Nicht länger wegschauen, weghören und untätig bleiben

Greußen.  Die Thüringer Gemeinschaftsschule Greußen trägt seit Dienstag den Titel Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), Schülersprecher Etienne und Schulleiter Jürgen Ludwig brachten das Schild gut sichtbar in unmittelbarer Nähe des Eingangs an.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), Schülersprecher Etienne und Schulleiter Jürgen Ludwig brachten das Schild gut sichtbar in unmittelbarer Nähe des Eingangs an.

Foto: Christoph Vogel

„Wir sind keine Schule, die komplett ohne Rassismus ist, wir wollen aber eine werden“, sagt Etienne, Schülersprecher einer 9. Klasse der Thüringer Gemeinschaftsschule (TGS) Greußen, am Dienstag in seiner Ansprache. Anlass dafür war die Verleihung des Titels Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, die in der Aula des Schulgebäudes stattfand. Als Pate für die Veranstaltung konnte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) gewonnen werden, der die Bildungseinrichtung seit dem Spatenstich für deren Neubau im Jahr 2017 schon mehrmals bei wichtigen Anlässen besucht und begleitet hat. Er machte an mehreren Beispielen deutlich, was es bedeutet, Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt zu sein. So berichtete er unter anderem über den Rosa Parks Day in den USA. Der erinnert jährlich an die afroamerikanische Bürgerrechtlerin Rosa Parks, die am 1. Dezember 1955 in Montgomery, Alabama verhaftet wurde, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast freizumachen. Das sei damals Gesetz gewesen.

Die Thüringer Gemeinschaftsschule habe sich für die Verleihung des Titels beworben, sagt Schulleiter Jürgen Ludwig. Aktivitäten und Projekte, die sich mit Themen wie Diskriminierung, Ausgrenzung, couragiertem Handeln, soziale Benachteiligung und Einflussnahme für eine faire Gesellschaft beschäftigen, gäbe es bereits seit 2013 regelmäßig an der Greußener Bildungseinrichtung.
Ziel des Projektes sei es, „den Alltag an Schulen so zu verändern, dass dieser von einem Klima der gegenseitigen Achtung und der Anerkennung individueller Eigenheiten geprägt ist, gepaart mit der gemeinsamen Suche nach verbindenden Normen“, erklärt Ludwig. So soll letztlich erreicht werden, dass alle Schüler gern in der Einrichtung lernen, sich niemand ausgegrenzt oder diskriminiert fühlt. Mehr als 80 Prozent der Schüler und auch die Lehrer der Thüringer Gemeinschaftsschule hätten dafür eine Selbstverpflichtung unterschrieben, gegen Rassismus und Ausgrenzung an der Schule einzustehen. Ludwig sieht diesen Titel nicht als Auszeichnung oder Preis, sondern als Ansporn und Namen, „an dem wir ab heute gemessen werden“. Auch sollten die Schüler jeden Tag daran denken, wie sie miteinander umgehen. Schüler der Klasse 9r hatten dies gestern im Rahmen der Verleihung anhand eines Antirassismus-Stückes unter dem Namen „Gesicht zeigen“ sehr anschaulich dargestellt. In der kurzen Aufführung ging es darum, nicht wegzusehen, wegzuhören und unbeteiligt zu bleiben, wenn andere Menschen diskriminiert werden. „Die Welt ist bunt, es ist Zeit zu handeln. Was macht ihr?“ gaben sie den Schülern, Lehrern und Gästen – unter ihnen auch Landrätin Antje Hochwind-Schneider (SPD) und Greußens Bürgermeister René Hartnauer (SPD) – als Denkanstoß mit auf den Weg. Mit dem Projekt gegen jegliche Form von Rassismus seien die Greußener Schüler nicht allein, machte die Landeskoordinatorin Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, Arlett Symanowski, die den Titel gestern verlieh, deutlich. So gebe es deutschlandweit mehr als 3200 Schulen, mit insgesamt über 1,5 Millionen Schülern und Lehrern, die sich ebenfalls an dem Projekt beteiligen – in Thüringen sei es die 54. Schule, im Kyffhäuserkreis die dritte.

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