieben. In der Region Nordthüringen werden für den Gesundheitssektor insgesamt 121 neue Mitarbeiter gesucht, in der Kinderbetreuung und anderen sozialen Bereiche 38.

Trotz solch großen Bedarfs an Fachkräften biete das Land Thüringen vor allem für die Erzieherausbildung kaum Förderung an, wie aus der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Agentur für Arbeit weiter zu erfahren war.

Dabei ist gerade der Bedarf an Erziehern bereits hoch und wird durch neue Anforderungen an die Kinderbetreuung in Tagesstätten künftig noch weiter steigen, wie Prognosen aus dem Jugend- und Sozialamt des Kyffhäuserkreises zeigen. Spätestens im kommenden Jahr werden dann schon mehr Mitarbeiter in den Kindergärten benötigt, weil dann eine ausgebildete Fachkraft nicht mehr so viele Kinder gleichzeitig betreuen darf, wie es jetzt noch erlaubt ist. Verschärft wird das Problem noch durch einen hohen Anteil älterer Erzieherinnen in den Kindergärten, die in absehbarer Zeit in Rente gehen.

Überhaupt wächst die Zahl älterer Menschen in der Region. Und damit auch der Bedarf an Fachkräften für die Gesundheitsberufe. Die unter anderem damit verbundene Chance auf einen sicheren Job in diesem Bereich konnte Saskia Bauerhin jetzt in einem neuen Projekt beim privaten Bildungsträger IBKM ergreifen. Dort wurden der 33-Jährigen die finanziellen Hürden aus dem Weg geräumt, die sie bislang daran gehindert hatten, ihren Wunschberuf Ergotherapeut zu erlernen. Ohne die Belastung durch Schulgeld lassen sich 14 andere junge Eltern im gleichen Projekt zu Ergotherapeuten und Erziehern ausbilden. 18 weitere Stellen stehen ab August im Nachfolgekurs zur Verfügung. „Ich kann jetzt den Beruf lernen, der mir gefällt. Und die Aussicht, mit der Ausbildung in Zukunft dringend gebraucht zu werden, eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, motiviert mich zusätzlich“, erklärt Saskia Bauerhin.

Die vom Land Thüringen immerhin unterstützte Initiative der IBKM kann allein nicht ausreichen, den wachsenden Bedarf an Fachkräften im Sozialbereich aufzufangen. Trotzdem existiere im Freistaat weiterhin keine generelle Regelung, angehende Erzieher auch im dritten Ausbildungsjahr zu fördern. Das nimmt Menschen die Chance, eine solche Ausbildung auch abzuschließen. Die Landesregelung verhindere zudem, dass Arbeitsagenturen und Jobcenter Umschulungen in solche Berufe fördere, hieß es aus der Regionaldirektion.

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